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Weitere Fusion besiegelt und eine Investition ins Kloster

Bericht aus der Sitzung des Zürcher Kirchenparlaments vom 28. September in der Messehalle in Zürich Oerlikon.

Die reformierte Kirchensynode besiegelt mit der Fusion von Stäfa und Hombrechtikon einen weiteren Kirchgemeindezusammenschluss, investiert ins Kloster Kappel, debattiert über die Ausgestaltung des Finanzausgleichs und sucht vergeblich nach einem Stadt-Land-Graben in der Kirche. Bericht aus der Sitzung des Zürcher Kirchenparlaments vom 28. September in der Messehalle in Zürich Oerlikon.


Die Kirchensynode sagte mit 72 Stimmen deutlich Ja zum Zusammenschluss der Kirchgemeinden Stäfa und Hombrechtikon. Damit besiegelte das Kirchenparlament den Fusionsprozess, den die beiden Gemeinden Im Frühjahr 2019 begonnen hatten und der nach einem bisweilen emotional geführten Abstimmungskampf 2021 schliesslich sowohl bei den Stäfner wie auch den Hombrechtiker Mitgliedern eine Mehrheit fand.

Mittlerweile sei eine konstruktive Ruhe eingekehrt, schreibt der Kirchenrat in seinem Antrag zum Zusammenschluss. Und er streicht heraus, dass die Vereinigung von Kirchgemeinden zu grösseren Einheiten auf der Linie liege, wie sie das Projekt KirchGemeindePlus verfolgt und wie sie in den letzten Jahren zahlreiche Zürcher Kirchgemeinden vollzogen haben. Die Fusion sei im Blick auf die Herausforderungen, denen sich die Kirchgemeinden bei der Erfüllung des kirchlichen Auftrags und hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Ressourcen zu stellen haben, ein Schritt in die beabsichtigte Richtung.

Brigitte Henggeler, Präsidentin der Geschäftsprüfungskommission, bestätigte diese Sicht und sprach von Aufbruchstimmung, die in der neuen, künftig rund 8000 Mitglieder umfassenden Gemeinde spürbar sei. Giorgio Girardet, Religiös-soziale Fraktion, sah dies anders und plädierte wegen der relativ knappen Zustimmung vor Ort und zu Gunsten einer grundsätzlichen Debatte über die Stossrichtung von KirchGemeindePlus für ein ‹kreatives› Nein zum Zusammenschluss. Seiner Argumentation folgten 9 Synodale, 14 enthielten sich der Stimme. 

Investieren ins Kloster

Unbestritten war ein Bauprojekt im Kloster Kappel. Die Kirchensynode genehmigte ohne Gegenstimmen eine statische Sanierung sowie den Umbau und die Erweiterung des Wohngeschosses im Amtshaus des Klosters. Der Kirchenrat hatte dafür einen Objektkredit von CHF 1,387 Mio. beantragt. Gerhard Hubmann, Präsident der Finanzkommission, empfahl die Annahme des Kredits und betonte, dass das Kloster von strategischer Bedeutung für die reformierte Landeskirche sei. Die Investition sei nötig und ermögliche eine bessere Nutzung. 

Wann wählt man den Kirchenrat?

Eine von 30 Synodalen mitunterzeichnete Interpellation erbat vom Kirchenrat die Prüfung einer Änderung der Modalitäten der Kirchenratswahl. Insbesondere der Wahltermin der Exekutive an der konstituierenden Sitzung der Kirchensynode erachteten die Interpellanten als zu früh, da neugewählte Mitglieder der Kirchensynode die zur Wahl stehenden Kirchenräte noch zu wenig kennen. Der Kirchenrat zeigt in seiner Antwort Möglichkeiten der Terminänderung auf. Er erinnert allerdings an den Grundsatz, wonach ein neu gewähltes Parlament möglichst unmittelbar nach seiner Konstituierung auch die Regierung neu wählen sollte. Denn nur so lassen sich geänderte Kräfteverhältnisse im Parlament sofort abbilden. Denkbar wäre es, die Wahl des Kirchenrates in der ersten Sitzung der Kirchensynode nach der konstituierenden Versammlung durchzuführen. Der Kirchenrat verzichtete auf eine Empfehlung. Es sei Sache der Kirchensynode als Wahlorgan des Kirchenrats, darüber zu entscheiden. Die Interpellanten Benedict von Allmen und Manuel Amstutz dankten für die Antwort und stellten weitere Schritte zur Umsetzung des Anliegens und Änderung der Geschäftsordnung in Aussicht. 

Neuordnung des Finanzausgleichs

Auch Finanzfragen waren an der Sitzung in der Messhalle in Zürich Oerlikon traktandiert: Das Postulat «Neuordnung des Finanzausgleichs» verlangt eine solidarischere Ausgestaltung desselben. Die Antwort des Kirchenrates auf den Vorstoss lag der Kirchensynode bereits im September 2020 vor, wurde aber zurückgewiesen. In der nun überarbeiteten Fassung vertritt der Kirchenrat die Meinung, dass die heutige Steuerfussdisparität unter den Kirchgemeinden nicht ausgeprägt sei. Je nachdem ergäben die Betrachtung nach Mitgliedern oder nach Nettosteuererträgen ein differenzierteres Bild. Mit den weiteren Zusammenschlüssen von Kirchgemeinden würde sich die Verteilung zudem weiter normalisieren.

Auch ein Einheitssteuerfuss ist für den Kirchenrat keine gute Lösung, weil er den Grundsätzen der Gemeindeautonomie und der Subsidiarität widerspricht. Hans Martin Aeppli, Präsident der vorberatenden Kommission, stimmte diesen Einschätzungen in groben Linien zu, regte aber weitere Modusänderungen an, die der Kirchenrat bei der Erarbeitung des neuen Finanzausgleichs einbeziehen soll. In diesem Sinn empfahl er, das Postulat abzuschreiben. Die Kirchensynode folgte dieser Empfehlung einstimmig. Der Kirchenrat will den neuen Finanzausgleich der Synode 2023 unterbreiten. 

Gibt es einen Stadt-Land-Graben?

Diese Frage hatten sich die Synodalen während einer Aussprachesynode am 14. September vorgenommen. Deren Resultate wurden an der heutigen Sitzung nochmals beleuchtet. Jürg Schoch, ehemals langjähriges Mitglied des Kirchenparlaments, skizzierte die Ergebnisse und hielt fest: Eine Stadt-Land-Graben gibt es in der Kirche aus Sicht der Synodalen nicht. Die Herausforderungen bezüglich Mitgliederbindung und -einbezug, die sich den Kirchgemeinden stellen, sind in urbanen und ländlichen Gebieten beträchtlich, aber nicht gänzlich anderer Art. Lösungen für diese Herausforderungen zu finden, sind nicht einfach, auch hier bestehe Übereinstimmung. Möglichkeiten ergeben sich aus dem vermehrten Teilen kreativer Ideen der Gemeindeentwicklung, aber auch durch Nutzung digitaler Kanäle. In diesem Punkt geht das Kirchenparlament voran: Dessen Sitzungen kann man seit diesem Jahr auch per Livestream verfolgen.   

:: Youtube: Video der Kirchensynode vom 28. September 2021