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Theater

Zwingli für Theater?
  1. Auch wenn es zu seiner Zeit keine vergleichbaren Projekte gab, für Menschen in einer schwierigen sozialen Situation setzte sich der Reformator jedenfalls tatkräftig ein.

    2. Da es für Zwingli keine heiligen Gegenstände oder Orte gibt, hat er kein Problem mit der Profanierung ehemals kirchlich genutzter Räume. In der Reformationszeit wurden in Zürich verschiedene Kirchenräume andern Zwecken zugeführt. (Die Wasserkirche z.B. wurde zum Lagerhaus.)

    3. Das möglicherweise vorgebrachte Argument, dass Zwingli gegen ein Theaterprojekt wäre, ist nicht stichhaltig. Wie auch die bildlichen Darstellungen an den Wänden hatte zwar INNERHALB des Gottesdienstes Theater keinen Platz. Da stellte er entschlossen das Wort allein ins Zentrum. Doch gegen Schul- und Bürgerdrama hatte er nichts. Im Gegenteil, er förderte es, sah es als selbstverständliches pädagogisches Mittel (Lernen alter Sprachen, humanistische Bildung, sittliche Vorbilder). So nahmen denn auch zu Zwinglis Lebzeiten und noch ein gutes Jahrzehnt danach die Dramenaufführungen in Zürich zu. Zu einer theaterfeindlichen Stadt wurde Zürich erst nach Zwingli, nicht unter seinem Einfluss.

    C. Schnabel am 20. September 1999