Message

Der Link nach Schottland

Bericht zum Besuch aus Schottland am 15. September 2015, mit Infos zur Geschichte der Reformierten Kirche Schottlands

Als gebürtige Schottin hat es mich natürlich sehr gefreut, als sich zwei  Offizielle der Church of Scotland zur Beauftragung der Reformationsjubiläumsbotschafter am 15. September 2015 im Grossmünster anmeldeten.  Und sie kamen wirklich – Ian Alexander, Secretary of the World Missions Council, und Susan Brown, Pfarrerin der Dornoch Cathedral  und offizielle Seelsorgerin (Chaplain) der Königin. Beide hatten schon am Internationalen Kongress zum Reformationsjubiläum 2017 vom 6.-10. Oktober 2013 in Zürich teilgenommen.

Geschichtlich ist die Reformierte Kirche Schottlands mit der Schweiz sehr verbunden.  Der Schottische Reformator John Knox, der wegen seiner Predigttätigkeit als konvertierter Priester in St. Andrews auf einer französischen  Galeere rudern musste, verbrachte die Zeit der Protestantenverfolgung durch „Bloody“ Mary Tudor zunächst in Frankfurt am Main und dann in Genf. In Genf lernte er von Jean Calvin, leitete die englisch-sprachige Gemeinde der Glaubensflüchtlinge (Marian exiles) und plante den Aufbau einer reformierten Kirche in Schottland und England.  Er war eifrig und kompromisslos. Seine Streitgespräche mit der jungen katholischen Königin, Mary Stuart, sind berühmt. Bei Heinrich Bullinger suchte Knox Rat, als er sich überlegte, Wiederstand gegen „götzendienerische“ Monarchen zu leisten. Davon hatte Calvin abgeraten. Bullinger war in Europa gut vernetzt, pflegte auch eine rege Korrespondenz mit Schottland, und wusste viel über die Verfolgung der Glaubensgenossen. Er hatte Verständnis für Knox‘ Anliegen. Durch Knox wurde Schottland  zu einem überwiegend Reformierten Land.

In den letzten Jahrzehnten hat sich das drastisch verändert. Von 5 Mi. Einwohnern sind 500,000 aktive Mitglieder der Church of Scotland. Eine Umfrage zeigt aber, dass 30% der Gesamtbevölkerung sich der Church of Scotland zugehörig fühlt. Die Reformierte Kirche in Schottland ist eine Volkskirche, aber keine Staatskirche. Es gibt keine Kirchensteuer, dafür Mitgliederlisten, die zeigen, was jeder bereit ist zu spenden, sogenannte „pledging members“. Die Kirche ist trotzdem in Parochien aufgeteilt, und die Pfarrpersonen sind auch für die Kasualien der Nicht-Mitglieder zuständig. Beispielsweise hatte eine Gemeinde in Glasgow, in der ich im Studienurlaub 2013 ein Praktikum absolvierte, 13 000 Bewohner, 170 eingetragene Mitglieder und etwa 80 am Sonntagmorgen im Gottesdienst. Momentan läuft eine erfolgreiche Medienkampagne, um Menschen für den Dienst in der Kirche zu interessieren  - „Tomorrow’s Calling“:  http://www.churchofscotland.org.uk/serve/ministries_council/education_and_support/tomorrows_calling

Schottland ist eine stark diakonische und politisch aktive Kirche, die ökumenische Verbindungen fördert. Von ca. 1000 Ortsgemeinden pflegen 200 eine Gemeindepartnerschaft im Ausland. Als reformierte Kirchen in einer pluralistischen Gesellschaft, die die Identität und Werte ihres Landes in der Vergangenheit stark prägten, könnten wir viel voneinander lernen.

Im Juni 2016 werde ich zusammen mit Martin Breitenfeldt die jährliche Tagung der World Council in Edinburgh besuchen und von der Reformation und den geplanten Jubiläumsaktivitäten erzählen. Ausserdem werden wir in Gemeinden predigen und mehr Verbindungen knüpfen. Ian Alexander plant, mit einer Reisegruppe voraussichtlich 2019 nach Zürich zu kommen, um an Jubiläumsanlässen teilzunehmen.  Ich würde auch gerne eine Reise nach Schottland anbieten.

Interessierte können sich bei mir melden.

Catherine McMillan