Message

Spanien

Reformation in Spanien

Die Reformationsgeschichte in Spanien ist kurz. Die rigorose spanische Inquisition erstickte alle von der katholischen Orthodoxie abweichenden Bewegungen im Keim und schuf eine uniforme religiöse Gesellschaft wie kaum anderswo in Europa.

Am Vorabend der Reformation vertrieb Spanien die letzten muslimischen Besatzer und wurde durch die Union der Königreiche Aragon und Kastilien zu einem mächtigen Land. Die militante christliche Politik Ferdinands und Isabellas beinhaltete nicht nur die Reconquista sondern auch Zwangsbekehrungen. Wer nicht freiwillig zum katholischen Glauben übertrat oder aus Spanien floh, wurde zwangskonvertiert. Weil man den "Neuchristen" nicht wirklich traute, setzten die Könige die Spanische Inquisition ein.

Ferdinand und Isabella förderten die Kirchenreform, die das Bischofssystem reorganisierte, den Ämterkauf abschaffte und höhere (Bildungs-)standards für Geistliche setzte. Anders als im übrigen Europa waren in Spanien vor Reformation schon viele Missstände in der Kirche aufgehoben.

An der 1508 gegründeten Universität von Alcalà wurden einerseits humanistisch biblische und andererseits scholastische Studien betrieben. Daraus und in der Folge anderer Reformbemühungen entstanden zwei ganz unterschiedliche Schulen. Die erste, von einer franziskanischen Tradition herkommend, stellte apostolische Armut, persönliche Moral und systematisches geistliches Gebet ins Zentrum des christlichen Lebens. Diese Schule stand dem Erasmischen Humanismus und dem Illuminismus, einer spanischen Frömmigkeitsbewegung, nahe. Die zweite Schule betonte die Sakramente und orientierte sich an einem Aristotelischen Rationalismus.

Die Illuministen bevorzugten eine direktere, persönliche Beziehung zu Gott und wurden daher verdächtigt, die Sakramente abzulehnen. Da sie wenn nicht die Unfreiheit so doch die Beschränktheit des menschlichen Willen betonten, nahm man an, sie stünden unter protestantischem Einfluss. Tatsächlich haben aber nur sehr wenige Spanier die reformatorische Lehre verstanden und angenommen, doch war es einfacher, die Leute wegen protestantischer Irrlehren anzuklagen. In den 1520er Jahren wurden die ersten illuministischen Gemeinschaften zerstört und in den folgenden Jahren fielen prominente Erasmianer wegen Verdacht auf Protestantismus der Inquisition zum Opfer.

Erst in den 1550er Jahren tauchten wieder Gruppen auf, die entweder von Illuministen oder von erasmischen Ideen beeinflusst waren und mit dem calvinistischen Genf korrespondierten. Nachdem die führenden Köpfe dieser neuen Bewegung hingerichtet und zahlreiche andere Massnahmen (wie der Index librorum oder das Verbot, im Ausland zu studieren) durchgesetzt waren, endete die kurze Geschichte des Protestantismus in Spanien.

[NB: Die Jesuiten - Ignatius - stammen aus Spanien: Marienfrömmigkeit, geistlicher Militarismus, Exerzitien, unbedingter Papst-Gehorsam, höchst flexible und einfallsreiche Mission (Franz Xaver) - TN]

Die folgenden Bücher behandeln diese Geschichte:

- Kinder, Arthur Gordon: Spanish Protestants and Reformers in the sixteenth century, 1994.

- Windler, Christian: Zusammenhänge in historischer Vielfalt, 1994.

- Otto, Wolfgang: Juan de Valdés und die Reformation in Spanien im 16. Jahrhundert, 1989.

Ch. Scheidegger am 15. Oktober 2002 (bearb.)