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Kommt ein europäischer Kirchentag nach Zürich?

Die reformierte Kirchensynode begrüsst die Vorbereitungen für einen europäischen Kirchentag. Der Standort könnte Zürich heissen. Zur Finanzierung und zur Trägerschaft gibt es aber noch Fragezeichen.

Den Glauben sichtbar machen, ein Zeichen für ein friedensstiftendes und versöhnendes Christentum für Europa setzen – das kann ein Kirchentag bewirken, an dem Menschen verschiedener Kirchen zusammenkommen. Zürich könnte der Ort sein, der einen solchen Kirchentag im Zeitraum 2022 bis 2025 beherbergt. Die Idee besteht schon seit einigen Jahren. In den kommenden Monaten sollte sich klären, ob und wie die Umsetzung vonstattengeht. Weil dabei der Zürcher Landeskirche eine tragende Rolle zufallen würde, befasste sich die Kirchensynode bereits heute mit der möglichen Ausgestaltung eines solchen Grossereignisses. Dem Zürcher Kirchenparlament lag ein Projektbeschrieb vor, der die Ziele und den aktuellen Stand der Planung skizziert.

Zu reden gaben bei diesem Aussprachetraktandum die Kosten, deren Gesamtvolumen auf rund 15 Mio. Franken geschätzt werden, und von denen die Reformierte Kirche rund 4 Mio. Franken zu tragen hätte. Elisabeth Scholl, Pfäffikon, bezweifelte, dass der Grossanlass mit diesem Budget zurechtkommen werde. Auch vom Standort Zürich sei sie nicht überzeugt. Christian Zurschmiede, Rafz, sprach sich mit weiteren Votanten dafür aus, dass der Kirchenrat das Projekt vorantreiben möge. Ein Dialog auf europäischer Ebene sei wichtig, gerade auch, weil man dann merke, dass die Zürcher Landeskirche nicht der Nabel der Welt sei. Der Anlass soll aber nicht eine Zusammenkunft der Kirchengremien sein, sondern möglichst breit und basisnah stattfinden. Die Freude über einen grenzüberschreitenden Dialog eines europäischen Kirchentag äusserte auch Marco Würgler, Rüschlikon. Er machte sich dafür stark, dass ein solcher Kirchentag vor allem im Zeichen der Ökumene stehen soll. Dies strebt auch der Kirchenrat an. Für eine Bewerbung als Austragungsort setzt er in seinem Plänen auf eine gemeinsame ökumenische Trägerschaft mit der Katholischen Kirche im Kanton Zürich.

Zwei Fusionen

Auf kantonaler Ebene geht der Prozess von Zusammenschlüssen von Kirchgemeinden in der Reformierten Kirche weiter. Die Kirchensynode hat der Fusion der Kirchgemeinden Buchs, Dällikon-Dänikon und Regensdorf zur Kirchgemeinde Furttal ohne Gegenstimmen zugestimmt. Die drei Kirchgemeinden mit nun rund 7900 Mitgliedern gestalten damit ab 2018 ihr Gemeindeleben gemeinsam. Das Parlament der Reformierten besiegelt ebenfalls den Zusammenschluss der Kirchgemeinden Bachs und Stadel zur neuen Kirchgemeinde Stadlerberg.

Mit relativ klaren Mehrheiten hatten die Mitglieder der drei Gemeinden im Furttal dem Zusammenschluss bereits im Juni dieses Jahres zugestimmt. Die Kirchgemeinde Otelfingen-Boppelsen-Hüttikon, die die Fusion ebenfalls erwog, lehnte das Begehren an ihrer Kirchgemeindeversammlung hingegen ab. Der Kirchenrat hätte es mit Blick auf die Entwicklung der ganzen Region begrüsst, wenn der Zusammenschluss aller vier Gemeinden gelungen wäre. Aber auch so würdigte der Kirchenrat die Vereinigung in seinem Antrag an die Kirchensynode positiv. Sie liege auf der Linie, wie sie das Projekt KirchGemeindePlus verfolge und sie verbaue keine künftigen Perspektiven. Auch der Präsident der Geschäftsprüfungskommission, Bruno Kleeb, begrüsste die jetzt realisierten Zusammenschlüsse. Im Hinblick auf das Scheitern bei der Einbindung weiterer Gemeinden ortete Bruno Kleeb die Gründe vor allem bei finanziellen Fragen oder bei der unterschiedlichen theologischen Ausrichtung der Kirchgemeinden.

Budget 2018 genehmigt

Das Budget 2018 genehmigte die Kirchensynode ohne Gegenstimme und nach einer relativ kurzen Debatte. Grund dafür dürften die ermutigenden Zahlen sein, die sich zumindest für das nächste Jahr abzeichnen: Die Steuereinnahmen der Kirchgemeinden legen noch einmal zu. Deren Beiträge fallen bei unverändertem Zentralkassenbeitragssatz um knapp 2 Mio. Franken höher aus als im letzten Jahr und speisen die Zentralkasse der Landeskirche mit gut 69 Mio. Franken. Knapp 27 Mio. Franken fliessen der Landeskirche durch Staatsbeiträge zu. Insgesamt ist ein Ertragsüberschuss von 865 000 Franken budgetiert.

Auf der Aufwandseite ist der Personalaufwand (mit rund 80 Prozent) der gewichtigste Posten. Er beträgt 85,6 Mio. Franken und beinhaltet Pfarrstellen in Gemeinden und Institutionen und Mitarbeitende der Gesamtkirchlichen Dienste. Zusammen mit dem Budget präsentiert der Kirchenrat jeweils auch einen Finanzplan, der über das kommende Jahr hinaus die finanzielle Entwicklung der Landeskirche abzuschätzen versucht. Bei den Steuereinnahmen prognostiziert der Finanzplan ab 2019 rückläufige Zahlen. Ab 2020, dem geplanten Umsetzungszeitpunkt der Steuervorlage 17, wird mit einem markanten Rückgang der Steuereinnahmen um 7,5 % gerechnet.

Simone Schädler erste Präsidentin der Kirchensynode

Zu Beginn des nächsten Jahres liegt die Leitung des Kirchenparlaments vollständig in Frauenhand. Nach dem Rücktritt von Kurt Stäheli, Marthalen, nach fünfjähriger Amtszeit auf Ende Jahr, wählte die Kirchensynode Simone Schädler zur Präsidentin der Kirchensynode. Assistiert wird die 43-jährige Wirtschaftswissenschaftlerin aus Illnau-Effretikon von Barbara Bussmann, Volketswil, und Marianne Meier, Meilen, als erste beziehungsweise zweite Vizepräsidentin. Simone Schädler ist die erste Frau, welche die Kirchensynode präsidiert.

Kurt Stäheli, ehemaliger Statthalter des Bezirks Andelfingen, hat in seiner Zeit als Präsident die Behandlung gewichtiger Geschäfte der Kirchensynode geleitet. Namentlich die Weichenstellungen rund um den Prozess KirchGemeindePlus dominierten die Traktandenliste der Sitzungen. Just diesen Umbruch der Zürcher Landeskirche hatte Kurt Stäheli als Synodaler mit angestossen. Sein Postulat «Stärkung kleiner Kirchgemeinden durch gezielte Förderung der übergemeindlichen Zusammenarbeit» von 2010 beantwortete der Kirchenrat mit der Vision und den ersten Plänen zu KirchGemeindePlus. Auch Stähelis Nachfolgerin wird sich weiter mit der Ausgestaltung dieses Prozesses und der kirchenpolitischen Begleitung durch die Kirchensynode beschäftigen.