Message

Buchtipps

Susanne Koelbl, Zwölf Wochen in Riad – Saudi-Arabien zwischen Diktatur und Aufbruch, DVA 2019

Wie ein Laufbursche  zum Ölminister wurde. Wie es sich lebt unter der schwarzen Abaja. Wie ein Deutscher die Wüste zum Blühen bringt. Wie ein Terrorist ins Alltagsleben zurückkehrt. – Drei Monate lang hat sich die Reporterin des SPIEGEL in Saudi-Arabien aufgehalten, ohne jegliche staatliche Einschränkung. Sie hat mit Mitgliedern des saudischen Königshauses gefrühstückt und sich mit Bin Ladens Bombenexperten getroffen. Sie hat Paare bei ihren Hochzeitsvorbereitungen und junge Frauen auf der Comic-Con-Messe begleitet. Sie hat mit Künstler*innen und Oppositionellen gesprochen. Konservative Männerclubs haben sie zum Wüstenpicknick eingeladen und selbstbewusste Frauen haben ihre Einsichten und Träume mit ihr geteilt.

Susanne Koelbl beobachtet den Umbruch und Wandel, der in einer der verschlossensten Gesellschaften der Welt stattfindet, mit kritischem Blick und offenem Herzen. Der alte Herrscher kränkelt, der neue Kronprinz Muhammad Bin Salman will das Land in die Zukunft führen: weg von der Abhängigkeit vom Öl hin zu einer offenen, modernen Wirtschaft. Bisher undenkbare Neuerungen werden über Nacht beschlossen; gleichzeitig bleibt der wahhabitische Islam die staatstragende Religion, und Kritiker*innen werden brutal ausgeschaltet. Die Autorin findet treffende Worte für diese Gegenwart: "Das alte Saudi-Arabien gibt es nicht mehr, das neue ist noch nicht da.“

Sehr lesenswert sind die sachlich und charmant geschriebenen Berichte und Analysen von Susanne Koelbl. Die Autorin gibt Einblick in ein Land, dessen Entwicklung für den Westen von grosser Bedeutung sein wird.

***

Leseempfehlung von Hanna Kandal-Stierstadt,  Beauftragte der Abteilung Kommunikation