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Wie die Kirche bei einem Suizid für Hinterbliebene sorgt

Medienbericht zur Reformierten Kirchensynode vom 27. September 2022

Am 27. September fand in der Halle 9 des Messezentrums in Zürich-Oerlikon eine ordentliche Versammlung der Reformierten Kirchensynode statt. Diskutiert wurde unter anderem die Frage, wie gut die Kirche bei einem Suizid für die Hinterbliebenen sorgt. Themen waren auch die Pfarrlöhne und die Bewilligung von zwei weiteren Kirchgemeinde-Fusionen.


Wie gut sorgt die Kirche bei einem Suizid für die Hinterbliebenen? Auf diese Frage hatte der Kirchenrat nach Einreichung eines Postulats betreffend "Suizidnachsorge" zu antworten und zu prüfen, ob ein verstärktes Engagement angezeigt sei. In seiner Antwort hielt der Kirchenrat fest, dass die Suizidnachsorge – ebenso wie die Prävention – für die Kirche von grosser Bedeutung ist. Im Kanton Zürich hat man den Suizid von jährlich 180 Personen zu beklagen. Die Sorge für die Hinterbliebenen soll vorderhand im Rahmen der etablierten eigenen Aktivitäten gestärkt werden. In der Vernetzung und der Sensibilisierung könne die Kirche noch zulegen, sagte Kirchenrat Andrea Marco Bianca. Eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem Verein Trauernetz, der auf die Suizidnachsorge spezialisiert ist, sieht der Kirchenrat aufgrund von dessen derzeit instabilen Strukturen vorerst nicht vor. Letzteres bedauerten mehrere Synodale, unter ihnen Arend Hoyer, Präsident der vorberatenden Kommission. Er legte dem Kirchenrat ans Herz, die Bemühungen, um eine Zusammenarbeit fortzusetzen und den Verein vorderhand weiterhin zu unterstützen. Der Kirchensynode empfahl er, vom Bericht zustimmend Kenntnis zu nehmen. Dieser zeigte das breit abgestützte Engagement der Kirche in der Suizidnachsorge auf:

In den Kirchgemeinden sind es die Pfarrämter, die für Krisen- und Trauerbegleitung vor Ort zuständig sind. Daneben sind auch Pfarrpersonen, die in der Notfallseelsorge tätig sind, von entscheidender Bedeutung. Die Notfallseelsorge kommt in der Regel bei allen Suiziden zum Einsatz und ist für die Erstversorgung zuständig. Grosse Dienste in der Begleitung leisten auch Sozialdiakoninnen und Sozialdiakone, ebenso Freiwillige in den Besuchsdiensten und spezialisierte Pfarrpersonen in den Spitälern und psychiatrischen Kliniken. Die Kirchensynode stimmte dem Bericht des Kirchenrates einstimmig zu und schrieb das Postulat ab.

Zwei Kirchgemeindefusionen

Die Kirchensynode sagte auch Ja zu zwei Kirchgemeindefusionen: zu jener von Dättlikon und Pfungen und zu jener von Zollikon und Zumikon. Damit besiegelt das Kirchenparlament die Zusammenschlussprozesse, die die Kirchgemeinden eigenständig vorangetrieben und die Gemeindemitglieder an der Urne mit Mehrheiten von über 80 Prozent deutlich gutgeheissen haben. Mit der Vereinigung von Dättlikon und Pfungen entsteht damit ab 2023 eine Kirchgemeinde mit rund 1500 Mitgliedern. Die Kirchgemeinde Zollikon-Zumikon zählt künftig 5300 Mitglieder. Der Kirchenrat, der die Zusammenschlüsse beantragt hatte, begrüsste beide Fusionen. Sie liegen auf der Linie des Prozesses KirchGemeindePlus, den die Zürcher Landeskirche seit Jahren vorantreibt und der auf den Aufbau von grösseren, zukunftsfähigen Kirchgemeinden zielt.

Ist das Lohnsystem gerecht?

Die Synodalen Karin Baumgartner-Bose, Hinwil, und Ruth Derrer Balladore, Zürich, forderten zusammen mit 26 Mitunterzeichnenden vom Kirchenrat Auskunft zum Lohnsystem der Zürcher Pfarrschaft. Namentlich der generelle Stufenanstieg war in den letzten Jahren in der Kirchensynode immer wieder in Frage gestellt worden. Der Kirchenrat beurteilte in seiner Antwort das System der Lohneinstufung und der Lohnentwicklung als bewährt und wettbewerbsfähig. Die Pfarrlöhne bewegen sich auf dem Niveau der Mittelschullehrer. Für den Beruf sei es wichtig, eine verlässliche Lohnentwicklung in Aussicht zu stellen, weil keine anderen Formen der Lohnerhöhung – wie zum Beispiel durch Wechsel des Unternehmens oder der Stelle – möglich sind. Bei einen Systemwechsel fürchtet der Kirchenrat eine Schmälerung der Attraktivität des Berufs.

Ruth Derrer Balladore hielt allerdings fest, dass sie das gegenwärtige Lohnsystem für überholt halte und dass individuelle, leistungsbasierte Lohnmassnahmen angezeigt wären. Weitere Votanten unterstützten diese Argumentation, andere betonten, dass das gegenwärtige Lohnsystem im Blick auf den Pfarrmangel wichtig und angemessen sei.

Im Weiteren nahmen die Synodalen diskussionslos Kenntnis von der Interpellationsantwort des Kirchenrates zum Investitionskredit im Kloster Kappel, die Fragen zu den Bereichen Vertragssituation, Finanzen und Rechtsform des landeskirchlichen Bildungshauses klärte. Schliesslich überwiesen die Synodalen ein Postulat, das den Kirchenrat einlädt zu prüfen, ob bei künftigen Vernehmlassungen auch die Fraktionen der Kirchensynode in den Kreis der Vernehmlassungsteilnehmenden aufgenommen werden sollen. Die Kirchensynode überwies das Anliegen mit 50 zu 34 Stimmen gegen den Willen des Kirchenrats.

Klima, Christenverfolgung und Ukraine-Krieg

Mehrere Synodale berichteten zum Schluss in persönlichen Erklärungen von ihren Eindrücken der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Karlsruhe. Tobias Adam betonte die Wichtigkeit des gegenseitigen Kennenlernens zwischen Fidschi, Finnland und Kuba, das dieser Anlass ermöglicht habe. Der persönliche Austausch habe ihm nochmals vor Augen geführt, wie brennend das Thema der Klimakrise weltweit ist. Yvonne Wildbolz berichtete von den Erfahrungen der Christenverfolgung in Südostasien, die an diesem Weltökumenetreffen ebenfalls zur Sprache gebracht wurden.

Kirchenratspräsident Michel Müller zeigte sich enttäuscht, dass die Vollversammlung sich nicht dazu durchringen konnte, die theologische Rechtfertigung des Kriegs Russlands durch die Führung der russisch-orthodoxen Kirche namentlich zu kritisieren. Einzig der deutsche Bundespräsident und reformierte Christ Frank-Walter Steinmeier habe als Gast – oder „Prophet“ – dies explizit auszusprechen gewagt.

Livestream der Synode: https://www.youtube.com/watch?v=75TJsQtGUtc