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Teilrevision Kirchenordnung: Das Stimmvolk hat das letzte Wort

Die Teilrevision der reformierten Kirchenordnung ist reif für die Volksabstimmung. Die Kirchensynode hat die Vorlage an ihrer Sitzung vom 15. Mai zu Ende beraten und in der Schlussabstimmung gutgeheissen. Damit kommt die Vorlage termingerecht am 23. September an die Urne.

Letzte Rückkommensanträge hatten in der letzten von insgesamt vier Sitzungen des reformierten Kirchenparlaments einen schweren Stand. Nur über eine Bestimmung der Kirchenordnung, die die Förderung der Vielfalt des kirchlichen Lebens in den Kirchgemeinden festschreibt, führte die Kirchensynode auf Antrag des Wetziker Synodalen Bernhard Neyer noch einmal eine vertiefte inhaltliche Diskussion. Justiert wurde dieser Artikel dahingehend, dass der Kirchenrat Vorschriften erlassen kann, wie diese Förderung ausgestaltet werden soll. Es brauche diesen Rahmen, weil sonst offen bleibe, was und wie gefördert wird, argumentierte Bernhard Neyer. Kirchenrat Andrea Marco Bianca begrüsste den Vorstoss. Damit die Kirchgemeinden nicht im luftleeren Raum operierten, sei es wichtig, Kriterien zu definieren, damit die Förderung von Initiativen von Mitgliedern koordiniert und in die Kirchgemeinde integriert werden könnten. Als gelungene Beispiele nannte der Kirchenrat Initiativen wie den Quartiertreffpunkt Coffee & Deeds in Zürich Hirzenbach, aber auch diakonische Projekte im Bereich der Flüchtlingsarbeit, die auf dem Engagement von Freiwilligen aufbauten.

Reformschritte wagen

Nach der Klärung dieser Detailfrage kamen vor der Schlussabstimmung noch einmal grundsätzliche Bewertungen der Teilrevision der Kirchenordnung zur Sprache. Votanten wie Theddy Probst, Wildberg, oder Christian Walter, Schöfflisdorf, aus der Evangelisch-Kirchlichen Fraktion bemängelten das Fehlen einer grossen Vision, eines Aufbruchs oder eine zu grosse Beliebigkeit der Ausrichtung der Kirche. Auch Kurt Stäheli, Synodaler aus Marthalen, gab seinem Missfallen über die Vorlage Ausdruck. Die Teilrevision bewirke aus seiner Sicht eine zu starke Zentralisierung und benachteilige kleine Kirchgemeinden. Die Solidarität zwischen Stadt und Land würde geschmälert.

Diesen Vorwurf wollte Jacqueline Sonego Mettner, Meilen, nicht gelten lassen. Sowohl in der Stadt als auch auf dem Land erwarteten die Menschen, dass die Kirche ihnen in Offenheit begegne und sie mit ihren Anliegen ernst nehme. Die Teilrevision habe, auch wenn sie nicht alle Probleme zu lösen vermöge, das Potenzial, die Glaubwürdigkeit der Kirche in diesem Sinn zu stärken. Auch Eva Ebel, Zürich Aussersihl, würdigte die demokratisch ausgehandelten Ergebnisse, die nun in der vorliegenden Teilrevision ihren Niederschlag gefunden haben.

Die Teilrevision sorgt unter anderem für Anpassungen der rechtlichen Rahmenbedingungen, die für den grossen Zusammenschluss der Kirchgemeinden der Stadt Zürich nötig wurden. Sie ermöglicht aber auch das Kirchenleben in kleineren Dimensionen. Einen entsprechenden Beschluss zur Sicherung der Pfarrstellen für Kleinstgemeinden hat die Kirchensynode ebenfalls in dieser Teilrevision verankert.

Kirchenratspräsident Michel Müller hielt in seinem Schlussvotum fest, dass die Teilrevision die Vision einer nahen, vielfältigen und profilierten Kirche zu stärken vermöge. Diese Vision gelte es dann in den Gemeinden umzusetzen. Es brauche Mut und Glauben, Reformschritte zu wagen und die reformierte Kirche auf diesem Weg weiterzubringen. Dies immer auch „im Wissen um die Vorläufigkeit menschlichen Tuns“, wie es die Präambel der Kirchenordnung festhält.

Eine Mehrheit der Synodalen folgte mit 71 zu 23 Stimmen dieser Argumentation und stimmte der Teilrevision in der Schlussabstimmung zu. Das letzte Wort haben die reformierten Stimmbürgerinnen und Stimmbürger. Am 23. September kommt die Vorlage vors Volk.