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Wurstessen mit Tiefgang und Signalwirkung

Die Zürcher Kirchen laden am Sonntag, 4. Februar, 10 Uhr, zum ökumenischen Gottesdienst mit Jodelmesse im Grossmünster und zum anschliessenden Wurstessen in der Helferei.

„Zwingli hat die Gesellschaft mit seinem Wurstessen kommunikativ umkodiert.“ Dies sagt Pfarrer Christoph Sigrist, einer der Verantwortlichen des ökumenischen Anlasses vom nächsten Sonntag, 4. Februar, im Zürcher Grossmünster. Als Botschafter des Reformationsjubiläums war Sigrist von der bereits länger kolportierten Idee angetan, die Jubiläumsfeierlichkeiten nicht nur auf Martin Luthers Thesenanschlag zu beziehen, sondern auch Zwinglis öffentlichen Tabubruch mit dem Fastengebot zu thematisieren.

Die Essenz der Reformation, die evangelische Botschaft gegen die kirchliche Lehre und Ordnung in Anschlag zu bringen, könne nur in der Öffentlichkeit kommuniziert werden, sagt Sigrist. Das damals in der Fastenzeit privatzelebrierte und öffentlich verurteilte Wurstessen zeitigte kirchen- und gesellschaftspolitische Signalwirkung. Der Wunsch, dieses historische Erbe kritisch wieder aufzunehmen und weiterzuentwickeln, bewog Sigrist zum „ökumenischen Brückenschlag“ mit einer volksnahen Feier. Denn auch heute gelte es ernsthaft zu fragen, inwiefern in beiden Konfessionen die Verkündigung der Präsenz Gottes in der Welt und des Glaubens durch kirchliche Machtansprüche missbraucht und Rituale für dieses Machtgetue instrumentalisiert würden. „Der Horizont führt über die Konfessionen hinaus“, sagt Sigrist, „im Vordergrund steht das Christsein in einer pluralen Gesellschaft.“

Den ökumenischen Gottesdienst im Grossmünster wird ein Quartett mit  Kirchenratspräsident Michel Müller, Abt Urban von Einsiedeln, Generalvikar Josef Annen und Pfarrer Christoph Sigrist gestalten. Die Jodelmesse von Jost Marty,  aufgeführt vom Jodel-Doppelquartett TV Adliswil unter Leitung von Christian Scheifele, bekräftigt den volkstümlichen Charakter der Feier.

Anschliessend wird in der Helferei eine Neuauflage des Wurstessens stattfinden, welches zu Zwinglis Zeiten die ersten reformatorischen Umwälzungen angestossen hatte. Serviert werden Würste aus den Regionen, in denen Zwingli tätig war. Während des Wurstessens findet die Buchvernissage von „Schattenwurf Zwingli“ statt. Das Buch von Christoph Sigrist ist ab dem 5. Februar im NZZ-Verlag erhältlich. Der Anlass ist öffentlich.      

Ökumenischer Brückenschlag mit Gottesdienst, Volksfest und Wurstessen, Sonntag, 4. Februar 2018, 10 Uhr, Grossmünster und Helferei Zürich.

Flyer (PDF)