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Was können Kirchgemeinden tun?

Orientierungshilfen, Infos, Tipps, Links

Aktuelle Lage in der Schweiz und im Kanton Zürich

Nach Einreise in die Schweiz können ukrainische Geflüchtete, die keine Kontakte in der Schweiz haben und eine Unterkunft benötigen, ans Bundesasylzentrum (BAZ) gelangen. In den Bundesasylzentren stehen freie Unterbringungsplätze zur Verfügung. Im BAZ können sich Geflüchtete zudem für den Schutzstatus S registrieren. Alternativ ist die Registrierung auf der Website des Staatssekretariats für Migration (SEM) online möglich. Nach der Registrierung durch den Bund werden die Geflüchtetem einem Kanton und vom Kanton einer Gemeinde zugeteilt.

Empfangsstelle auf dem Kasernenareal
Zusammen mit den Städten Zürich und Winterthur betreibt der Kanton Zürich an zentraler Lage in der alten Militär-Kaserne nahe dem Hauptbahnhof in der Stadt Zürich eine Empfangsstelle. Adresse: Kasernenstrasse 49, 8004 Zürich. Sie unterstützt Geflüchtete aus der Ukraine, die mit Schutzstatus S bereits dem Kanton zugewiesen wurden und eine Unterkunft benötigen. Auch Geflüchtete, die auf der Durchreise sind und Unterstützungsbedarf haben, können sich an die Empfangsstelle wenden. Personen, die bereits über eine Unterkunft oder Wohnadresse in einem anderen Kanton verfügen, wenden sich bitte an die zuständigen Behörden des jeweiligen Aufenthaltskantons. Mehr Infos hier


Was können Kirchgemeinden aktuell tun

Die Unterbringung, Betreuung und finanzielle Unterstützung von Geflüchteten gehört in den Zuständigkeitsbereich von Bund, Kantonen und Gemeinden. Diese sind aktuell extrem gefordert, die dafür notwendigen Strukturen zur Verfügung zu stellen. Kirchliche und private Unterstützung ist daher sehr willkommen. Sie ist aber immer nur als subsidiäre Hilfe zu verstehen, also ergänzend zu und in Absprache mit den staatlichen Akteuren.

Geflüchtete haben ihre je eigenen Geschichten, Erfahrungen und Lebensbezüge. Ihre Bedürfnisse können sich daher stark voneinander unterscheiden. Während die einen sofort Deutsch lernen und eine Arbeit suchen möchten, brauchen andere vielleicht mehr Zeit, anzukommen und eine ruhige Umgebung, um sich zu erholen. Die Kinder und Jugendlichen werden meist rasch in die schulischen Regelstrukturen integriert. Je nach Umständen der Flucht sind die Menschen unterschiedlich stark traumatisiert.

Aktuell zeichnen sich für Kirchgemeinden insbesondere folgende Unterstützungsmöglichkeiten ab:

