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Rohstoff. Das gefährlichste Geschäft der Schweiz

Der Handel mit Rohstoffen gefährdet das Ansehen der Schweiz. Das jedenfalls behauptet die Erklärung von Bern und liefert in ihrer jüngsten Publikation einen facettenreichen Einblick in ein wenig bekanntes Geschäft.

Buchtipp von Dr. Jeannette Behringer

Das Bankgeheimnis ist Geschichte, doch schon bald könnte der Schweiz wieder Ärger ins Haus stehen. Gut möglich nämlich, dass sich das blühende Geschäft mit Rohstoffen für die Schweiz als das nächste grosse Reputationsrisiko erweist.

Wer wissen will, warum, den dürfte das eben erschienene Buch der Erklärung von Bern (EvB) interessieren. Auf 440 Seiten schildert ein neunköpfiges Autorenteam darin, wie der Handel mit Rohstoffen funktioniert, welche Rolle die Schweiz dabei spielt und worin die problematischen Seiten dieses Geschäftes bestehen. Das mag spröde klingen, doch Langeweile kommt bei Lektüre kaum auf. Denn das Buch ist nicht nur aufwändig und ansprechend gestaltet, sondern auch gut und spannend geschrieben – und zuweilen auch  polemisch.

Ohne Rohstoffe geht nichts. Wir sind von agrarischen, mineralischen oder Energie-Rohstoffen abhängig. Und weil diese Abhängigkeit in den letzten Jahrzehnten enorm gewachsen ist und die erforderlichen Rohstoffe längst nicht überall auf der Welt vorhanden sind, ist der Handel mit ihnen von eminenter Bedeutung. Allein zwischen 1998 und 2009 hat sich der Umsatz in diesem Geschäft verdreifacht, während er in der Schweiz gar um das fünfzehnfache gewachsen.

Selber verfügt die Schweiz zwar kaum über Rohstoffe und nur ein geringer Teil der von hier aus gehandelten berührt je Schweizer Boden. Dennoch hat sich das Land zu einer der bedeutendsten Rohstoffdrehscheiben der Welt entwickelt mit Genf und Zug als wichtigsten Zentren. „15 bis 25 Prozent, Tendenz stark steigend“, beträgt laut EvB der Anteil der in der Schweiz tätigen Untenehmen am Welthandel. Attraktiv für die Rohstoffhändler ist die Schweiz dabei vor allem wegen günstiger steuerlicher Bedingungen, ihrer starken Banken und einer zurückhaltenden Regulierungspolitik.

Doch eben dies könnte sich  in Zukunft als Bumerang erweisen. Und zwar schon deshalb, weil Rohstoffhändler heute meist nicht mehr nur Händler, sondern vertikal integrierte Rohstoffkonzerne mit eigenen Produktions- und Förderstätten sind, die sich häufig in Konflikt- und Krisenregionen befinden und dort Schäden für Mensch und Umwelt verursachen. Reputationsrisiken bestehen jedoch nicht nur da, wo Konzerne in Menschenrechtsverletzungen involviert sind oder von ihnen profitieren und wo sie zur Umweltverschmutzung und Korruption beitragen. Sie entstehen auch dadurch, dass Staaten Unternehmen durch Steuerprivilegien, geringe Transparenzvorschriften und eine lockere Regulierung  anlocke – und damit dazu beitragen, dass Rohstoffreichtum sich für viele Länder nicht etwa als Segen, sondern geradezu als Fluch erweist.

Wie brisant das Thema Rohstoffe ist, wird bei der Lektüre schnell klar. Höchste Zeit also, sich damit  zu befassen!