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Viele Klänge und Sprachen, ein gemeinsames Osterfest

So bunt und vielsprachig hat man nur selten einen Gottesdienst erlebt wie am Sonntag, 30. April, in der Zürcher Kirche Peter und Paul. Alle zwölf orthodoxen Gemeinden von Zürich trafen sich zu einer gemeinsamen österlichen Feier.

Das Osterevangelium vom leeren Grab auf Griechisch gesungen, das Vater unser auf Aramäisch, der Sprache Jesu, Fürbitten auf Arabisch, alles begleitet von bulgarisch- und serbisch-orthodoxen Gesängen. Und, als optischer und musikalischer Höhepunkt, die Osterlieder des Chors der eritreischen Gemeinde mit ihren exotischen Instrumenten und in ihrer traditionellen Tracht.

Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass sich die 12 verschiedenen Gemeinden zu einer gemeinsamen Osterfeier zusammenfinden, stammen sie doch aus völlig unterschiedlichen Kulturen und Traditionen: von Nordafrika, dem Nahen Osten über Griechenland bis zu den osteuropäischen Ländern und Russland. In seiner Auslegung des Evangeliums vom leeren Grab ging der serbisch-orthodoxe Bischof,  Andrey Cilerdzic, auf diese Vielfalt der Kirchen ein. Der Lieblingsjünger Johannes und Petrus, die im Johannesevangelium beide Zeugen des leeren Grabes wurden, verkörpern für ihn zwei zentrale Persönlichkeiten der Urkirche, die ganz unterschiedliche Charismen haben: „In gegenseitiger Anerkennung ihrer verschiedenen Gaben und Traditionen führen sie einen Wettlauf zum Grab aus, aber ohne gegenseitig sich ausschliessende Konkurrenz. Damit leiten sie uns zum Herz der Ökumene“, so der Bischof.

Bischof Andrey dankte dann auch den beiden einheimischen Kirchen in Zürich, der reformierten und der römisch-katholischen Kirche, welche mit Generalvikar Josef Annen und Pfarrerin Bettina Lichtler auch ein Grusswort an die orthodoxen Schwesterkirchen richteten. „Die uns Orthodoxe entgegengebrachte Zuneigung der beiden grossen Kirchen sowie auch von staatlicher Seite ist für uns Ehre und Auftrag, den Weg der Ökumene weiterzugehen“, betonte Cilerdzic. Der Dialog sei Symbol unserer Epoche und besonders in Zürich, dem „Mini-Kosmos der Welt-Orthodoxie“ besonders wichtig. „Wir sollten viel öfter miteinander beten“, meinte er abschliessend.

Der abtretende Kantonsratspräsident Rolf Steiner (SP)  dankte beim anschliessenden gemeinsamen Abendessen dem Verband der Orthodoxen Kirchen im Kanton Zürich, welcher die Begegnung ermöglicht hatte. Der Staat sei sich bewusst, welche Bedeutung die Migrationsgemeinden für die Integration hätten. Er ermutigte den Verband auch, den Weg hin zu einer ‚kleinen Anerkennung‘ weiter zu verfolgen. „Die Begegnung mit den Orthodoxen waren das Alpha und das Omega meines Amtsjahres“, stellte er fest. Schon beim Amtsantritt vor einem Jahr waren verschiedene orthodoxe Bischöfe und Würdenträger beim Gottesdienst in der Zürcher Liebfrauenkirche präsent.

Wie überlebenswichtig die gegenseitige Unterstützung und Solidarität der christlichen Kirchen untereinander ist, machte die junge Koptin Mary Mikhail deutlich. Sie erinnerte an die jüngsten Attentate gegen koptische Kirchen in Ägypten. „Wir sind eine Martyrerkirche und Opfer gewohnt“, gestand sie. Trotzdem seien die jüngsten Attentate besonders schlimm. Deshalb sei auch der Besuch des Papstes in ihrer Heimat gerade jetzt so wichtig gewesen. Berührend ihre Schlussworte: „Wir betrauern alle unsere Opfer. Am meisten betrauern wir aber die Terroristen selbst, denn sie werden keine Ruhe und keine Liebe finden.“