  • Wohnraum zur Verfügung stellen:
    Bund, Kantone und Gemeinden werden gefordert sein, genügend Unterbringungsplätze für Geflüchtete zur Verfügung zu stellen. Private Unterbringungen können dabei zu einer entscheidenden Entlastung beitragen. Kirchgemeinden können geeignete Unterbringungsangebote an die vom Kanton Zürich eigens dafür eingerichtete Anlaufstelle des kantonalen Sozialamtes melden: ukraine@sa.zh.ch. Gleichzeitig bitten wir, diese Angebote auch der Landeskirche mitzuteilen: ivana.mehr@zhref.ch. Die kantonale Anlaufstelle nimmt eine erste Prüfung der Angebote vor und leitet diese dann an die zuständigen politischen Gemeinden weiter, welche bei Bedarf Kontakt mit den Kirchgemeinden aufnehmen.
    Merblatt für Gastfamilien
  • Begegnungsräume für Austausch untereinander anbieten
    Ukrainische Geflüchtete sind über soziale Medien sehr gut miteinander vernetzt. Sie informieren sich untereinander über hilfreiche Unterstützungsangebote und teilen wichtige Infos und Tipps zum Leben in der Schweiz. Was soziale Medien nicht bieten können, ist ein physischer Ort der Begegnung, wo man sich austauschen, trösten, ermutigen und gegenseitig Halt bieten kann. Hier können Kirchgemeinden unterstützen, indem sie Begegnungsräume für ukrainische Geflüchtete kostenlos zur Verfügung stellen.
  • Unterstützungsnetzwerk für Gastfamilien
    Geflüchtete privat zu beherbergen kann zu einer beidseitig grossen zeitlichen und psychischen Belastung werden. Kirchgemeinden können im Sinne einer sorgenden Gemeinschaft Hand bieten für ein lokales Unterstützungsnetzwerk für Gastfamilien, indem sie z.B. Austausch- und Vernetzungstreffen im Kirchgemeindehaus organisieren für Gastfamilien, Freiwillige und weitere Interessierte aus der Gemeinde/dem Stadtteil. So kann man sich untereinander absprechen. Freiwillige können Gastfamilien unterstützen, indem sie einen Teil der Begleitung übernehmen, z.B. einmal pro Woche für sie kochen, niederschwellige Deutschkurse anbieten oder in solche vermitteln, Freizeitgestaltung organisieren oder Hilfe bei den Hausaufgaben der Kinder anbieten. Die Begleitung der Geflüchteten wird so auf mehrere Schultern verteilt.
  • Bestehende kirchliche Angebote stärken
    Geflüchtete aus der Ukraine mit dem Schutzstatus S haben Zugang zu den Angeboten der kantonalen Integrationsförderung. Kirchliche Angebote können ergänzend dazu einen willkommenen Beitrag für eine sinnvolle Beschäftigung und Tagesstruktur leisten und ein Stück weit vom Kriegsgeschehen im Heimatland ablenken. Viele Kirchgemeinden haben in der Flüchtlingswelle nach 2015 wertvolle Angebote geschaffen: Deutschkurse mit Kinderbetreuung, Treffpunkte, Begleitung bei alltäglichen Herausforderungen oder auch Möglichkeiten, wo Geflüchtete aktiv ihre Fähigkeiten und Ressourcen einbringen können. Diese Angebote bestehen z.T. bis heute oder können wieder aktiviert und/oder ausgebaut werden.
  • Räumlichkeiten für Schulunterricht zur Verfügung stellen
    Ziel ist, dass alle ukrainischen Kinder und Jugendlichen rasch wieder einen geregelten Unterricht besuchen können. Je nach Gemeinde werden die Kinder in Auffangklassen unterrichtet oder direkt in die Regelklassen integriert. Teils werden Kinder auch mit Unterstützung von ukrainischen Lehrpersonen unterrichtet. Es zeichnet sich ab, dass in einigen Gemeinden der Schulraum knapp werden könnte und zusätzlich Räumlichkeiten für den Schulunterricht benötigt werden. Wenn Kirchgemeinden geeignete Räumlichkeiten haben, können sie diese ihrer politischen Gemeinde melden. 
  • Geld spenden:
    HEKS hat eine humanitäre Hilfe in der Höhe von 2 Millionen Franken gestartet, mit der auch die Menschen unterstützt werden, die aus der Ukraine in die Nachbarländer sowie in die Schweiz fliehen. Kirchgemeinden können mit Kollekten für die HEKS-Nothilfe in der Ukraine sammeln. Das HEKS kann damit auch Gelder der Glückskette beanspruchen, sodass Ihre Hilfe vervielfacht wird. Spenden für die Ukraine sind zudem auch direkt an die Glückskette möglich, oder via Caritas und Schweizerisches Rotes Kreuz.

Zum Thema Kleider- und Sachspenden

  • Waren und Sachspenden ins Krisen- und Kriegsgebiet nehmen die Hilfswerke nicht entgegen. Die Abwicklung von Sachspenden ist sehr zeitintensiv, der Transport teuer und die Logistik aufwändig. Viel sinnvoller sind Geldspenden (siehe oben). Damit können benötigte Güter vor Ort bedarfsgerecht und erst noch günstiger beschafft werden, und gleichzeitig wird damit die lokale Wirtschaft unterstützt. Momentan können noch alle Hilfsgüter vor Ort und in den Nachbarländern beschafft werden. Sollte sich das ändern und Sachspenden aus der Schweiz benötigt werden, werden wir informieren.
  • Sachspenden für Asylunterkünfte im Kanton Zürich: Die Asylorganisation Zürich AOZ führt in Stadt und Kanton Zürich sowie in weiteren Kantonen Kollektivunterkünfte für Geflüchtete. Diese Einrichtungen verfügen bereits über Secondhand-Kleiderläden, Spielzimmer für Kinder sowie Aufenthalts- und Computerräume. Sach- und Warenspenden können nur nach vorheriger Abklärung und Anmeldung erfolgen, Infos hier
  • Von einer Kleider- und Sachspendenaktion ohne vorherige Prüfung des Bedarfs ist in jedem Fall abzuraten.

Nützliche Links und Infos


Kontakt und Auskunft

Ivana Mehr, Fachmitarbeiterin Migration Ivana Mehr — Reformierte Kirche Kanton Zürich (zhref.ch)