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Synode: Nur geringe Sparmassnahmen beim Personal

Sitzung vom 24. November in der Stadthalle Bülach: Aufwandüberschuss von rund 1,9 Millionen Franken budgetiert.

Die Landeskirche rechnet für das kommende Jahr mit einem Aufwandüberschuss von 1,9 Millionen Franken. Dies geht aus dem Budget 2021 der Zentralkasse hervor, das die Kirchensynode an ihrer Sitzung guthiess. Das anvisierte Resultat basiert auf der Vorgabe, dass der Beitragssatz der Kirchgemeinden auf der reduzierten Höhe von 3.10 belassen wird. Diesem Beitragssatz stimmte das Kirchenparlament trotz mittelfristig schlechteren finanziellen Prognosen ohne Gegenantrag zu.  

Dafür forderten zwei Synodale Einsparungen bei den Lohnkosten, dem mit Abstand grössten Ausgabeposten der Landeskirche. Rolf Gerber, Mitglied der Finanzkommission, forderte in einem Minderheitsantrag Kürzungen von 900 000 Franken, der Synodale Philippe Nussbaumer Einsparungen
von 400 000 Franken. Namentlich der vom Kirchenrat budgetierte Stufenanstieg bei den Löhnen der Pfarrschaft und den Mitarbeitenden der Gesamtkirchlichen Dienste hielten mehrere Votanten in der sich abzeichnenden Wirtschaftskrise für ein falsches Signal: „Welches Bild gibt unserer Kirche
damit ab, wenn andernorts Menschen ihre Stellen verlieren“, fragte beispielsweise Benedict von Allmen, Synodaler für den Wahlkreis Bülach.  

Der Kirchenrat signalisierte Verständnis für diese Sicht, hatte er selbst den üblichen Stufenanstieg doch vorgängig bereits halbiert. Kirchenratspräsident Michel Müller räumte ein Dilemma in dieser Frage ein und hielt fest, dass ein gänzliches Aussetzen des Stufenanstiegs vor allem jüngere Mitarbeitende treffe und langfristig benachteilige.  Die Argumentation des Kirchenrates setzte sich in der Endausmarchung knapp gegen den Antrag vor Rolf Gerber mit 54 zu 43 Stimmen durch.

Reformationsjubiläum und Bullinger-Briefe 


Weit weniger umstritten waren die weiteren Geschäfte, die die Kirchensynode an diesem Vormittag in der Bülacher Stadthalle zu verhandeln hatte: 

  • Ohne Gegenstimme sagte die Kirchensynode Ja zu einem Beitrag von 200 000 Franken für ein Projekt, das die Briefe des Zürcher Reformators und Zwingli-Nachfolgers Heinrich Bullinger ins digitale Zeitalter bringen will. Als Theologe, Gelehrter und Historiker war Bullinger eine weithin anerkannte Autorität, die über Jahrzehnte das geistige Europa mitgeprägt hat. 12 000 Briefe von ihm und an ihn sind erhalten. Mit dem Digitalisierungsprojekt wird der historisch einmalige Nachlass Interessierten aus aller Welt zugänglich gemacht. 

  • Der Kirchenrat legte der Kirchensynode eine umfassende Bilanz des 2019 zu Ende gegangenen Reformationsjubiläums vor. Das Kirchenparlament nahm mit grossem Mehr zustimmend Kenntnis. Hannes Hinnen, Präsident der vorberatenden Kommission, wertete die Aktivitäten und Initiativen rund um das 500-Jahr-Jubiläum der Zürcher Reformation als quantitativ und qualitativ überzeugend. Zu den Erfolgsfaktoren zählte er u. a. das finanzielle Engagement, das dank der frühzeitigen Sprechung eines Rahmenkredits von 2,8 Millionen Franken weitere Zusagen und den Einbezug von Kanton, Stadt und Zürich Tourismus ermöglicht hat. Positiv würdigten er und weitere Votanten das grosse Medienecho und die Breitenwirkung des Zwingli-Spielfilms, die das Bild des Reformators zu schärfen und zu korrigieren vermochten. Ob die Glut des Evangeliums neu entfacht werden konnte, stellte Peter Schmid in Frage und forderte bei seiner Würdigung des Jubiläums mehr Selbstkritik.Auch andere Votanten setzten – bei aller Würdigung – bei der Frage der Nachhaltigkeit des Jubiläums ein Fragezeichen.

  • Ohne Diskussionen verabschiedete die Kirchensynode die Abrechnung des Rahmenkredits für die Ergänzungspfarrstellen 2016–2020. 

  • Emotionaler verlief als Schlusspunkt der letzte Auftritt von Kirchenrat Daniel Reuter vor den Synodalen. Nach 13 Jahren in der Exekutive gibt Daniel Reuter sein Amt auf Ende Jahr ab und übernimmt die Aufgabe des Sekretärs des Kirchgemeindeparlaments der Kirchgemeinde Zürich. Reuter schaute in seiner Schlussrede vor der Kirchensynode, der er selbst auch 20 Jahre angehörte hatte, auf die wesentlichen Momente seiner kirchlichen Laufbahn zurück – auch auf seine Wahl als erster Vertreter der Evangelisch-Kirchlichen Fraktion in den Kirchenrat im Jahr 2007. Seinen Nachfolger bestimmt das Kirchenparlament in der Frühlingssession 2021.