Message

Protestantismus

Protestantismus - Katholizismus

Im Gegensatz zum Katholizismus lehnt der Protestantismus einen Teil der kirchlichen Tradition ab. - Zum Protestantismus gehören die Kirchen, die ursprünglich oder mittelbar aus der REFORMATION hervorgegangen sind. Während die lutherische, reformierte und die anglikanische Kirche direkt auf die Reformation zurückgehen, setzt die Geschichte der Baptisten und Methodisten erst später ein. Die vielen Teilungen in selbständige Kirchen mit je eigenem Glaubensbekenntnis ist ein Merkmal des Protestantismus, das seit seiner Entstehung kennzeichnend ist. Grund dafür ist die Ablehnung einer kirchlichen Zentralgewalt, eines Papstes. Seit der Reformation haben unterschiedliche theologische Strömungen den Protestantismus immer wieder verändert. Zu nennen sind der Puritanismus und die protestantische Orthodoxie im 17. Jh., der Pietismus im 18. Jh., die liberale Theologie und die Erweckungsbewegung im 19. Jh.

Die Entstehung der protestantischen Kirchen geht auf die Kritik zurück, die Martin Luther, Huldrych Zwingli und viele andere im 16. Jh. an der mittelalterlichen Kirche geübt haben. Die Reformatoren kritisierten Lehre und Praxis dieser Kirche auf der Grundlage der Bibel. Sie forderten Kirche und Gesellschaft auf, sich allein an der Heiligen Schrift (ohne Tradition, „sola scriptura“) zu orientieren und auf das neu entdeckte Evangelium zu hören. Der mittelalterliche Katholizismus lehrte, dass der Mensch über viele Stufen schliesslich zu seinem Heil gelange. Auf diesem Weg war er auf die Hilfe der Kirche angewiesen, weil diese die zum Heil nötigen oder nützlichen Mittel verwaltete: Sakramente, Wallfahrten, Fasten, Ablässe, Stiftungen usw. Die Reformatoren wandten sich mit dem Argument dagegen, dass das biblische Evangelium etwas anderes lehre: Gott spreche alle Menschen frei von ihren Sünden und lasse ihnen die Strafen nach, wenn sie an das einzig wirksame Mittel, Christus („solus Christus“), glaubten („sola fide“). Das ist die viel zitierte Rechtfertigungslehre, die zusammen mit der Lehre der Schrift („sola scriptura“ statt Bibel plus kirchliche Tradition) zu den Grundpfeilern des Protestantismus gehört und ihn vom Katholizismus wesentlich unterscheidet. Von dieser Grundlage her schafften die protestantischen Kirche bisherige „unevanglische“ religiöse Praktiken und Lehren ab, z.B. die Messe, das Fasten oder die Vorstellung vom Fegefeuer.

Ch. Scheidegger am 17. September 2001 (bearb.)