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Zünfte

Zunftverfassung zur Zeit Zwinglis

Die Zunftverfassung:
Der Aufrichtung der Zunftverfassung (Stadtverfassung von 1498, in der die Ratssitze unter die Zünfte verteilt wurden) ging der Kampf um die Bildung der Zünfte voraus. Die Zünfte waren die Verbände, die für die Handwerker die Ämterfähigkeit erstritten. Neben St.Gallen, Schaffhausen und Basel konnte sich in Zürich eine reine Zunftverfassung erhalten, weil der kaiserliche Einfluss zu gering war, um diese "demokratische" Form in der Eidgenossenschaft zu verhindern.

Das erste Ziel des genossenschaftlichen Zusammenschlusses der Handwerker war der Schutz der gewerblichen Arbeit. Die Entwicklung von Grossbetrieben wurde dadurch verunmöglicht, dass jeder Meister nur eine Werkstatt und 2-3 Gesellen haben durfte. Freie Konkurrenz gab es nur in bezug auf die Qualität. Zur besten Zeit der Zunftwirtschaft wurde die Unterwerfung des gesamten Handwerks unter die Zunft nicht aus Eigennutz betrieben; man wollte nicht andere vom Handwerk ausschliessen, sondern das gesamte Handwerk planvoll gestalten. Auch nahm sich eine Zunft der Verpflegung und Unterstützung kranker und verarmter Mitglieder an.

Über den Zünften stand ordnend und ausgleichend der Rat. Dieser war in den Zunftstädten wie Zürich ein Kollegium von Zunftvertretern.

Die Bevölkerung von Zwinglis Zürich setzte sich hauptsächlich aus Handwerkerfamilien zusammen, und das gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Übergewicht lag bei den in 12 Zünften berufständig organisierten Handwerkern, nicht mehr bei Adligen, Grossgrundbesitzern, etc. (die Vertretung der Konstaffler im Rat war verringert worden). Es war der Rat, es waren diese Zünfte, auf die sich Zwingli in erster Linie verlassen konnte und ohne deren entschlossenes Mitgehen die Reformation in Zürich kaum so rasch Erfolg gehabt hätte - kein Zufall, dass Zwingli, wie Zeitgenossen bezeugen, besonders gern auf Zunftstuben Geselligkeit gepflegt hat.

Um 1529 bestand ein bedeutender Anteil (knapp 800) der ca. 5400 Stadtbewohner von Zürich aus Zunftmitgliedern. Obwohl die Mitglieder des Grossen und Kleinen Rats nicht vom Volk gewählt wurden, sondern von den Zünften, bzw. der Konstaffel abgeordnet wurden, war die Regierungsform weniger aristokratisch als andernorts. Zwingli äussert sich positiv darüber: in Zürich stehe es besser als mancherorts sonst; in fast allen übrigen Orten der Eidgenossenschaft (Bern ausgenommen) liege ja das Regiment in der Hand einiger weniger Gewalthaber.

Globalisierung:
"Globalisierung" war für Zwingli kein Thema und kein Problem. (Es bestand ja noch nicht einmal eine einheitliche Bundesverfassung für die 13 Orte. Der föderative Aufbau mit seinem Mangel einer Zentralgewalt ist der Reformation zustatten gekommen: Souveränität der Orte hat es verhindert, dass es zu tätlichem Einschreiten gegen Zürich kam.) - Will man Zwingli dennoch verreinnahmen für ein Pro oder Kontra "Globalisierung", hätte man sich auseinanderzusetzen einerseits mit dem Humanisten, der international denkt und auch korrespondiert, und andererseits mit dem Lokal-/Sozialpolitiker, der v.a. Lösungen zu lokalen Problemen sucht. Kriterium ist ihm, ob etwas (z.B. eine politische Struktur) der Verbreitung des Evangeliums dient. Zusammenfassen liesse sich seine Haltung hier wohl in einem Slogan, der uns derzeit von Plakatwänden aufruft: "Think global, act local!"

C. Schnabel am 20. November 1999 (bearbeitet)