Esther Straub wird erste Kirchenratspräsidentin

Mit Esther Straub präsidiert erstmals in der Geschichte der Reformierten Zürcher Landeskirche eine Frau das oberste Leitungsgremium. Die Kirchensynode wählte die Pfarrerin und bisherige Kirchenrätin im ersten Wahlgang zur neuen Kirchenratspräsidentin. In der siebenköpfigen Exekutive nehmen ausserdem zwei neue Mitglieder Einsitz.

Seit gut 500 Jahren gibt es die Reformierte Kirche in Zürich. Mit Esther Straub steht nun erstmals eine Frau an der Spitze der Kirchenleitung. Die Kirchensynode wählte die Zürcher Pfarrerin im ersten Wahlgang mit 100 von 117 Stimmen zur Kirchenratspräsidentin. Esther Straub ist seit 2015 Kirchenrätin und Mitglied der Religiös-sozialen Fraktion. Sie verfügt neben dieser Führungserfahrung in der Kirche auch über viel Know-how in der Zürcher Politik. Esther Straub war Kantons- und Gemeinderätin der Zürcher SP.

Dass Esther Straub das Rennen um das Präsidium relativ einfach gewinnen würde, war nicht von Anfang an klar. Noch im Frühling musste die 53-Jährige mit starker Konkurrenz rechnen. Damals wollte sich auch ihr Vorgänger Michel Müller noch für eine weitere halbe Amtszeit als Präsident zur Verfügung stellen. Ausserdem bewarb sich Pfarrerin Sabrina Müller als offizielle Kandidatin der Liberalen Fraktion um das Präsidium. Sowohl Michel Müller als auch Sabrina Müller zogen später ihre Kandidatur zurück. Michel Müller kehrt in den Pfarrberuf zurück und wird Pfarrer in Weggis. Sabrina Müller entschied sich für eine Professur an einer ausländischen Universität. Damit war der Weg ins Präsidium für Esther Straub frei.

Esther Straub dankte in ihrer Antrittsrede für die breite Unterstützung und zeigte ihre Vorfreude auf die kommenden Aufgaben. Es warte viel Arbeit auf die Reformierte Kirche, sagte die neue Präsidentin: «Ich bin überzeugt, dass es uns in der Gesellschaft braucht.» Es gehe darum, dies verstärkt zu zeigen und sich gegen Relevanzverlust zu stemmen. Gerade in der Seelsorge sei die Kirche sehr gefragt und geschätzt. Aber auch als Gemeinschaft, die sich für den Frieden einsetze.

Bisherige Mitglieder des Kirchenrats bestätigt

Bei der Wahl der weiteren sechs Mitglieder des Kirchenrates setzte die Kirchensynode so weit wie möglich auf Kontinuität. Sie bestätigte alle vier wieder antretenden bisherigen Mitglieder des Kirchenrates: Andrea Marco Bianca (fraktionslos, vormals Liberale Fraktion), Margrit Hugentobler (Synodalverein), Bruno Kleeb (Evangelisch-kirchliche Fraktion) und Katharina Kull-Benz (Liberale Fraktion). Die nach dem Rücktritt von Michel Müller und Bernhard Egg freigewordenen zwei Sitze besetzten die Synodalen mit Eva Schwendimann (Religiös-soziale Fraktion) und Dominik Zehnder (Liberale Fraktion). Die bei den letzten Wahlen erstarkte Evangelisch-kirchliche Fraktion konnte im Kirchenrat keinen zusätzlichen Sitz erobern. Ihr zweiter Kandidat, Franco Sorbara, verpasste die Wahl. Auch der zweite Kandidat des Synodalvereins, Thomas Villwock, schaffte den Sprung in die Exekutive nicht.

Zentralkasse mit Sparauftrag

Die Kirchensynode genehmigte an ihrer Sitzung auch das Budget der Zentralkasse 2024. Die Landeskirche rechnet dabei mit einem Ausgabenüberschuss von 2,7. Mio. Franken. Auf Ertragsseite erwartet man gut 105 Mio. Franken, hauptsächlich aus den Beiträgen der Kirchgemeinden aus Kirchensteuern in der Höhe von 66,6 Mio. und den Staatsbeiträgen in der Höhe von knapp 26 Mio. Franken. Trotz sinkender Mitgliederzahlen weisen die Kirchgemeinden immer noch stabile Steuererträge aus. Die Aufwände belaufen sich auf rund 108 Mio. Der mit Abstand grösste Posten ist der Personalaufwand. Er beträgt 85,5 Mio. Franken. Sachaufwand und Beiträge sind mit 11,3 Mio. resp. 10,7 Mio. Franken budgetiert.

Langfristig rechnet der Kirchenrat mit einem Rückgang der Steuereinnahmen. Er hat deshalb einen Sparauftrag formuliert: Basierend auf den Zahlen der Rechnung 2022 sollen der Personal- und der Sachaufwand auf das Jahr 2025 um 5 Prozent und auf das Jahr 2027 um 10 Prozent gekürzt werden. Die Kirchensynode stimmte dem Budget 2024 einstimmig zu und hiess zudem einen Antrag auf Aufstockung der Kosten für den Parlamentsdienst um 60’000 Franken gut.

Massnahmen gegen Antisemitismus

Die Kirchensynode befasste sich überdies mit dem Thema Antisemitismus. Einerseits nahm der Kirchenrat ein Postulat «Für eine Reformierte Kirche ohne Antisemitismus» entgegen. Eine längere Debatte führte die Kirchensynode ausserdem über die Ausformulierung einer schliesslich verabschiedeten Resolution zum Antisemitismus. Die Synodalen rufen darin dazu auf, im Alltag gegen Antisemitismus und für die Unantastbarkeit der Würde der Jüdinnen und Juden einzustehen.

Wir haben diese Sitzung per Livestream übertragen.

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