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Die Zukunft der Kirche ist regional

Mittelfristig sorgen Zusammenschlüsse für die geeignete Organisationsform von Kirch-gemeinden. Und: Die Zukunft der Kirche ist regional. Mit diesen Ergebnissen aus der Vernehmlassung sieht sich der Kirchenrat in den zentralen Punkten des Prozesses «KirchGemeindePlus» bestätigt.

Fast 98 Prozent der reformierten Zürcher Kirchgemeinden beabsichtigen, in Zukunft intensiver übergemeindlich zusammenzuarbeiten. Als geeignete Form dafür werden zwei Modelle favorisiert: der Zusammenarbeitsvertrag und der Zusammenschluss. Wie Kirchenrat Daniel Reuter am Montag vor den Medien ausführte, erkennen 73 von 108, also mehr als zwei Drittel der Kirchgemeinden, welche die Fragen zur bevorzugten Form der Zusammenarbeit beantwortet haben, im Zusammenschluss auf längere Sicht die geeignetste Form der Zusammenarbeit. Rechne man noch die 34 Stadtzürcher Kirchgemeinden hinzu, die den Zusammenschluss bereits beschlossen haben, seien es sogar drei Viertel der Kirchgemeinden.

Diese Befunde gehen aus einer Vernehmlassung hervor, die im vergangenen Winter durchgeführt wurde. Im letzten Juli hatte der Kirchenrat der Kirchensynode einen Bericht vorgelegt, in dem der Zusammenschluss als geeignetste Form der Zusammenarbeit für eine nahe, vielfältige und profilierte Kirche erläutert wurde und der auch einen Reformplan möglicher künftiger Kirchgemeinden sowie einen Zeitplan enthielt. Die Kirchensynode beauftragte daraufhin den Kirchenrat, zu diesen Themen eine Vernehmlassung durchzuführen.

Die Auswertung der Vernehmlassung wurde vom Büro Brägger, Wallisellen, vorgenommen. Im Gegensatz zur Zusammenarbeit wurden Reform- und Zeitplan gemäss Kirchenrat Reuter kritischer beurteilt: «Der Reformplan entspricht in vielen Fällen nicht den Zusammensetzungen, in denen die Kirchgemeinden nun Kooperationen vertieft erörtern. Und den Zeitplan für Zusammenschlüsse erachten viele Antwortende als zu restriktiv.» Dieser werde deshalb ausgedehnt.

Gemäss Kirchenratspräsident Michel Müller zeigen die Resultate der Vernehmlassung dennoch, dass der Reformbedarf definitiv in den Kirchgemeinden angekommen ist: «Der Kirchenrat hat von Anfang an betont, dass «KirchGemeindePlus» ein Prozess ist, also ein gemeinsamer Lernweg aller Beteiligten zur Frage, wie die Reformierte Kirche der Zukunft im Kanton Zürich aussehen will. Die Vernehmlassung hat gezeigt, dass diese Umgestaltung der Kirche auf allen Ebenen geschieht und unter Einbezug aller Entscheidungsträger.»

Zur Fortführung des Prozesses will der Kirchenrat in Absprache mit den Kirchgemeinden nun Regionen festlegen, innerhalb derer sich die Zusammenarbeit und die Zusammenschlüsse von Kirchgemeinden künftig bewegen. Gemäss Kirchenratspräsident Müller ist diese Regionalplanung wichtig, damit keine Kirchgemeinde alleine gelassen wird und keine «unlogischen» Gebilde entstehen.

Auch um Fairness unter den Kirchgemeinden will der Kirchenrat im weiteren Verlauf des Prozesses besorgt sein. Kirchenratspräsident Müller: «Die Autonomie der Kirchgemeinden und die Solidarität untereinander bedürfen eines guten Gleichgewichts.» Beispielsweise soll mit den künftigen Berechnungsgrundlagen für Pfarrstellen erreicht werden, dass Kirchgemeinden, die sich zusammenschliessen, nicht schlechter fahren, als wenn sie vorderhand alleine geblieben wären. Die Pfarrstellenzuteilung wird darum in der sich aktuell in der Vernehmlassung befindenden Teilrevision der Kirchenordnung neu geregelt. Geplant ist zudem auch eine Neugestaltung des Finanzausgleichs unter den Kirchgemeinden

Thomas Schaufelberger, Projektleiter von  «KirchGemeindePlus», zeigte schliesslich auf, wie sich der «komplexe Transformationsprozess» im einzelnen vollzieht. Komplex nicht zuletzt deshalb, weil «es nicht nur um eine Strukturreform der Verwaltung von Kirchgemeinden geht, sondern um einen inhaltlichen Aufbruch- und Erneuerungsprozess». Das zeige sich beispielsweise in der Personalentwicklung, wo neue Berufsbilder und Kompetenzmodelle für die Akteurinnen und Akteure in den Kirchgemeinden entwickelt werden, inklusive der entsprechenden Bildungsprogramme. Es zeige sich auch im Bereich Gemeindeentwicklung, wo an Modellen für eine «polyzentrische Kirchgemeinde» gearbeitet werde. Dies im Blick auf den «dritten Weg», also die Vision einer Kirche zwischen territorial verfassten Gemeinden und ergänzender, stärker auf die Beteiligung von Menschen ausgerichtete Formen und Orte von Kirche.