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Musik - bei Zwingli

Musik bei Zwingli und in der Zürcher Reformation

Dass Zwingli die Orgelmusik und den Kirchengesang aus dem Gottesdienst verbannte, hat ihm die Nachwelt nie ganz verziehen. Als Moral-predigender Musikverächter ging er deswegen in die Geschichte ein. Zwar zeugen verschiedene von Huldrych Zwingli komponierte Lieder in den Kirchengesangsbüchern von der durchaus musikalischen Ader des Kirchenmannes aus dem Toggenburg. Seine ausgesprochene Liebe für die Musik geriet jedoch weitgehend in Vergessenheit.

Von zeitgenössischen Chronisten wird der Zürcher Reformator als virtuoser Musiker geschildert. Bereits als Schüler fiel der jugendliche Zwingli durch seine aussergewöhnlichen Talente auf. Innert kürzester Zeit soll er sämtliche damals gebräuchliche Renaissance-Instrumente erlernt und daneben auch gerne und hervorragend gesungen haben: Zwingli zupfte die Laute ebenso meisterhaft wie die Harfe, er strich die Geige, das "Rabögli" (dreisaitige Miniatur-Geige) und das einsaitige Trumscheit oder er begleitete seine oft selbst verfassten Melodien mit der Flöte, der Schwegelpfeife, dem Waldhorn, der Zinke (Blasinstrument), und mitunter griff er gar zum "Sackpfyff" (Dudelsack).

Wegen seiner musikalischen Unterhaltungskünsten wurde der junge Feldprediger Zwingli von seinen Gegnern oder auch Neidern oft als "luthenschlager und evangelischer pfyffer" verspottet. Worte, die den Vollblutmusiker offenbar schwer getroffen haben. Obwohl die Musik zu Beginn des 16. Jahrhundert wichtiger Bestandteil des Kirchenlebens war, womit man die Gottesdienste aufzulockern pflegte, begann Zwingli den "Singsang" in den Gotteshäusern aufs Heftigste zu kritisieren - wie wenn er damit beweisen wollte, dass er kein liederlicher Musikus sei.

Zwingli ordnete die Musik, der er selber immer wieder verfallen war, dem Weltlichen und eher Untugendhaften zu. Denn im Spätmittelalter waren es vor allem arme Bettler und fahrende Spielleute, welche das Volk mit lüpfigen Weisen zum ausgelassenen Tanz aufriefen. Aber auch an den "sengelnurrenden Nonnen" liess der Reformator kein gutes Wort: Diese würden die Verse und Psalmen nur absingen ohne sie zu verstehen, genauso wenig wie die lauschende Kirchgemeinde. Die Musik lenke vom echten Glauben ab, meinte Zwingli. Er wollte das Bibelwort unverfälscht und ohne störende Nebengeräusche verkünden.

Mit seinen antimusikalischen Verdikten konnte Zwingli seine persönliche Leidenschaft vielleicht kaschieren, ganz davon abgelassen hat er allerdings nie. 1528, ein Jahr nach der Entfernung der Kirchenorgel aus dem Grossmünster, gründete er die erste Zürcher Musikschule. Daneben komponierte Zwingli weiter geistliche Chor- und Psalmenlieder, die zwar eher streng und bedächtig klangen, dem Reformator aber immerhin die Möglichkeit boten, seinem Hobby in Würde nachzugehen.

Ein eigentlicher Hit soll Huldrych Zwingli, den schwärmerischen Bezeugungen seines Nachfolgers Heinrich Bullinger zufolge, mit dem Kappelerlied gelungen sein. Der Bittgesang für ein heilvolles Ende der Konfessionskriege - ein Kriegslied also - fand später eigentümlicherweise sogar Einlass in die deutschen Kirchengesangsbücher.

Rea Rother (bearbeitet)