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Sexualität

Das Thema Sexualität - bei Zwingli und den Reformatoren, oder: Zwingli aus dem puritanischen Gefängnis befreien

Zwingli war kein Puritaner und er hat den Puritanismus auch nicht erfunden.
Zwingli war nicht prüde. Sex war ihm kein Tabu, schon gar nicht Sünde; Sexualität zählt er zu den Grundbedürfnissen wie Essen und Trinken. Die Befriedigung der alltäglichen Bedürfnisse ist ihm so wichtig, dass göttliche Gebote gebrochen werden können. Dies war die "christliche Freiheit", die er sich vorstellte.
Zwingli sprach oft von Lust: Lust an Sprache, Denken, Musik, Theater, an Kunstwerken. Spürbar ist die Freude an Kindern und an seiner Frau. Seine Gegner im altgläubigen wie im täuferischen Lager haben ihm das alles zum Vorwurf gemacht.
Zwingli war auch kein Sexapostel. Da er sich von den kirchlichen Verboten gelöst hatte, wurden säkulare Regelungen nötig. Anstelle von Verdammung oder Reduktion auf Fortpflanzung traten das "rechte Mass" und die "richtige Beziehung".
Die Ordnungen sollten sich nicht primär mit der Sexualität beschäftigen, sondern den "Eigennutz", die Selbstsucht in Grenzen halten. Denn die Selbtsucht war in Zwinglis Denken das grösste Schädigungspotential der Menschen, die eigentliche Sünde. Aus ihr, sagte er, entsprängen Raub und Mord und Rücksichtslosigkeit, vor allem aber die vielen Formen der Tyrannei, rechtlose Macht über andere.
Die Tendenz Zwinglis in Sachen Sexualität kurz zusammengefasst : Alles, was die Menschen machen, in Beziehung zu Gott setzen, in die Güte Gottes einfügen, - damit etwas Gutes daraus entstehen kann.
Samuel Waldburger