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Fraktionserklärungen 2014

Fraktionserklärung 25.03.2014

Fraktionserklärung der Evangelisch-kirchlichen Fraktion zum Traktandum «Kirche 2019» in der Synodeversammlung vom 25. März 2014.

Liebe Mitsynodale, liebe Kirchenräte!

Namens der Evangelisch-kirchlichen Fraktion äussere ich mich in allgemeiner Form zum anstehenden Traktandum: «Kirche 2019». Herzlich danke ich der vorberatenden Kommission für ihre grosse Arbeit: Sie haben es sich nicht leicht gemacht, dies ist Ihr grosses Verdienst!

Ich darf zunächst die Erwartung der EKF für diese Parlaments-Debatte aussprechen: Wir hoffen sehr, dass wir uns heute beim Thema «Kirche 2019» nicht in eine kleinliche Diskussion über Zuständigkeiten und Befindlichkeiten verwickeln (geht man hungrig ins Restaurant, interessieren einen auch nicht die Befindlichkeiten und Kompetenzstreitereien der Köche, sondern man möchte etwas zu essen bekommen). Auch haben wir nur mässiges Interesse daran, darüber zu diskutieren, wie man ein 500 Jahre zurück liegendes Ereignis nun würdevoll begehen könnte. Vielmehr möchten wir etwas hören und erfahren vom reformatorischen Geist in unserer heutigen Kirche. Brennend interessiert uns, was die damalige Reformation für die Kirche unserer Tage bedeutet: Was daraus an Erneuerungs-Potential (vielleicht sogar an Umwälzungs-Potential) für unsere Zeit fruchtbar wird. Reformation, d. h. Erneuerung im wahrhaften Sinn, kann weder inszeniert noch herbeigeredet werden. Die Kirche darf sich von der Erneuerung beschenken lassen.

Auf Seite 9 des vorliegenden Antrags (unter dem Stichwort «Motion an den Kirchenrat») bringt die vorberatende Kommission einiges auf den Punkt (gekennzeichnet mit den Ziffern a.–b.). Ganz besonders auffallend ist dabei Ziffer b.:

«Das reformierte Kirchenmitglied hat Klarheit darüber, für was seine Kirche eintritt und was ihre grundlegende Motivation darstellt.»

Kurz und bündig ist damit benannt, wonach wir als Kirche seit mehreren Generationen suchen: Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts herrscht für unsere Landeskirche keine Klarheit mehr, wofür wir theologisch stehen. Seit dem Bekenntnisstreit vor ca. 150 Jahren hat man (um ein Auseinan­der­brechen unserer Landeskirche zu vermeiden) eine inhaltliche Klärung, wofür wir stehen und was uns als Kirche Jesu Christi ausmacht, tunlichst unterlassen. Einziger – alle Teile unserer Kirche umfassender – Konsens war der Wille, dass wir Landeskirche bleiben wollen – Punkt.

Diesen Zustand haben wir nicht selber geschaffen, wir sind in ihn hineingeboren respektive hineingestellt worden. Unserer Generation stellt sich die Aufgabe, ihn zu überwinden, um als Kirche im Umfeld des Säkularismus bestehen zu können.

Damit ist nun der theologische Basar eröffnet, wie wir zur Klarheit zurückkehren; und woran es liegt, dass unsere Kirche auf der Suche nach ihrer Seele ist. Nur eine Thematik aus diesem breiten Spektrum greife ich heraus:

Unsere Kirche muss ihr Verhältnis zur Bibel klären! Unsere Kirche kann ihre Identität und ihren Auftrag nur in der Neu-Entdeckung und in der Neu-Aneignung der Heiligen Schrift finden.

Die Reformation vor 500 Jahren wurde aus diesem Grund zu einer Revo­lu­tion: Die Reformatoren legten die Bibel frei von dem sie über­wuchern­den Dickicht mensch­licher Interes­sen und zeitgeist-bedingter Verzerrung. Die Beschaf­fenheit des heutigen Dickichts über der Bibel ist von anderer Art als am Ausgang des Mittel­alters. Bleibend ist jedoch die Verheis­sung über der Kirche Jesu Christi: Das Wort der Heiligen Schrift schafft sich selber seine Hörer – innerhalb oder (wenn es sein muss) auch ausser­halb unserer Kirche! Und das Hören auf das Wort der Schrift formt, erneuert und bevollmächtigt die Kirche.

Ich bin gespannt, liebe Mitsynodale, was Sie darüber denken. Ich bin gespannt zu hören, welche Art von Refor­mation unserer Kirche Sie sich wünschen; welche Art von Erneue­rung Sie sich von Gott erhoffen.


