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Kriegstaten

Zitat: Zwingli zu Kriegstaten

«Ein jeder sollte sich einmal in die Kriegssituation versetzen und sich vorstellen, dass mit ihm umgegangen würde, wie er mit andern Christenmenschen umgeht.
Stell dir vor, wie es wäre, wenn ein fremder Söldner in dein Land eindränge, deine Wiese, deinen Acker, deinen Rebberg zerstörte, deine Rinder und dein Kleinvieh wegtriebe, allen Hausrat zusammenbände und wegführte, wenn er zuvor im Kampf deine Söhne erschlagen hätte, weil sie sich dich schützen wollten, wenn er deine Töchter vergewaltigte und entehrte, deine liebe Gattin, die sich ihm vor die Füsse wirft und für dich und sich um Gnade bittet, mit den Füssen wegstiesse und schliesslich dich guten alten Mann aus der Kammer in deinem Haus, in dem du dich vor Angst versteckt hast, hervorzöge und unter den Augen deiner Frau elendiglich erstäche, dies ohne Rücksicht auf dein gebrechliches, ehrenwertes Alter oder auf das Jammern und Klagen deiner braven Frau, und wenn er zuallerletzt noch Haus und Hof verbrennen würde. Du würdest glauben, Gott existiere nicht, wenn sich der Himmel nicht öffnete und Feuer spiee und wenn sich das Erdreich nicht auftäte, um solche Schurken zu verschlucken. Wenn du nun aber dasselbe einem andern antust, betrachtest du es unter dem Kriegsrecht. Denk einmal darüber nach, was eigentlich ein tüchtiger Kriegsmann ist, wenn das die Kriegstaten sind.»

(zitiert nach:
Huldrich Zwingli, Schriften, TVZ, Bd.1, p. 89f, Zürich, 1995)