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Wie fair sind Apple & Co.?

Multis wie Apple, Nestlé und Novartis stehen im Fokus des öffentlichen Interesses. Zu Recht, denn ihr Umsatz ist gigantisch und ihr Einfluss gross. Doch wessen Produkte kann man guten Gewissens kaufen und wovon sollte man besser die Finger lassen?

Buchtipp von Dr. Jeannette Behringer

Frank Wiebe hat sich mit diesen Fragen befasst und fünfzig Firmen unter die Lupe genommen. Wiebe ist Journalist und arbeitet für das deutsche „Handelsblatt“. Er versteht es, komplexe Sachverhalte verständlich darzustellen.

Das Buch umfasst zwei Teile. Während der zweite, umfangreiche Teil aus Portraits der untersuchten Unternehmen besteht, enthält der erste einige grundlegende Reflexionen über die moralische Verantwortung von Unternehmen in einer globalisierten Welt.

Wiebe ist weder ein fundamentalistischer Globalisierungsgegner noch verteidigt er ein allein auf die Maximierung des Gewinns ausgerichtetes Handeln von Unternehmen. Stattdessen argumentiert er pragmatisch: Zur Globalisierung und zum Kapitalismus gibt es für ihn keine Alternative. Zwar seien Unternehmen darauf angewiesen, Gewinn zu erwirtschaften, doch das bedeute nicht, dass sie keinerlei Handlungsspielräume hätten. Im Gegenteil: Weil die Politik nicht imstande sei, alle Probleme zu lösen, seien Unternehmen moralisch verpflichtet, Verantwortung für die Folgen ihres Handelns zu übernehmen. Das gleiche gelte aber auch für Konsumentinnen und Konsumenten, die durch ihre Kaufentscheidungen das Verhalten von Konzernen beeinflussen.

Inzwischen haben viele Unternehmen erkannt, dass moralisches Fehlverhalten dem eigenen Ansehen schaden und sich negativ auf ihren geschäftlichen Erfolg auswirken kann. Sie verändern ihr Verhalten und veröffentlichen dicke Berichte über Fortschritte im Bereich der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit. Doch was sind diese Berichte wert? Kann man ihnen trauen?

Kaum eine Kundin und kaum ein Kunde hat genügend Zeit, um all diese Berichte zu lesen, sie mit anderen Informationen zu vergleichen und sich so ein eigenes Urteil zu bilden. Hier will Wiebe Abhilfe schaffen und Orientierungshilfe bieten. Er hat fünfzig zumeist grosse und bekannte Firmen aus unterschiedlichen Branchen ausgewählt. Sportartikelhersteller wie Adidas und Nike gehören dazu, Modefirmen wie Hennes & Mauritz und Levi Strauss, Pharmakonzerne wie Bayer und Novartis, IT-Firmen wie Facebook und Google sowie Banken wie die Deutsche Bank und die UBS. Die verschiedenen Portraits sind kurz gehalten und umfassen jeweils vier Seiten. Wiebe stützt  sich auf hat interne und externe Berichte über die verschiedenen Firmen sowie auf Analysen von drei Agenturen, die auf Nachhaltigkeits-Ratings spezialisiert sind. Auf darüber hinaus gehende Recherchen hat er verzichtet.

Wiebe selber bewertet die Firmen auf einer Skala von einem bis fünf Sternen, wobei er einräumt, dass seine Bewertung subjektive Elemente enthält. So schlägt sich etwa die Branche, in der ein Unternehmen tätig ist, in seiner Bewertung nieder. Im Investmentbanking tätige Banken haben es deshalb von vornherein schwer. Nur einen Stern erhält daher beispielsweise die UBS, wobei in ihrem Fall allerdings noch hinzukommt, dass Wiebe deren Aufarbeitung der Vergangenheit skeptisch beurteilt, während er den Siemens-Konzern in dieser Hinsicht lobt. Immerhin drei Punkte enthält dagegen der Novartis-Konzern, allerdings vor allem wegen der vom Unternehmen finanzierten Novartis-Stiftung für Nachhaltige Entwicklung – Das einzige Unternehmen, das von Wiebe fünf Punkte bekommt, ist übrigens Microsoft, und zwar ebenfalls wegen der Stiftung von Bill und Melinda Gates. Spätestens hier stellt sich freilich die Frage, inwieweit ein mit einem Unternehmen mehr oder weniger verbundenes philanthropisches Engagement die ethische Bewertung desselben beeinflussen sollte.

Wer sich schon länger mit mulinationalen Unternehmen und deren Geschäften befasst, wird in dem Buch vermutlich wenig Neues entdecken. Wer erst anfängt, sich für das Thema zu interessieren oder es im Unterricht aufgreifen möchte, dürfte es dagegen hilfreich finden.

 

Frank Wiebe, Wie fair sind Apple & Co.?50 Weltkonzerne im Ethik-Test, Zürich: orell füssli, 2013