Message

54 Thomas

I have seen the sun break through / to illuminate a small field / for a while, and gone my way / and forgotten it. But that was the pearl / of great price, the one field that had / the treasure in it. I realize now / that I must give all that I have / to possess it. Life is not hurrying / on to a receding future, nor hankering after / an imagined past. It is the turning / aside like Moses to the miracle / of the lit bush, to a brightness / that seemed as transitory as your youth / once, but is the eternity that awaits you.

R. S. Thomas; The Bright Field; in: Collected Poems 1945-1990; London 1993; Seite 302.

Gleichnisse vom Finden, deren Wahrheit einleuchtet. Gleichnisse von der Hingabe an Gefundenes, deren Gefühle mitreissen. Gleich zwei von ihnen sind es: das vom Schatz und das von der Perle (Mt 13,44-45). Da muss einer einfach alles geben, was er hat, und kauft den Acker und die Perle, um diesen Fund nie zu verlieren und für im­mer zu besitzen.

Thomas verlegt die biblischen Gleichnisse in die Landschaft von Wales, die ihm ver­traut ist. Das Erlebnis des Alltags, der doch immer wieder seine Wunder hat, rahmt den biblischen Bezug: das märchenhafte Wunder, wenn ein gewöhnlich wolkenver­han­gener Him­mel plötzlich die Sonne durchbrechen lässt und ein schmales Feld un­erwartet von ihren Strahlen erleuchtet wird. Jeder photographierende Tourist in Eng­land kennt ihn, diesen so schwer erfassbaren und so rasch entschwindenden Mo­ment, wenn eine banale Welt ihre Tristesse verliert und plötzlich strahlt. Glücklich, wer ihn einfangen und festhalten, wer den Moment digital verewigen kann. Illuminati, die ihn erlebt haben, Erleuchtete, die dabei waren.

Wer derlei erlebt, bleibt selbst nicht trist. Für Thomas wirft das Erlebte ein neues Licht aufs eigene Leben. Er versteht es plötzlich besser. Das nur gerade für einen Mo­ment er­leuchtete Feld wird ihm zum Gleichnis fürs Leben. Er wird ein Erleuchteter. Er strahlt. Nicht das ist das Leben, dass ich einer Zu­kunft nacheile, die sich fortlau­fend vor mir zurück­zieht und nicht eintreffen will. Auch das ist nicht das Leben, dass ich mich hin­ter einer Vergan­genheit hersehne, die so nur in meiner Vorstellung exi­stiert. Nein, in beiden Fällen bin ich ausser mir und verliere mich an etwas, das nie war und nie wird. Ich gehe an nichts verloren. Ein Grauen, das wohl viel grauer ist als das Feld, wenn es mal nicht erleuchtet ist.

Und nun diese Formulierung, die allen wohldurchdachten Programmen, jeder Art von Konsequenz, jeglicher Moral, ja, die selbst den biblischen Bildern vom geraden und brei­ten Weg widerspricht: Leben ist der lay-by, die Wendung zur Seite, die Unterbre­chung auf der Hauptstrasse. Die Abwendung vom main stream und die Hinwendung zum miracle aside, das ist Leben. Nicht die Strasse, für die es ein GPS gibt, geome­trical product specifications, damit ich auch ankomme, wo ich will, führt zum Le­ben, sondern das Ereignis am Strassenrand, das ein Wunder ist, der brennende Dorn­­busch des Mose (Ex 3,1-5), das aber brightness ausstrahlt, einen Glanz, eine Klar­heit, eine Helligkeit, ja sogar eine Heiterkeit, die für immer lebendig macht.

Vorübergehend wie das erleuchtete walisische Feld ist dieses Ereignis zur Seite des Gewöhnlichen. So vergänglich wie die Jugend, die erst der Erwachsene in seiner Ver­­­suchung des Hinterhersehnens als flüchtig erkennt, traurig, nichts mehr von ihr an sich zu haben. Aber auch so augenblicklich wie die Ewigkeit, die einen erwartet, sich im lebendigen Moment aber nicht zurückzieht, sondern da ist, einfach da.

Zwischen dem Einst, das war, aber so, wie ich es heute erinnere, vielleicht doch nicht war, und dem Dereinst, das kommt, aber so, wie es sich mir heute entzieht, vielleicht doch nicht kommt, liegt der Schritt zur Seite, wo unerwartet und überraschend plötz­lich ein Wunder leuchtet. Nicht nur als Trost für Englandreisende …

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