Message

Persönliches Heil

In vielen Schriften Zwinglis finden sich Aussagen über das persönliche Heil. Die Frage 'wie bekomme ich einen gnädigen Gott?" war zu jener Zeit ganz aktuell.

Bei der Durchführung der Reformation waren für Zwingli die folgenden drei Motive bestimmend: die Ehre Gottes, das Gemeinwohl eines christlichen Staatswesens und der Trost des Gewissens (persönliches Heil). Diese drei Punkte sind für Zwingli untrennbar miteinander verknüpft. Das eine geht nicht ohne das andere. Gott wird nur die Ehre gegeben, wenn die Erkenntnis und Verehrung Gottes stimmen. Umgekehrt ist der Mensch erst dann wirklich glücklich, wenn er Gott kennt und ihn in rechter Weise ehrt. Zwingli kritisierte an der Kirche und der Gesellschaft seiner Zeit, dass man nicht Gott die Ehre gebe und dass man sein Heil letztendlich nicht in Gott, sondern bei den Menschen suche. Er bezeichnete diesen Zustand als Götzendienst.

Er schrieb: „Dieser ist Gott, zu dem man um Hilfe eilt: Er ist der einzige Trost und Schatz. Daher ist der eine Gott die Zuflucht der Glaubenden. Und jene, deren Zuflucht er nicht ist, die glauben nicht. Sie glauben schon, aber nicht an den wahren Gott. Haben sie nämlich ihre Hoffnung auf geschaffene Dinge gesetzt, so sind sie Götzendiener. ... Wo unser Trost auf etwas anderes gerichtet ist als auf Gott, dort sind wir Götzendiener.“

Fasten, Ablässe, Wallfahrten, Stiftungen , Sakramente und andere fromme Praktiken verurteilte Zwingli als Götzendienst, weil die Menschen glaubten, dass diese zum persönlichen Heil nötig oder nützlich seien. Wie sollte nun der Mensch konkret in Gott seine einzige Zuflucht suchen und so sein Heil finden? Wenn die alten kirchliche Bräuche nicht zum Ziel führten, was dann?

An dieser Stelle muss die Frage nach der menschlichen Schuld erwähnt werden. Zwingli glaubte wie die mittelalterliche Kirche auch, dass der Mensch der Erlösung bedarf. Der Mensch übertritt das Gesetz Gottes und macht sich schuldig. Er kann nur zu Gott kommen, wenn er von seiner Schuld freigesprochen ist. Der Mensch ist mit seiner Schuld vorerst alleingelassen, bis er das Evangelium hört.

Zwingli schrieb: „Nachdem uns armen Menschen unmöglich war, durch eigenes Verdienst zu Gott zu kommen, verordnete Gott, dass sein Sohn für uns menschliche Natur annehme und für uns in den Tod hingegeben werde. Denn nur der, der allenthalben vollkommen und ohne Fehler war, vermochte all unsere Gebrechen hinwegzunehmen. Wer diesem Tun Gottes fest glaubt und sich auf die Köstlichkeit und Fruchtbarkeit des Leidens Christi verlässt, der hat jetzt dem Evangelium geglaubt, der wird selig.“

Wichtig hinsichtlich des persönlichen Heils sind die Worte „für uns“. Zwingli schrieb dazu im „Kommentar über die wahre und falsche Religion“:

„Was heisst das: Glauben, dass Christus Jesus im Fleisch gekommen ist? Ist dieser Glaube zum Heil notwendig? Keineswegs, es sei denn, dass wir glauben, Christus sei ‚für uns‘ gekommen, er sei ‚für uns‘ der Christus Jesus, das heisst der Gesalbte, der Heiland, er, der fürwahr ein König und Heiland ist, Gottes und des Menschen Sohn. Ist aber Christus selbst das Heil - wie er es denn in Wahrheit ist -, was hilft es dann, dass wir anderswo das Heil suchen?“

In derselben Schrift lässt Zwingli Jesus folgendes sagen: „Wer auf mich vertraut, ist schon gerettet. Denn sobald er sein ganzes Vertrauen auf mich setzt, empfindet er in sich selbst, dass sein Gewissen fröhlich wird und dass sich seine Seele von der Verzweiflung zum sicheren Besitz des Heils erhebt.“

Ch. Scheidegger am 03. Juli 2001 (bearb.)