Message

Osterbotschaft von Kirchenrats-Präsident Michel Müller

«Und sie sagten zueinander: Wer wird uns den Stein ... wegwälzen?» (Markus 16,3)

Die Frühlingsstimmung weckt hoffnungsvolle Gefühle. Und doch sind noch immer viele Fragen und Sorgen da. Genau damit beginnt Ostern. Nicht mit dem leeren Grab, schon gar nicht mit den ersten Begegnungen mit dem Auferstandenen, die uns heute rätselhaft bis wunderbar erscheinen. Sondern damit, dass sich die Frauen aufmachen ans Grab, um am Leichnam des Verstorbenen einen Liebesdienst zu tun, trotz der sorgenvollen Fragen. Der Evangelist Markus nimmt sich als Einziger Zeit für diese Fragen.

Doch wie sie hinschauen, sehen sie, dass der Stein weggewälzt ist. Er war sehr gross. (Markus 16,4). Es wird nicht berichtet, wie der Stein weggekommen ist. Markus weiss von keinem Erdbeben und keinem Engel; Hauptsache, der Stein ist weg, ein erstes zaghaftes Osteraufatmen. Mehr braucht es im Moment noch nicht.

Manchmal müssen wir als Kirche noch nicht Halleluja singen und Trompeten blasen. Vielmehr kommt es zuweilen einfach nur darauf an, dass wir uns Zeit nehmen für die Fragen. In vielen Fragen und Sorgen sind Hoffnungen versteckt. Wer sich mit ihnen befasst, schafft ein bisschen Raum für die Zukunft, mag sie auch noch unklar sein. Im Moment sind die naheliegenden Hoffnungen auf den Beginn der Impfungen gerichtet – für alle, die wollen. Auf ein Abklingen der Pandemie. Aber dahinter liegen weitere Steine. Klimakrise und Altersvorsorge als Stichworte.

Es gibt daher kein Zurück zu einer «Normalität», sondern nur ein Weiterarbeiten für eine bessere Zukunft – in der wir doch vieles nicht selber in der Hand haben. An Ostern können wir einmal innehalten, bitten und danken. Steine werden weggewälzt, auch ganz grosse. Wie durch ein Wunder. Gott sei Dank!

Mit herzlichen Osterwünschen!

Michel Müller, Kirchenratspräsident