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Dialog und Mission

Im interreligiösen Dialog verkünden, bezeugen, begründen und teilen die Dialogpartner das kostbare Gut ihrer religiösen Überzeugung. Für Christen ist dies das befreiende Evangelium von Jesus Christus. Die Art und Weise, wie Jesus Angehörigen anderer Religionen begegnete, verpflichtet und ermutigt Christen zum Bekenntnis und zum Dialog. Ein aufrichtiger Dialog der Religionen bedingt, dass die am Dialog Beteiligten zu ihren eigenen Überzeugungen stehen und gleichzeitig eine Offenheit für die Wahrheit der anderen mitbringen. Wenn die Gesprächsteilnehmer keine eigenen Überzeugungen vertreten, kann es keinen Dialog geben. Dialog und Mission sind deshalb dialektisch aufeinander bezogen.

«Wenn Christen das Evangelium von der unbedingten Liebe Gottes zu den Menschen verkünden, dann ist dies ein Anspruch, unter den sie sich selbst stellen. Anders gesagt: Christen vertreten genau genommen nicht einen "(Absolutheits-)Anspruch", sondern sie bezeugen den Zuspruch des unwiderruflichen Entschiedenseins Gottes für die Menschen. Den Weg der Entsprechung zum göttlichen Wirken, den Weg der eigenen Heiligung gehen Christen gemeinsam mit den Angehörigen anderer Religionen und letztlich mit allen Menschen guten Willens in der Bereitschaft, sich auf diesem Weg gegenseitig zu fördern und zu inspirieren» (Eva Maria-Faber. "Christliche Perspektiven des interreligiösen Dialogs". In: Interreligiöser Dialog in der Schweiz. Grundlagen – Brennpunkte – Perspektiven. 2008. Zürich: Theologischer Verlag, Seite 84).

«Interreligöser Dialog ist weder eine Fortsetzung der Mission mit anderen Mitteln noch kann er sie ersetzen. Anlass des Dialogs ist die Notwendigkeit, das multi-kulturell-religiöse Zusammenleben (Konvivenz) zu gestalten. Neben dem gelebten Dialog zwischen Menschen unterschiedlichen Glaubens gibt es Religionsbegegnungen auf institutioneller Ebene. Im Prozeß lassen sich dabei mit Übersetzung, Infragestellung und Wechselwirkung mindestens drei Grundformen des Dialogs unterscheiden. Eine Theologie des Dialogs muß von der gemeinsamen Suche der Wahrheit handeln, das unterscheidet sie von einer Theologie der Religionen, die nach dem Ort der nichtchristlichen Religionen in der christlichen Theologie fragt. Im Gegensatz zu den intrachristlichen interkonfessionellen und interkulturellen Dialogen, bei denen trotz Anerkennung der Pluralität der konfessionellen und kulturellen Identitäten letztendlich die Einheit im gemeinsamen Bekenntnis zu Jesus Christus gegeben ist, kann das Ziel des interreligiösen Dialogs nicht die Einheit der Religionen sein. Die Differenz bleibt im Respekt für die vom Dialogpartner bezeugte religiöse Identität gewahrt. Das Ethos des Dialogs läßt sich zusammenfassen mit dem Doppelgebot 1. den Glauben des anderen so zu verstehen lernen, daß er sich in der Wahrnehmung durch sein Gegenüber selbst wiedererkennen kann und 2. einander Zeugnis abzulegen vom jeweils eigenen Glauben. Theologisch stehen Dialog und Mission in den selben Begründungszusammenhängen der Relationalität des dreieinigen Gottes zu seiner Schöpfung (Missio Dei), seiner »Verwundbarkeit« (H.J. Margull) in Jesus Christus und seiner Gegenwart im Geist. Wenn Mission heißt, »bei den Leuten zu sein« und den christlichen Glauben vorzuleben (Mt 5, 13-16), Zeugnis davon abzulegen und dazu einzuladen, dann sind Dialog und Mission dialektisch aufeinander zu beziehen» (Volker Küster. "Dialog – Dialog und Mission". In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart: Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft [RGG4. Bd2. Sp. 821]. 1999. Tübingen: Mohr Siebeck , Seite 821).

Literatur zum Thema Mission und Interreligiöser Dialog

  • Christine Lienemann-Perrin. Mission und interreligiöser Dialog. 1999. Göttingen: Vandenheck und Ruprecht.
  • Gabriel Stängle. Mission und interreligiöser Dialog. Historische und religionstheologische Perspektiven für den schulischen Kontext. 2003. Frankfurt a.M.: Peter Lang.
  • Themenheft Dialog und Mission. Zeitschrift für Missionswissenschaft und Religionswissenschaft (ZMR) 99. Jahrgang (2015), Heft 1-2.


Links und Hinweise

Mission neu entdecken: Einen Diskurs führen über Glaubensfragen: Der Kirchenrat zum Bettag am 20. September.
https://www.zhref.ch/organisation/news/newsarchiv/mission-neu-entdecken

"Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt"- Ein ökumenisches Dokument zu Mission und interreligiösem Dialog; erarbeitet und 2011 herausgegeben vom Ökumenischen Rat der Kirchen - ÖRK, dem Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog und von der Weltweiten Evangelischen Allianz - WEA.
https://www.oikoumene.org/de/resources/documents/programmes/interreligious-dialogue-and-cooperation/christian-identity-in-pluralistic-societies/christian-witness-in-a-multi-religious-world?set_language=de