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Landeskirche will Aufsicht über Kirchgemeinden verschlanken

Vernehmlassung zur Teilrevision der Kirchenordnung

Die Zahl der reformierten Kirchgemeinden im Kanton Zürich hat seit 2010 um rund einen Drittel abgenommen. Die Landeskirche möchte ihre Struktur dieser Entwicklung anpassen und die Aufsicht über die Kirchgemeinden auf der Bezirksebene aufheben. Die Bezirkskirchenpflegen würden demzufolge aufgelöst. Zudem ist geplant, eine einzige Ombudsstelle für die ganze Landeskirche zu schaffen. Der Kirchenrat schickt das Revisionsvorhaben von März bis Mai in eine breite Vernehmlassung.

Seit 2010 nimmt die Zahl der Kirchgemeinden aufgrund von Zusammenschlüssen laufend ab. Aktuell sind es noch 126 Gemeinden. Nicht die Reduktion ist allerdings das Ziel: Die Kirchgemeinden sollen ihre Aufgaben in einem stetig komplexer werdenden Umfeld weiterhin eigenständig und professionell wahrnehmen können. Dazu sind grössere Kirchgemeinden mit ihren Behörden eher in der Lage als Kleingemeinden.

Diese Entwicklung hat auch Auswirkungen auf die kirchlichen Bezirke. Auch die Bezirkskirchenpflegen stossen als Milizbehörden aufgrund der zunehmenden Komplexität der Vorschriften vermehrt an ihre fachlichen und auch an ihre zeitlichen Grenzen. Dies zeigt sich insbesondere im Bereich der
allgemeinen Aufsicht und der Tätigkeit als Rekursinstanz. Diese Tendenz dürfte mit ein Grund sein, weshalb es zunehmend Mühe bereitet, Kandidatinnen und Kandidaten für die Behörde zu finden.

Konkret schlägt der Kirchenrat vor, die Strukturen der Landeskirche zu verschlanken, indem die kirchlichen Bezirke und infolgedessen auch die Bezirkskirchenpflegen aufgehoben werden. Auch beim Kanton sind Bestrebungen im Gang, die zwölf Bezirke durch wenige Regionen abzulösen,
was bereits im Vorfeld der Kantonsverfassung von 2005 diskutiert worden war.

Die allgemeine Aufsicht über die Kirchgemeinden soll künftig von der Kirchensynode wahrgenommen werden, die dafür eine Aufsichtskommission bestellt. Die Aufsicht betrifft die Gemeindeorganisation, den Geschäftsgang von Behörden und Verwaltung, den Gemeindehaushalt, das Personalwesen und die Archive. Die Visitation der Kirchgemeinden, z.B. hinsichtlich Gottesdienst, soll dem Kirchenrat zugewiesen werden und alle sechs bis acht Jahre stattfinden.

Anschluss an die kantonale Ombudsstelle

Die geltende Kirchenordnung sieht vor, dass in Angelegenheiten der Kirchgemeinden eine kirchliche Ombudsstelle amten soll. Der Auftrag zur Schaffung einer solchen Stelle wurde jedoch von der Kirchensynode 2012 sistiert, um ihn im Rahmen der nächsten Teilrevision der Kirchenordnung zu überprüfen. Im Rahmen der letzten Vernehmlassung zu einer Teilrevision der Kirchenordnung vor vier Jahren befürworteten die Teilnehmenden fast einhellig, die kirchliche Ombudsstelle nun doch einzuführen. Der Kirchenrat schlägt jetzt aber vor, die Aufgaben der kirchlichen Ombudsstelle an die kantonale Ombudsstelle zu übertragen, die in Angelegenheiten der Landeskirche und kirchlichen Bezirke bereits heute tätig ist. Dementsprechend würden die Kirchgemeinden verpflichtet, sich ebenfalls der kantonalen Ombudsstelle anzuschliessen.

Schliesslich wird die Teilrevision der Kirchenordnung auch genutzt, um weitere Bereiche anzupassen, etwa den Wechsel vom Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund zur Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz oder – aus Anlass der Pandemie Covid-19 – eine ausdrückliche Regelung
der Handlungsbefugnisse des Kirchenrates in ausserordentlichen Lagen (Notstand).

Die Vernehmlassung bei kirchlichen Gremien und Berufsverbänden startet am 1. März und dauert bis 28. Mai. Anschliessend an die externe Auswertung wird der Kirchenrat die Vorlage aufgrund der Ergebnisse überarbeiten. Eine Teilrevision der Kirchenordnung, welche die Befugnisse der Stimmberechtigten betrifft, unterliegt dem obligatorischen Referendum. Mit der Abstimmung ist im zweiten Halbjahr 2022 zu rechnen, mit dem Inkrafttreten auf Anfang 2023.