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Ceporinus / Wiesendanger

Ceporinus / Wiesendanger: Zwinglis Hebräischlehrer

Jakob Wiesendanger (gen. Ceporinus), von Dinhard (Zürich), geboren 1499, studierte in Wien, dann bei Johannes Reuchlin in Ingolstadt. 1522 lernte Zwingli bei ihm Hebräisch.

Er veröffentlichte u.a. einen Abriss der griechischen Grammatik, der bis ins 18. Jahrhundert im Gebrauch blieb, Stücke aus Hesiod sowie eine Pindar-Ausgabe, in deren Vorwort Zwingli dem früh Verstorbenen (1525) ein ehrendes Denkmal setzte.

Hochbegabt, wurde Ceporin bereits 1525 Professor für Griechisch und Hebräisch an der Zürcher Theologenschule: Für die von Zwingli gegründete Prophezei wurde Herr Ciprin (wie ihn die Zürcher nannten) 1525 nach Zürich berufen, nachdem er bereits 1522/23 während etlichen Monaten in der Stadt als Sprachlehrer gewirkt hatte. Es lag Zwingli vor allem daran, einen gut ausgewiesenen Hebraisten zu erhalten, wessen man bei Ceporin zum Voraus versichert sein durfte. Sein Lehrauftrag war, "alle Tag läsen, uff ein Tag Hebraysch und den andern Kriechisch, und also einen Tag umb den andern zuo verwechseln (abwechslungsweise)", doch kam es dann bald so, dass die Professur für das Griechische von andern bekleidet wurde und Ceporin nur als Inhaber der "hebraisch Letzgen" (Vorlesungen) zu amten hatte.

Wie sah Ceporins Tätigkeit in der Prophezei aus? Unter versammelten Theologen und Interessierten wurde täglich ein halbes oder ganzes Kapitel der Bibel aus der gebräuchlichen Übersetzung, der lateinischen Vulgata, vorgelesen. Nun folgte das bisher für Zürich Unerhörte: ein des Hebräischen kundiger Spachlehrer erhebt sich und fängt an, das soeben lateinisch Gehörte "uss dem hebraischen Text zuo lesen, verdolmetschend in Latin, sampt ainer kurzen Anzeigung der Wörter Kraft (Bedeutung) und Vermügen und wo die nit mit der alten Dolmetschung glichlutend funden werden." Dieses Amtes waltete Ceporinus nur ein knappes halbes Jahr. Gemäss einem Nachruf Zwinglis starb er [mit 26 Jahren - TN] infolge Überarbeitung.

Als Ceporins Nachfolger wurde - nach interimistischem Einsatz Leo Juds - auf Zwinglis Empfehlung 1526 Konrad Pellikan (1478-1556) an die Theologenschule geholt.

Ausführlichere Angaben zu Ceporins Leben und Werk sind zu finden in:
Egli, Emil: Analecta Reformatoria, Zürich, 1901, Bd 2, S.145-160.

C.Schnabel am 17. August 2000 (bearb.)