Fraktionserklärung 02.12.2014

Immer, wenn über Geld gesprochen oder gar gestritten wird, ist zu prüfen, ob es wirklich einfach um Geld geht, oder ob sich tatsächlich etwas anderes, wie Interessen oder Werte, dahinter versteckt.
Diese Fraktionserklärung zum Budget 2015 wurde verfasst vom Fraktionspräsidenten Willi Honegger.

Liebe Mitsynodale
Liebe Kirchenleitung der Exekutive

«Es geht nicht immer ums Geld, wenn über das Geld geredet und gestritten wird!»

Die heutige Budget-Diskussion könnte zum Anschauungs-Material dafür werden: Äusserlich betrachtet geht es um die gerechte Verteilung des uns anvertrauten Geldes. In Wirklichkeit ist es eine Stellvertreter-Diskussion über das Wesen, die innere Ausrichtung, unserer Kirche. Darüber zu reden, zu streiten und uns darüber zu versöhnen wagen wir nicht, können es nicht, wollen es nicht!

Nun kommt es, wie es kommen muss: Die innere Not der Kirche kommt heute als «Budget-Not» auf uns zu. Von finanzieller Not kann zwar noch keine Rede sein. Doch der fehlende Konsens über das Wichtigste führt notwendigerweise dazu, dass mit offenem oder mit verschlossenem Geldhahn über Inhaltsfragen entschieden wird: Damit hätte der Finanzminister das kirchliche Lehramt inne!

In unserer Kirche ist eine epochale Veränderung im Gange (dass just in dieser Zeitspanne das 500-jährige Gedenken an die Reformation ansteht, ist unseres Erachtens eine verheissungsvolle Gleichzeitigkeit). Was uns nun gewaltig herausfordert, manchmal auch frustriert, ist die Tatsache, dass die Struktur unserer Kirche weitgehend einer vergangenen Zeit entstammt: Die Gemeindeautonomie der einzelnen Kirchgemeinden entstammt nicht dem Neuen Testament, auch nicht der Reformationszeit, sondern dem politischen Liberalismus des 19.Jahrhunderts. Die Errichtung der Gesamtkirchlichen Dienste war eine Reaktion auf den seit den 60er-Jahren verstärkt einsetzenden kirchlichen Pluralismus; finanziell möglich wurden die GKD durch die seit den 70er-Jahren munter sprudelnden Geldströme. Nun ist beides inzwischen höchst unsicher geworden: Das 19.Jahrhundert mit seiner Kirchturm-Politik ist passé. Und die munter sprudelnden Geldströme sprudeln inzwischen nicht mehr in der Kirche.

Für die absehbare Zukunft gibt es unseres Erachtens nur drei Möglichkeiten:

1. Es kommt zu Jahr für Jahr härteren Verteilkämpfen (hat die Gesamtkirche, haben die Kirchgemeinden, haben die Sonderpfarrämter Geld zugute?). Oder
2. Wir verharren in den uns lähmenden Strukturen und wir verordnen unserer Landeskirche in all ihren Bereichen einen kontinuierlichen Rückbau (dies wäre ein Untergang in Folge von Erstarrung). Oder
3. Unsere Landeskirche ringt sich zu einer völlig neuen Struktur und Gestalt durch (dafür müssten wir jegliche Besitz- und Machtansprüche ent-tabuisieren).
Was nun unsere finanziellen Einnahmequellen betrifft, sind wir ebenfalls noch stark an der Vergangenheit orientiert. Wir setzen nach wie vor lediglich auf zwei Pferde, deren Gewinnchancen mit jedem Jahr sinken: Das eine Pferd ist müde und von Schwächeanfällen bedroht (Kirchensteuern). Das andere Pferd ist störrisch und geht mehr und mehr eigene Wege (Staatsbeiträge). Können wir es wirklich verantworten,einzig mit diesen beiden finanziellen Pferden die ökonomische Zukunft der Kirche zu gestalten? Wir werden heute wohl oder übel mit dickem Rotstift am Budget arbeiten müssen. Dies zu tun ist unsere unpopuläre parlamentarische Pflicht!

Was uns viel schmerzlicher bedrückt als die knapperen Finanzen, ist dies: Anstatt um die Identität, um das Fundament und die Gewissheit unserer Kirche zu streiten (es wäre ein segensreicher Streit) streiten und ringen wir ums Geld (resp. ums fehlende Geld).

Sie mögen sich nun fragen: Warum hält der uns heute eine Predigt, wo er doch von den Zahlen sprechen müsste? – Bei Jeremias Gotthelf lernte ich es, dass Geld und Geist zusammengehören müssen (mangelt es am zweiten, wird umso mehr über das erste gestritten!).