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Mehr Möglichkeiten beim Zusammenwachsen

Die reformierte Kirchensynode will den Prozess KirchGemeindePlus weiter vorantreiben. Sie nimmt nach kontroverser Debatte mit 68 zu 28 Stimmen Kenntnis vom Bericht des Kirchenrates, der eine Vernehmlassung in den Zürcher Kirchgemeinden präsentiert. Nicht nur Fusionen, sondern auch Zusammenarbeitsverträge sollen möglich sein.

An der ausserordentlichen Versammlung vom 4. Juli beriet die Kirchensynode den Bericht des Kirchenrates zur Vernehmlassung betreffend «KirchGemeindePlus». In der Vernehmlassung hatten sich die Zürcher Kirchgemeinden zu den verschiedenen Möglichkeiten einer verstärkten Zusammenarbeit und zur Formierung grösserer Kirchgemeinden geäussert. Die Ergebnisse hatte der Kirchenrat bereits am 22. Mai der Öffentlichkeit präsentiert.

Von 137 Kirchgemeinden (exkl. Stadt Zürich) favorisieren 58 einen Zusammenarbeitsvertrag, 46 den Zusammenschluss. Vier sprachen sich für eine übergemeindliche Zusammenarbeit in einem Verband aus. Rund 40 Prozent derer, die nicht bereit sind, auf einen direkten Zusammenschluss hinzuarbeiten, sehen die verstärkte Zusammenarbeit als Zwischenschritt zu einer späteren Fusion.

Der Skepsis Rechnung tragen

Die Gewichtung dieser Ergebnisse und die Schlüsse, die daraus zu ziehen sind, sorgten in der Kirchensynode für eine kontroverse Debatte. Die vorberatende Kommission plädierte für eine ablehnende Kenntnisnahme, die Kommissionsminderheit und die Geschäftsprüfungskommission stellten sich hinter den Kirchenrat, ebenso die Fraktionsvertretungen der Religiös-sozialen Fraktion und des Synodalvereins.

Urs-Christoph Dieterle, Präsident der vorberatenden Kommission, sagte, der Kirchenrat sei zu leichtfertig über die weit verbreitete Skepsis der Kirchgemeinden gegenüber Fusionen hinweggegangen. Der Bericht sei in gewissen Punkten zu «schönfärberisch», die Fragen bei der Vernehmlassung zu einengend und zu wenig ergebnisoffen. Zu ähnlichen Ansichten kamen weitere Votanten der Evangelisch-kirchlichen und der Liberalen Fraktion und plädierten für ablehnende Kenntnisnahme.

Pragmatisch weitergehen

Um den Prozess «KirchGemeindePlus» nicht zu gefährden und um keine widersprüchlichen Signale auszusenden, sprach sich hingegen der Sprecher der Kommissionsminderheit, Christian Relly, für Kenntnisnahme aus: Der Aufbruch, den viele Kirchgemeinden gewagt haben, dürfe nicht gebremst werden, «der Prozess soll gestärkt und gefördert werden».

Dem mochte in der Kirchensynode niemand grundsätzlich wiedersprechen. Es gehe nicht um eine Glaubensfrage für oder gegen KirchGemeindePlus, hatte auch Dieterle schon zu Beginn erklärt. Für ihn sei aber wichtig festzuhalten, dass sich die Mehrheit der Kirchgemeinden nicht für einen Zusammenschluss, sondern für Zusammenarbeitsverträge ausgesprochen hätte.

Dies anerkannte auch der Kirchenrat. Der für das Geschäft zuständige Kirchenrat Daniel Reuter hielt fest, dass in den Bericht sehr wohl auch die kritischen Stimmen eingeflossen seien. Auch wenn der Kirchenrat an seiner Meinung festhalte, dass Gemeindezusammenschlüsse langfristig die beste Lösung seien, räume der Bericht die Möglichkeit ein, die Zusammenarbeit der Kirchgemeinden auch anders – mit Zusammenarbeitsverträgen – zu befördern. Der Fächer sei geöffnet, der Zeitplan justiert.

Dieses Entgegenkommen der Exekutive gegenüber den Wünschen der Kirchgemeinden bestätigte auch Hans Peter Murbach, Präsident der Geschäftsprüfungskommission. Er sehe ein pragmatisches und realistisches Handeln des Kirchenrates, auch hinsichtlich eines gelockerten Zeitplans des angestrebten Prozesses.

Diese Deutung überwog letztlich im Kirchenparlament. 68 Synodale stimmten für Kenntnisnahme, 28 hielten an der ablehnenden Kenntnisnahme fest, drei enthielten sich der Stimme.

Jahresrechnung 5 Millionen im Plus

An ihrer Sitzung hiess die Kirchensynode auch die Jahresrechnung 2016 der Zentralkasse gut. Diese schliesst mit einem Ertragsüberschuss von rund 5,029 Mio. Franken. Budgetiert war ein Ertragsüberschuss von rund 412'000 Franken. Zum besseren Betriebsergebnis führten unter anderem Unterschreitungen beim Personalaufwand (1,726 Mio.), bei den Sachkosten (869'000) und bei den Beiträgen (1,055 Mio.). Der Ertragsüberschuss wird dem Eigenkapital zugewiesen. Dies entspricht den finanzpolitischen Grundsätzen des Kirchenrates. Das Organisationskapital beträgt per Ende 2016 knapp 32,3 Mio. Franken.

Ebenso unbestritten wie die positive Jahresrechnung war die Genehmigung des Jahresberichtes. In der Debatte wurde der Sorge über die seit Jahren abnehmenden Zahlen bei Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Bestattungen Ausdruck gegeben. Willi Honegger, Bauma, hielt fest, dass diese in den letzten 30 Jahren noch stärker gesunken seien als die Zahl der Mitglieder. Kirchenrat Bernhard Egg hielt dem entgegen, dass das grosse Engagement der Kirche im sozial-diakonischen Bereich die düstere Bilanz bei den Kasualien durchaus zu korrigieren vermöge.