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Aussprache der Erbengemeinschaft der Reformation

Das reformierte Kirchenparlament debattierte am Dienstag an einer Aussprachesynode über Kern- und Knackpunkte der Reformation. Die Ergebnisse des Austauschs jenseits parlamentarischer Formalitäten: ungeschminkt, pointiert und vielstimmig reformiert.

Ausgehend von einleitenden Referaten zur Reformation von Christiane Tietz, Professorin für Systematische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Zürich, befassten sich die Synodalen in Gruppengesprächen mit Hinterlassenschaft und Impulsen der Reformation und stellten sie anschliessend an einem Podiumsgespräch in der Kirche St. Peter in Zürich öffentlich zur Diskussion.

Ein Mal pro Amtsdauer nimmt sich die Kirchensynode Zeit für eine solche Zusammenkunft jenseits des parlamentarischen Protokolls. Diesmal stand der Anlass im Zeichen des Reformationsjubiläums und der Frage nach dem Erbe und der Zukunftsfähigkeit reformatorischer Errungenschaften. Welche davon besonders wichtig sind, darüber gehen die Meinungen unter den 120 gewählten Vertreterinnen und Vertretern der Zürcher Landeskirche naturgemäss auseinander.

Die kirchenpolitische Vielstimmigkeit lässt sich allerdings entlang von vier Fraktionsprofilen gruppieren, in denen sich die Synodalen zusammenfinden: die Evangelisch-kirchliche Fraktion (EKF), die Liberale Fraktion (LF), die Religiös-soziale Fraktion (RSF) und der Synodalverein (SV). Je ein Vertreter von ihnen stellte sich auf dem Podium denn auch den Fragen von Christina Aus der Au, Zentrum für Kirchenentwicklung der Theologischen Fakultät, zum Auftrag der Kirche, zu dem was Menschen von der Kirche heute erwarten und was die Kirche ihnen zu bieten hat.

Das Evangelium in Wort und Tat verkünden und die darin liegende Hoffnung weitergeben und erlebbar machen, waren Voten, denen sich alle anschliessen konnten. Unterschiedliche Schattierungen ergaben Antworten bei der Umsetzung dieses Auftrags: Man müsse mehr zuhören, bevor man Antworten liefere, sagte Dieter Graf (SV). Es gelte, den Menschen Orientierung zu geben und beim Glauben nicht den Verstand auszuschalten, machte Thomas Maurer (LF) klar und gab gleichzeitig seiner Sorge darüber Ausdruck, dass die Volkskirche erodiere und Kirchgemeinden an Vitalität einbüssten. Die lasse sich nicht daran messen, wie viele Menschen zur Predigt strömen, warf Manuel Amstutz (RSF) ein und gab sich überzeugt, dass den Zürcher Kirchgemeinden ein guter institutioneller Rahmen zur Verfügung stehe, um ein profiliertes Gemeindeleben zu gestalten. Gerade in diesem Bereich dürfe die Kirche mutiger werden, sagte Michael Wiesmann (EKF). Sein Alptraum sei eine Kirche, die ins Museale abdrifte und zum „Appendix des Ortsmuseums“ verkomme. Diese Gefahr sah Dieter Graf dann gebannt, wenn es gelingt, den Menschen nahe zu sein. Und da sieht er bei seinen Begegnungen als Spitalseelsorger durchaus hoffnungsvolle Zeichen.

Die Kirchensynode trifft sich am 2. Oktober zur nächsten ordentlichen Sitzung. Auf der Traktandenliste steht unter anderem eine Interpellation zur Taufe.