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Reformation meets Fumetto

Am Internationalen Comix-Festival Fumetto in Luzern zeigen junge Kunstschaffende ihre Arbeiten zum Thema „Reformation Reloaded“

fumetto-zwei.jpegWas heisst Reformation? Ist es Re-Formation? Was bedeutet Re-Formation, Veränderung, Erneuerung heute? Mit diesen Fragen hat sich Lea Gross künstlerisch auseinandergesetzt. Ihre visuellen Arbeiten zeigt die junge Künstlerin in der Satellitenausstellung „Reformation Reloaded“ des Internationalen Comix-Festival Fumetto in Luzern.

Jährlich führt das Comix-Festival Fumetto über tausend Teilnehmende aus 58 Ländern nach Luzern, wo sie ihre vielseitigen visuellen Arbeiten jeweils rund 50 000 Gästen vorstellen. In der aktuellen Ausgabe vom 4. Bis 22. April widmet sich eine Satellitenausstellung der Reformation und ihrer Wirkung. Eine Gruppe von sechs jungen Schweizer Künstlerinnen und Künstler wurde gebeten, ihren persönlichen und aktuellen Zugang zur Reformation gestalterisch umzusetzen.

Eine von ihnen ist Lea Gross, die sich mit dem Begriff „Reformation“ als solches auseinandergesetzt hat. „Die Geschichte der Reformation oder der religiöse Aspekt sind nur hintergründig in meine Arbeit eingeflossen, zumal ich mich in keiner Art als religiösen Menschen bezeichnen würde“, sagt sie. „Mich interessiert jedoch der Begriff Reformation. Als sie sich entschieden habe, an diesem Projekt teilzunehmen, seien einige Fragen aufgetaucht: „Was heisst Reformation? Ist es Re-formation? Was bedeutet Re-Formation, Veränderung, Erneuerung heute?“

Bei der Lektüre eines Artikels zum Thema las sie den Satz: „Reformation ist vor allem Freiheit.“ Sie fragte sich, was Freiheit heute bedeute. „Kommt Freiheit nicht von innen statt von äusserlich geänderten Umständen?“ Darauf befasste sie sich mit den Themenfeldern Veränderung, Freiheit und Reformation, „da die Begriffe für mich direkt zusammenhängen“.

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Gleichzeitig recherchierte sie visuelle Darstellungsformen aus der Zeit der Reformation und stiess dabei unter anderem auf Altarbilder. Das Tryptichon schien ihr eine geeignete Form zu haben, da es die damalige Zeit mit ihrer Ästhetik und ihre eigenen Überlegungen spiegelte. Von dieser Dreiteilung fand sie zu einer Symbolik, die ihre Erkenntnisse noch besser wiedergab: sie wählte die drei Affen, die sich je Augen, Ohren und Mund bedecken, um nicht zu hören, zu sehen oder zu sprechen. Genau dies ergab für sie Sinn: „Veränderung, sprich Reformation, beginnt bei unserer Wahrnehmung. Dort muss eine Veränderung passieren, wenn wir uns re-formieren wollen. Und genau das tun wir seit Menschengedenken: wegsehen, weghören, Klappe halten“, stellt Lea Gross fest. In der sich stets re-formierenden, sich wiederholenden Geschichte passiere äusserlich wenig Neues. „Öffnen wir jedoch unsere Wahrnehmung, lassen wir Neues zu, brechen wir im Kleinen und bei uns selbst zuerst den ewigen Kreislauf auf, schauen und hören wir und sprechen an, was ist, dann können wir Veränderung zulassen, von Altem lernen und Neues schaffen“, sagt sie.

Ihre Erkenntnisse setzt die Künstlerin konkret mit einem Tryptichon aus Holz um, das Zuschauer öffnen und schliessen können. Auf jedem Flügel im Innenteil ist ein fortlaufendes gezeichnetes Wimmelbild zu sehen. Jeder Flügel trägt eine andere Thematik, die des Nicht-Hörens, Nicht-Sehens und Nicht-Sprechens. Zu sehen sind Figuren, Menschen, Wesen aus einer vergangenen Zeit und von heute, die interagieren, ihre Handlungen wiederholen und sich gegenseitig re-formieren. Dabei beschränken sie sich selbst in ihrer Wahrnehmung oder werden eingeschränkt. Zentral dabei ist die Frage: Kannst du es jetzt sehen, hören, sagen?

Mit ihrer Arbeit will die Künstlerin zum Entdecken und Öffnen des Tryptichons und der Wahrnehmung anregen. Dabei sei ihr bewusst, dass der Betrachter ihre Gedanken nicht so wahrnehme, wie sie von ihr gedacht und gezeichnet worden seien. „Wahrnehmung ist subjektiv und dies ist ein weiteres Thema der Arbeit“, sagt Lea Gross. Die Frage werde auftauchen, was dies mit Reformation zu tun habe, was die Bilder bedeuteten. Genau auf diese Auseinandersetzung mit dem Betrachter freue sie sich sehr. „In dem Sinn heisst es wirklich „Reformation Reloaded“.

Internationales Comix-Festival Fumetto Luzern, Satellitenausstellung Reformation Reloaded, 4.-22. April, Kunsthalle Bourbaki, Luzern. Die Arbeiten stehen der Reformierten Kirche anschliessend für Wanderausstellungen und zur Reproduktion zur Verfügung.

:: Infos über die Satellitenausstelllung im Bourbaki Luzern