Message

Toggenburg

Zwinglis Toggenburgische Herkunft

Huldrych Zwingli kam im Toggenburg zur Welt und hatte zeitlebens eine Verbindung mit dieser Gegend. Bereits mit sechs Jahren ging er allerdings zu seinem Onkel nach Weesen, dort besuchte er die Dorfschule. Nachher führte er seine Ausbildung in Basel, Bern und Wien fort, bis er als 23-Jähriger Pfarrer in Glarus wurde. Das Folgende betrifft also v.a. seine ersten Jahre.

Sein Vater war begüterter Bauer und Ammann von Wildhaus und St. Johanns Tal im Toggenburg. Zwingli stammte also von freien Bauern ab, die es gewohnt waren, am politischen Geschehen aktiv Anteil zu nehmen. (Etwa im Vergleich mit Luther ist für Zwingli typisch, dass er von Anfang an nicht nur Theologe sondern auch Politiker war. Dies gab der Zürcher Reformation ihren besonderen Charakter).

Was Zwingli in seiner Toggenburger Zeit geprägt haben dürfte, ist zunächst die Zugehörigkeit zu einer zahlreichen, angesehenen, für damalige Verhältnisse im Gebirge vermögenden Bauernfamilie. Auf sein angestammtes Bauerntum war er zeitlebens stolz: "ich bin nun einmal ein Bauer, ganz und gar". Auch als gelehrter Humanist in Zürich schreibt er mit Hochachtung vom Bauernstand (da schon Adam diesen Beruf ausübte, hat er besonderen Adel). Wichtig war auch das Leben in harter Arbeit und in Genügsamkeit, zu dem die Bewohner des Hochtals gezwungen waren. Das wohl Wichtigste: Seit Generationen war es Tradition in Zwinglis Familie, dass man sich der ehrenamtlichen, verantwortungsreichen Beschäftigung mit öffentlichen Dingen widmete. Dieses politische Bewusstsein erzog ihn zum aktiven Republikaner.

Schon die älteste Zwinglibiographie (Myconius, 1532) vermutet einen Einfluss der Gewalt und Schönheit der Bergwelt um Wildhaus auf Zwinglis Religion. - Ja, Zwingli konnte ergriffen und ehrfürchtig von diesem Gott sprechen, der hinter einer wunderbarer Schöpfung steht - zu belegen sind jedoch solche Zusammenhänge kaum.

Das Toggenburg zu Zwinglis Zeit
Die Grafschaft Toggenburg war ein Zugewandter Ort der Eidgenossenenschaft, jedoch einer ohne Zulassung zur Tagsatzung. Obwohl "Untertanen" das Abtes von St. Gallen (seit 1468) wachten die Toggenburger eifersüchtig über ihrer bestätigten alten freien Verfassung. Dass die Toggenburger auch stolz waren auf ihre bescheidene Stufe in der Eidgenossenschaft, das sehen wir deutlich bei Zwingli, der sich immer voll und ganz als Eidgenosse fühlte. Möglicherweise gerade weil er aus einem "minderen" Gebiet der Eidgenossenschaft kam, war er weniger belastet vom Egoismus der einzelnen Orte; gerade deshalb lag ihm der gemeinsame Bund besonders am Herzen. Zwinglis betonter eidgenössischer, patriotischer Stolz hängt damit zusammen.

Reformation im Toggenburg
Im Toggenburg, das viele Freiheiten genoss, machte die Reformation rasche Fortschritte. Neben vielen anderen evangelischen Predigern war auch Zwinglis eigener Einfluss in seiner Heimat wichtig. Wir wissen, dass er bereits 1519 seinen Brüdern reformatorische Schriften zur Verbreitung sandte und dass er ihnen 1522 eine reformatorische Marienpredigt mit Vorwort widmete. Schliesslich erwies sich seine Botschaft an Landrat und Landsgemeinde von Toggenburg (Juli 1524) als wirksam: Damit machte er seine Lehrmeinungen im Toggenburg bekannt (sola gratia; sola scriptura; Kritik an Papst, Tradition, Opfermesse, Laster der Geistlichkeit, Götzenbilder; Betonung des christlichen Lebenswandels und der Glaubensfreiheit).

Noch im Sommer 1524 verpflichtete daraufhin der Landrat die Pfarrerschaft auf das reformatorische Schriftprinzip. Ein Jahr später widmete Zwingli "dem ersamen und wysen Landrat und gantzer gmeynd der graaffschaft Doggenburg, synen insunders lieben herren und landlüten" eine weitere Schrift: "Von dem Predigtamt". Damit legte er die Grundlage für geordnete reformierte Gemeinden im Toggenburg.

Trotz katholischem Widerstand vollzog sich im Toggenburg der Aufbau der reformierten Kirche zügig - nicht zuletzt dank dem Schutze Zürichs. Anfang 1529 war in allen Kirchen die Reformation durchgeführt. An der Toggenburger Synode 1531 war Zwingli auch anwesend; er wurde herzlich empfangen.

C. Schnabel am 6. August 1999 (bearbeitet)