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Fragen und Antworten

Warum feiert Zürich ein Reformationsjubiläum? Was hat Zürich mit «Luther 2017» zu tun? Wem gehört die Reformation? Führt das Gedenken nicht zu einem unzeitgemässen Personen-Kult? Sind Reformationsfeiern nicht Gift für die Ökumene?

Warum ein Zürcher Reformationsjubiläum?

Zürich ist eine wichtige Reformationsstadt Europas. Vor bald 500 Jahren predigte Ulrich Zwingli von der Grossmünsterkanzel seine religiöse Freiheitsidee. Was er in Zürich, Martin Luther in Deutschland und andere Reformatoren in Europa auslösten, wird ab 2017 auch in Zürich gefeiert. Denn seine Erneuerungsbewegung hat Stadt, Kanton und Land geprägt und verbindet uns mit Europa und der Welt. Die Erfahrungen in Deutschland und Europa zeigen bereits jetzt, dass das Interesse am 500. Reformationsjubiläum gross ist. Es setzt nicht nur binnenkirchliche Denkprozesse und Feierlichkeiten in Gang, sondern bewirkt eine öffentliche nationale und internationale Auseinandersetzung. Zürich steht als Ausgangspunkt der Schweizer Reformation, gemessen an den Auswirkungen, Wittenberg in nichts nach. Und für uns als Reformierte im Kanton Zürich ist es gerade in Zeiten vieler Veränderungen, wichtig zu fragen, welche Errungenschaften der Reformation wir würdigen und künftig weitertragen möchten.

Was hat Zürich mit «Luther 2017» zu tun?

Der Thesenanschlag Luthers am 31.10.1517 ist in Deutschland und anderswo ein zentrales Reformationsdatum. In Zürich wird eher der erste Arbeitstag Zwinglis als Grossmünsterpfarrer, also der 1.1.1519, erinnert. Wir möchten uns auch mit den Feierlichkeiten in Deutschland vernetzen, die bereits vor 10 Jahren angefangen haben und im nächsten Jahr unter dem Label "Luther 2017" enden werden.

Wem gehört die Reformation?

Der Entscheid von 1523, sich auf dem eigenen Territorium dem Einfluss des Konstanzer Bischofs zu entziehen und die Reformation einzuführen, war ein Beschluss des Rates, also ein staatlicher Entscheid. Viereinhalb Jahrhunderte war die Reformierte Kirche eine Staatskirche. Sie hat Bildung, Soziales, Werte und Mentalitäten stark geprägt. Zürich und die Schweiz wären ohne Reformation und Reformierte nicht, was sie heute sind. Darum freuen wir uns, dass Stadt, Kanton und weitere Institutionen aus Kultur und Tourismus das Jubiläum gemeinsam begehen möchten. Alle sind zu neuen, auch ungewohnten Arbeitsgemeinschaften bereit. Das Reformationsjubiläum gehört nicht allein der reformierten Kirche.

Führt das Gedenken nicht zu einem unzeitgemässen Personen-Kult?

Natürlich wird in Zürich das Erbe Zwinglis gewürdigt. In der Schweiz steht aber weniger eine Einzelperson, sondern vielmehr eine komplexe Bewegung mit vielen Köpfen, Herzen und Händen im Blickpunkt. Die Reformation zu feiern, ist zunächst als Würdigung für die damalige Neuentdeckung einer befreienden Botschaft zu betrachten, von der aber immer wieder neu Impulse ausgehen, nicht nur für die Kirche. Wir wollen herausarbeiten, was vom reformatorischen Erbe in die Zukunft getragen werden kann, und was die Kraft hat, kirchliche und gesellschaftliche Zukunft zu gestalten.

Sind Reformationsfeiern nicht Gift für die Ökumene?

Wenn wir die Reformation feiern, so denken wir an eine Zeit, in der es noch keine Reformierten, Täufer und Katholiken im konfessionell abgegrenzten Sinn gab. Luther, Zwingli oder Calvin wollten die Kirche erneuern und keine eigene gründen. Die katholische Kirche hat sich in Folge davon abgegrenzt aber gleichzeitig viele reformatorische Errungenschaften übernommen. Darum laden wir ein: Reformation an sich immer wieder neu zu hinterfragen und zu bewerten.

500 Jahre Reformation: Fragen und Antworten vom SEK