Message

1. Über Gott reden

Das Nachdenken über den eigenen Glauben ist für den Einzelnen, aber auch für die Kirche von zentraler Bedeutung.

Die Landeskirche leistet ihren Dienst nicht nur in der Verkündigung, sondern auch in der «Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes in der Bildung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen» (Art. 5 Kirchenordnung).

Diesem Auftrag, so heisst es oft, stehe heute eine Scheu gegenüber, Glaubensfragen überhaupt zu thematisieren.

Andere wiederum reden von frommen Floskeln, die heute nicht mehr verstanden würden.

Den Menschen «aufs Maul schauen» (Martin Luther) bedeutet, zuerst hinhören, was sie je in ihrem Leben glauben, denken und entdecken.

Erst dann geht es wieder um Sprache und Bilder, um das Gehörte zu fassen, als Kirche auf der Höhe der Zeit verständlich über Gott in der Welt zu reden und neue Formen von Spiritualität zu entwickeln.

«Spiritualität ist Lebensgestaltung aus dem Glauben» (Art. 70 Kirchenordnung).


Massnahmen

Verständigungsprozess zur Spiritualität entwickeln

Die Entwicklung neuer Formen reformierter Spiritualität auf der Höhe der Zeit tut not. Dafür braucht es den Mut und den Willen, die «Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes» in die (kirchliche) Öffentlichkeit zu tragen und einen Prozess des Hörens, des Nachdenkens und neuer Sprachversuche zu lancieren – einen Prozess, der nicht von Gewissheiten geleitet wird, sondern in dem auch der Zweifel seinen Platz haben darf.

Sprachfähigkeit wiedergewinnen – Bildhaftigkeit stärken

«Arbeit an der Sprache ist Arbeit am Gedanken», hat Friedrich Dürrenmatt gesagt. Der Glaube und das Sprechen darüber sind einander nicht nachgeordnet, sondern voneinander abhängig. Von der theologischen und liturgischen Sprachfähigkeit der kirchlichen Mitarbeitenden und ihrem Verständnis für Bildhaftigkeit und Anschaulichkeit hängt es ab, wie gut es gelingt, die Menschen von heute für das Evangelium zu begeistern und insbesondere auch Kinder und junge Menschen anzusprechen. Mit geeigneten Diskursen wird diese Sprachfähigkeit und das Vermögen zur Visualität gefördert.

Öffentliche Verständigung über Gott in der Welt

1523 lud der Grosse Rat von Zürich zu Disputationen über Huldrych Zwinglis Thesen und Predigten. Sie sollten das reformierte Zürich nachhaltig verändern. Die Form der Disputation wurde später unter Einbezug einer breiteren Öffentlichkeit wieder aufgenommen, zuletzt mit der «Zürcher Disputation 84 zur Erneuerung des Glaubens». Aus reformierter Perspektive tragen alle Mitglieder an der Verantwortung für ein reformiertes Glaubensverständnis mit. Für 2023 wird – 500 Jahre nach Zwingli – eine neue Form der öffentlichen Verständigung ins Auge gefasst, bei der das neu Gehörte in seinen Konsequenzen für die Kirche und für das Reden über den Glauben diskutiert wird.