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Teilrevision der Kirchenordnung geht in Vernehmlassung

Der Kirchenrat gibt die Teilrevision der Kirchenordnung in eine breite Vernehmlassung, die bis am 12. Juli dauert.

Künftig erhält jede Kirchgemeinde in erster Linie aufgrund ihrer Mitgliederzahl ein Gesamtpfarrstellenpensum, das sie selber auf die einzelnen Pfarrerinnen und Pfarrer aufteilt. Damit entfallen komplizierte Stellenaufteilungen und unterschiedliche Anstellungsverhältnisse innerhalb der Pfarrschaft. Dies ist eine der wesentlichen Änderungen der Teilrevision der Kirchenordnung, die der Kirchenrat in diesen Tagen in die Vernehmlassung schickt.

Die Teilrevision der Kirchenordnung der reformierten Landeskirche erfolgt aus mehreren Gründen: Einerseits erfordern das neue Gemeindegesetz und die Teilrevision des staatlichen Kirchengesetzes Anpassungen, anderseits werden auch durch die vermehrte Zusammenlegung von Kirchgemeinden («KirchGemeindePlus») Änderungen nötig. Gleichzeitig bietet die Überarbeitung Gelegenheit, Regelungslücken zu füllen und Bestimmungen zu präzisieren. Insbesondere will der Kirchenrat bei einzelnen Fragen, beispielsweise bei der Ressourcenzuteilung, im Blick auf die unterschiedliche Situation grösserer und kleinerer Kirchgemeinden mehr Fairness walten lassen. Insgesamt sind die Änderungen aber überschaubar, auch wenn die Teilrevision umfangreich daherkommt. 

Die geltende Kirchenordnung der Zürcher Landeskirche trat 2010 zusammen mit dem neuen Kirchengesetz in Kraft. Die Landeskirche nutzte dabei den durch die Entflechtung von Staat und Kirchen gewonnenen Spielraum für eigenständige Regelungen, etwa bei der Kirchgemeindeorganisation. In seiner Antwort auf ein Postulat, das die stärkere Zusammenarbeit kleiner Kirchgemeinden im Blick hatte, ging der Kirchenrat 2012 noch weiter und sprach sich für einen vermehrten Zusammenschluss von Kirchgemeinden aus. Er initiierte dazu das Projekt «KirchGemeindePlus», beschrieb ein inhaltliches und organisatorisches Zielbild und konkretisierte die Organisationsmodelle für Kirchgemeinden.

Kirchgemeindeparlament als neues Organ einführen

2014 entschieden die stimmberechtigten Mitglieder der 34 Stadtzürcher Kirchgemeinden, sich zu einer einzigen Kirchgemeinde zusammenzuschliessen. In diesem Zusammenhang ist zurzeit eine Änderung des Kirchengesetzes im Gange: Vorrangig geht es darum, eine Rechtsgrundlage zu schaffen, die es den Kirchgemeinden ermöglicht, ein Gemeindeparlament einzuführen. Im Kirchenordnungs-Entwurf sind die entsprechenden Regelungen enthalten.

Die Änderungen der nun vorgelegten Teilrevision betreffen hinsichtlich des Projekts «KirchGemeindePlus» auch das Verfahren für Gemeindezusammenschlüsse und Gebietsänderungen, die in der jetzigen Kirchenordnung nur rudimentär geregelt sind. In Anlehnung an das neue Gemeindegesetz ist für die Kirchgemeinden eine Regelung zu schaffen, die für Sicherheit im Vorgehen sorgt.

Vorgesehen ist weiter, dass den Kirchgemeinden vom Kirchenrat künftig nicht mehr ordentliche Pfarrstellen und Ergänzungspfarrstellen zugeteilt werden. Vielmehr entscheiden die Mitgliederzahl jeder Kirchgemeinde und die besonderen Verhältnisse in der Kirchgemeinde über ihr Gesamtpfarrstellenpensum, das sie auf einzelne Pfarrerinnen und Pfarrern verteilt. Komplizierte Splittingmodelle sollen wegfallen, stattdessen gelten für alle Pfarrerinnen und Pfarrer dieselben Anstellungsbedingungen. Zudem soll in grösseren Kirchgemeinden die Wohnsitzpflicht für gewählte Pfarrerinnen und Pfarrer gelockert werden, indem nur noch eine Pfarrerin oder ein Pfarrer verpflichtet sein wird, in der Kirchgemeinde zu wohnen.

Weiter soll eine Motion berücksichtigt werden, die das Urnenobligatorium für die Bestätigungswahlen der Pfarrerinnen und Pfarrer aufheben will. Die Erfahrungen aus den Pfarrwahlen 2012 und 2016 haben gezeigt, dass mit der obligatorischen Urnenwahl gegenüber einer stillen Wahl keine wesentlichen Vorteile, jedoch erhebliche Kosten für die Kirchgemeinden verbunden sind. Auch soll die Mitgliederzahl in der Kirchenpflege auf maximal neun Personen beschränkt werden.

«reformiert» als Mitgliederzeitung

Als weitere neue Regelung sollen Taufen, Trauungen und Abdankungen künftig auch ausserhalb einer Kirche möglich und nicht nur ausnahmsweise erlaubt sein. Schliesslich soll die Zeitung «reformiert» künftig allen Mitgliedern der Landeskirche kostenlos zugestellt werden. Damit würde eine weitere in der Kirchensynode hängige Motion umgesetzt.

Die Vernehmlassung für die Teilrevision der Kirchenordnung läuft bis zum 12. Juli 2017. Zur Vernehmlassung eingeladen sind die kirchlichen Behörden, einzelne staatliche Stellen sowie die kirchlichen Berufsverbände. Die Auswertung soll Ende August 2017 abgeschlossen sein. Darauf basierend wird der Kirchenrat die Revisionsvorlage überarbeiten und Ende Jahr zuhanden der Kirchensynode verabschieden.

Voraussichtlich im April und Mai 2018 wird die Kirchensynode den kirchenrätlichen Antrag in mehreren ausserordentlichen Synodeversammlungen beraten und zuhanden der obligatorischen Volksabstimmung unter den stimmberechtigten Mitgliedern der Landeskirche verabschieden. Die Volksabstimmung ist für das dritte Quartal 2018 vorgesehen. Im Anschluss daran ist die neue Kirchenordnung vom Regierungsrat zu genehmigen. Sie könnte am 1. Januar 2019 in Kraft treten.