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Spirituelle Erfahrungen beim Wandern durch die Nacht

Mit Zug und Bus fuhren die diesjährigen Konfirmand:innen zum Kloster Kappel am Albis und liefen um zehn Uhr nachts los über den Albis nach Sihlbrugg und über den Hirzel bis nach Horgen. Rund 200 Jugendliche aus dem ganzen Kanton Zürich, welche nächstes Jahr konfirmiert werden, wanderten die ganze Strecke durch die Nacht. Als anstrengendes, aber grossartiges Erlebnis beschreibt es die Jugendreporterin der Grüninger Post, Svenja Beerli.

Konfnacht2022_1.pngEnde September fuhren die Konfirmand:innen mit Zug und Bus zum Kloster Kappel. In der grossen, alten Klosterkirche wurde den jungen Menschen der Ablauf erklärt, dann konnte die Reise beginnen.

Anfangs waren alle überdreht und sind viel zu schnell gegangen, weil sie dachten, dass es so schneller vorbei gehe. Sie waren sich nicht bewusst, dass sie auch langsame Teilnehmer:innen unter sich hatten, auf die sie dann teilweise bis zu 20 Minuten warten mussten. Etwa um Mitternacht gab es eine Pause in einem Restaurant. Weil drinnen nicht alle Platz hatten, mussten sich einige draussen hinsetzen. Es gab ein Sandwich und Schokolade. Erst da merkte ich, wie meine Füsse schmerzten, und vor Erschöpfung nickten meine Kollegin und ich ein.

Halt bei mehreren Kirchen

Nach einer Stunde Pause ging es weiter. Diesmal dann richtig bergauf, sodass viele ins Schwitzen kamen. Zwischendurch machte die Gruppe bei verschiedenen Kirchen Halt, wo es einen kurzen besinnlichen Input gab und gemeinsam gesungen wurde. Gegen 6.00 Uhr ist die Gruppe dann in der reformierten Kirche Horgen angekommen, und alle bekamen einen Stempel, dass sie die Nachtwanderung gemeistert haben.Konfnacht2022_2.png

Eine Nacht wird zur spirituellen Erfahrung

Auf den Grund dieser Wanderung angesprochen, sagt Pfarrer Ruedi Steinmann: «Im Leitbild unserer Kirchgemeinde steht als erster Satz ‹Wir sind gemeinsam mit Gott unterwegs›. Das ist im Fall der ‹Konfnacht› zunächst einmal wortwörtlich gemeint, aber nicht nur, sondern auch im übertragenen Sinn. Diese Reise sollte mindestens ein gemeinsamer Ausflug werden, hoffentlich aber auch zu einer spirituellen Erfahrung beitragen: In der Stille der Nacht und mit einem gelegentlichen Blick in den Sternenhimmel etwas zu erleben, was am helllichten Tag mitten in der Geschäftigkeit des Alltags vermutlich eher nicht möglich ist, nämlich sich selbst auf eine ungewohnte Art und Weise zu erleben und dazu vielleicht eine Ahnung von Verbundenheit mit Gott zu spüren. Als Anregung und Hilfe dazu waren die Inputs bei den Zwischenstationen in den Kirchen in Hausen am Albis, in Hirzel und in Horgen gedacht.»

«Ich habe eine schelmisch-spitzbübische Freude und Genugtuung, etwas ‹Gesponnenes› und doch sehr Sinnreiches miteinander gemacht zu haben.» Pfarrer Ruedi Steinmann

Grenzerfahrung und  sinnreiches Erlebnis

Pfarrer Ruedi Steinmann haben die spontanen Gespräche auf der Wanderung am meisten gefallen. «Ich habe eine schelmisch-spitzbübische Freude und Genugtuung, etwas irgendwie ‹Gesponnenes› und doch sehr Sinnreiches miteinander gemacht und gut durchgestanden zu haben», sagt Steinmann. Ich persönlich fand es am coolsten, andere Jugendliche in unserem Alter kennen zu lernen. Von der Wanderung habe ich nicht so viel mitgenommen, ausser meinen schmerzenden Füssen. Unter den Nachtwander:innen ist ein Gefühl der Verbundenheit entstanden. Für etliche der Konfirmanden und Konfirmandinnen war es die erste echte Freinacht in ihrem Leben. Auch für mich war es eine Grenzerfahrung, doch auch ein grossartiges Erlebnis. 

Svenja Beerli

Bilder: R. Steinmann

Mit freundlicher Erlaubnis der Herausgeberin der Grüninger Post, der Tudor Dialog GmbH. Der Artikel ist am 25. November 2022 in der Nr. 7/2022 der Grüninger Post auf Seite 25 erschienen.