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Die Landeskirche revidiert ihre Kirchen-Ordnung

Die reformierte Kirche passt ihre Kirchenordnung an. Das Kirchenparlament berät die Revisionsvorlage seit dem April. Im September 2018 wird sie dem Stimmvolk vorgelegt.

Es gehört zum Wesen einer reformierten Kirchenordnung, dass derselbe Gesetzestext einerseits Grundsatzfragen mit Verfassungs- und Bekenntnischarakter klärt und andererseits gesetzliche Bestimmungen enthält, die das konkrete Leben in der Kirche regeln. Werden in der Kirchenordnung Änderungen vorgenommen, sind sie deshalb für die Kirchenmitglieder in Landeskirche und Kirchgemeinden von grosser Tragweite. Die Anpassungen werden im neuen Jahr vom Parlament der Landeskirche – der Kirchensynode – beraten und in einer bereinigten Fassung  im September 2018 den reformierten Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern zur Abstimmung vorgelegt.

Der Kirchenrat macht Antrag und Bericht zur Teilrevision der Kirchenordnung bereits heute öffentlich. Anlass für die Teilrevision ist einerseits der Prozess KirchGemeindePlus, der den Kirchgemeinden den Weg ebnet, sich zu grösseren Einheiten zusammenzuschliessen und die Kräfte zu bündeln. Die Überarbeitung bietet ausserdem Gelegenheit, einzelne Bestimmung der seit 2010 geltenden Kirchenordnung zu präzisieren, an das übergeordnete Recht anzupassen und allgemein einige neue Regelungen für die Gestaltung des kirchlichen Lebens einzuführen.

Neue Voraussetzungen für grössere Gemeinden

Der Prozess KirchGemeindePlus führt zu grösseren Kirchgemeinden. Er verlangt deshalb auch Änderungen in der Organisation und der Aufgabenteilung in den Kirchgemeinden. Diese Änderungen sollen gewährleisten, dass den Mitarbeitenden und Behördenmitgliedern weiterhin genügend Ressourcen für den Gemeindeaufbau und die inhaltlich-kirchliche Arbeit zur Verfügung stehen. In diesem Zusammenhang sind in der Teilrevision u.a. folgende Bestimmungen vorgesehen:

  • Der Kirchenrat weist den Kirchgemeinden künftig nicht mehr ordentliche Pfarrstellen und Ergänzungspfarrstellen zu. Stattdessen erhält jede Kirchgemeinde aufgrund ihrer Mitgliederzahl ein Gesamtpfarrstellenpensum zugeteilt. In diesem sind für mittlere und grössere Kirchgemeinden Stellenprozente für besondere Projekte und Aufgaben enthalten. Sie erhalten dadurch mehr Gestaltungspielraum, während es bei Kirchgemeinden mit weniger als 2000 Mitgliedern zu Kürzungen kommen dürfte.
  • Die Wohnsitzpflicht für Pfarrpersonen wird gelockert. Flächenmässig grössere Kirchgemeinden lassen die Frage der Wohnsitzpflicht naturgemäss in den Hintergrund treten. Pfarrerinnen und Pfarrer erhalten so ohnehin die Möglichkeit einer Wohnsitzwahl in einem erweiterten Gebiet. Allerdings soll weiterhin mindestens eine Pfarrerin oder ein Pfarrer in einer Pfarrliegenschaft in der Kirchgemeinde wohnen.
  • In grösseren Kirchgemeinden hat sich die Funktion der Kirchgemeindeschreiberin, des Kirchgemeindeschreibers etabliert. Diese Funktion soll mit Blick auf die zunehmende Anzahl grösserer Kirchgemeinden und die damit einhergehende Professionalisierung der Kirchgemeindeverwaltung in der Kirchenordnung zusätzlich aufgeführt werden. Das Kirchgemeindeschreiberamt berechtigt auch zur Teilnahme an den Sitzungen der Kirchenpflege.
  • Grössere Kirchgemeinden können künftig auch Kirchgemeindeparlamente einführen. Auch dieses neue Organ, das zum Bespiel die Kirchgemeinde der Stadt Zürich einführen will, soll in der revidierten Kirchenordnung geregelt werden. Grundsätzlich gelten dafür die Regelungen des Gemeindegesetzes und des Kirchengesetzes.

 

Trauungen auch ausserhalb der Kirche

Die Teilrevision der Kirchenordnung sieht auch Anpassungen bei der Gestaltung von Taufe, Trauung und Abdankung vor. Diese zentralen kirchlichen Handlungen sollen zwar in der Regel weiterhin im Rahmen des Gemeindegottesdienstes in der Kirche gefeiert werden.  Es soll aber auch möglich sein, die Taufe in einem anderen Rahmen zu feiern und Trauungen und Abdankungen ausserhalb einer Kirche durchzuführen. Diese Öffnung sei angezeigt, schreibt der Kirchenrat im Bericht, um die Menschen in ihren unterschiedlichen gesellschaftlichen Lebenswelten erreichen zu können. Generell unterstreiche die Teilrevision der Kirchenordnung die Wichtigkeit, «unterschiedliche Formen des kirchlichen Lebens» zu fördern.

Kirchgemeinden sollen deshalb entsprechende Initiativen von Mitgliedern unterstützen und dafür Mittel zur Verfügung stellen. Damit soll auch zum Ausdruck gebracht werden, dass Kirche nicht von oben nach unten organisiert ist, sondern jedes einzelne Mitglied die «Basis» ist. Jedes Mitglied soll zugleich frei bleiben in der Entscheidung, ob und wie es sich über sein blosses Mitgliedsein und solidarische Mittragen durch Kirchensteuern hinaus an der kirchlichen Gemeinschaft beteiligen will. «Kein Mitglied muss die Ernsthaftigkeit seines Glaubens über sein blosses Mitgliedsein hinaus beweisen.»

Mit Blick darauf soll die Beziehung zu Mitgliedern ohne regelmässige Kontakte gepflegt und gewürdigt werden. Diesem Zweck will etwa das kantonale Mitgliederregister dienen oder auch die Absicht, dass die Zeitung «reformiert.» allen Mitgliedern der Landeskirche zugestellt wird.

Die Kirchensynode beginnt mit der Beratung der Teilrevision der Kirchenordnung am 3. April 2018. Sie wird sie in mehreren Sitzungen verhandeln und spätestens am 15. Mai zuhanden der Urnenabstimmung verabschieden. Die Sitzungen im Zürcher Rathaus sind öffentlich. Die Volksabstimmung ist für den 23. September 2018 vorgesehen. Im Anschluss daran muss die Kirchenordnung von Regierungsrat genehmigt werden, bevor sie am 1. Januar 2019 in Kraft treten kann.

 

Die Teilrevision im Volltext und die Sitzungsdaten finden Sie auf www.zhref.ch/kirchensynode.