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Musik (Kirchenmusik)

Zwingli hatte den Chorgesang im Gottesdienst abgeschafft und den Gemeindegesang nicht eingeführt (ihn jedoch ausdrücklich nicht verworfen wie in anderen Kirchen der Reformation).

Daneben aber pflegte er auch während seiner Zürcher Jahre daheim zu musizieren, wie es in Humanistenkreisen eben üblich war.

Schon anlässlich seiner Berufung ans Grossmünster 1519 wollte man ihm aus seiner Musikliebhaberei einen Strick drehen: Solch weltliches Vergnügen stehe ihm nicht wohl an. Aber solche Kritiker fertigt er ab: "Wenn dies nicht unverschämte und ganz und gar unverständige Esel sind!" (4) Er gehe ja mit seinen musikalischen Künsten nicht hausieren: "Ich singe und spiele ja wirklich nur daheim ganz für mich und höre ohne Anspruch auf Lohn dem lieblichen Konzert zu." Ebenso wenig lässt er es sich danach in Zürich nehmen, "zuo Erlabung und Ergetzung des beschwerten Gemüets", wie Bullinger berichtet (1), immer wieder einmal seine Laute oder Geige hervorzuholen. Insgesamt dürfte er etwa ein Dutzend Instrumente gespielt haben.

Noch 1531, als der Reformator auch Dringenderes zu tun hatte, als zu musizieren, scheint er noch komponiert zu haben. So schreibt ihm Capito in einem Brief (2): "Ich möchte gerne die von Dir komponierten Lieder (‚auch die zur Laute', heisst es in einem andern Brief) haben; denn nach ihnen verlangt meine Familie sehr." Oder als Johannes Faber (der Gegner aus Luzern) Zwingli seinen Unernst vorhält, den er mit seinen Hoflauten, Geigen und Flöten treibe, verteidigt er sein Musizieren und verweist auf König David, der ja schliesslich auch Harfenspieler war (3).

Auch in der Schule wollte Zwingli das Singen keineswegs unterbinden, denn es gehörte für ihn ganz selbstverständlich zur Allgemeinbildung. Er setzte sich aktiv dafür ein und steuert zu einer Theateraufführung der Zürcher Schüler im Chorherrengebäude die musikalische Begleitung bei. Seine Komposition für diesen Anlass ist nicht erhalten, nur die Nachricht, dass Zwingli bei dieser Aufführung vor Rührung weinte...

Literatur: Einstieg: Oskar Farner, Hudrych Zwingli, 1960, Bd.4; weiterführend: Markus Jenny, Zwinglis Stellung zur Musik im Gottesdienst, 1966.

(1) Bullinger Reformationsgeschichte I,306
(2) CR XI 316,13f.; 163,7
(3) CR V 54,16ff.
(4) CR VII 113,12ff.

C. Schnabel am 16. September 1999 (bearbeitet)