Message

Resolution: Handeln gegen den Klimawandel

Mit grossem Mehr stimmte die Kirchensynode vom 25. Juni 2019 einer Resolution zum Handeln gegen den Klimawandel zu.

Wir glauben, dass Gott diese Welt aus Liebe geschaffen hat und dass es uns Menschen obliegt, verantwortungsvoll mit seiner Schöpfung umzugehen.

Die Bewahrung der Schöpfung ist deshalb auch in unserer Kirchenordnung verankert.

Wir als Synode nehmen unsere Verantwortung gegenüber der Schöpfung spezifisch in denjenigen Bereichen wahr, wo wir als kirchliche Legislative einen direkten Einfluss haben, z.B. bei der Liegenschaftenbe- wirtschaftung oder bei der Sensibilisierung aller Mitglieder.

Wir erfüllen als Kirche unser Wächteramt gegenüber Politik und Gesellschaft, indem wir klimaschädliche Denk- und Verhaltensweisen konstruktiv hinterfragen.

Im Wissen, dass die Menschheit nicht vollkommen ist, aber im Glauben, dass Gott diese Erde trotz unseres Versagens erhält, ermutigen wir uns selber und andere, jetzt Massnahmen zur Bewahrung der Schöpfung zu ergreifen: Es ist Zeit zu handeln.


Erklärende Ausführungen


Die Resolution ist eine Absichtserklärung. Unsere Botschaft lautet: Es ist Zeit zu handeln und die Kirche muss ihren Beitrag leisten.

Klimafreundliches Handeln beginnt im Kleinen. Es beginnt bei jeder und jedem einzelnen. Die Kirche kann hier als Bildungsinstitution einen Beitrag leisten durch Aufklärung und Sensibilisierung ihrer Mitglieder aller Generationen. Doch es kann und soll nicht erwartet werden, dass die Lösung des Problems allein durch Eigenverantwortung und von Einzelpersonen erreicht wird. Es braucht auf kommunaler, kantonaler, nationaler und internationaler Ebene griffige Massnahmen. Deshalb ist es unumgänglich, die grossen Player in Politik und Wirtschaft auf ihre Verantwortung gegenüber der Umwelt aufmerksam zu machen.

Die beiden genannten Punkte gehen Hand in Hand und setzen ein generelles Umdenken in wirtschaftlichen und sozialen Fragen voraus: Inwiefern ist ein stetiges Wachstum überhaupt noch erstrebenswert, respektive realistisch? Welche Verpflichtungen haben die wirtschaftlich führenden Nationen gegenüber den aus westlicher Sicht weniger weit entwickelten? Wie kann eine gerechtereVerteilung von Ressourcen, Gütern und überhaupt von Wohlstand erreicht werden? Die Kirche kann einen Beitrag dazu leisten, dass solche Fragen breit und konstruktiv diskutiert werden.

Doch soll die Kirche nicht als „Gutes Gewissen der Gesellschaft“ auftreten, ohne die eigenen Strukturen und Abläufe kritisch zu hinterfragen: Wo kann die Kirche selbst klimafreundlicher handeln? In ihren eigenen vier Wänden: Ganz konkret bei der Bewirtschaftung der kirchlichen Immobilien. Hier soll insbesondere die Einführung des „grünen Güggels“ in den Kirchgemeinden gefördert werden. Oder, wie schon erwähnt, durch Sensibilisierung all ihrer Mitglieder, Gross und Klein.

Flugreisen stehen immer wieder im Fokus der Kritik: Wie kann die Kirche hier einen Beitrag leisten? Einerseits, indem sie konkret kirchliche Reiseangebote (Gemeindeferien, Konflager) auf ihre Klimaverträglichkeit untersucht, und andererseits, indem sie als gute Arbeitgeberin verhindert, dass weite Auslandsreisen überhaupt notwendig werden. Die Kirche kann einen Beitrag leisten, mit guten Arbeitsbedingungen um die Work-Life-Balance zu verbessern: Als Arbeitgeberin für ihre eigenen An- gestellten, aber auch als Partnerin im Berufsleben ihrer Mitglieder.

Auch in der Schweiz sind die Folgen der Klimaerwärmung bereits erlebbar: Gletscherschmelze, Bergstürze, Hitzesommer, Dürren und Ernteausfälle in der Landwirtschaft, Absenkung des Grundwasserspiegels, Biodiversitätsverlust. Dies sind Ereignisse, die die meisten Schweizer noch nicht direkt im täglichen Leben betreffen. Es ist daher (noch) ein Leichtes, wegzuschauen. Die Kirche kann hier einen Beitrag leisten, indem sie den Menschen aus seiner Komfortzone holt und auf die Problematik aufmerksam macht: Nicht durch Schuldzuweisungen, sondern durch Aufzeigen konkreter Lösungsansätze und Ermutigung zum Handeln. Obwohl die Schweiz nicht direkt unter dem steigenden Meeresspiegel leidet, können wir solidarisch sein mit denjenigen Menschen, deren Lebensgrundlage durch den Klimawandel bedroht ist. Die Kirche kann hier ihren Beitrag leisten mit einem Aufruf zur Solidarität: Seien wir Samariter und nicht Pharisäer!

Junge Menschen gehen dieser Tage für den Klimaschutz auf die Strasse. Nicht wenige von ihnen sind Mitglieder der reformierten Landeskirche und damit die Kirche von morgen. Noch sind viele der Demonstrantinnen und Demonstranten zu jung, um ihre Stimme politisch einzubringen. Sie sehen sich deshalb um nach einer etablierten Institution, die ihnen den Rücken stärkt. Die Kirche soll ihren jungen Mitgliedern zeigen, dass ihre Stimmen gehört und ihre Anliegen unterstützt werden.

Und einen letzten Punkt bitten wir zu beachten: Bei den medial allgegenwärtigen Schwarzmalereien, was die Zukunft unseres Planeten betrifft – seien sie nun gerechtfertigt oder nicht – liegt die Resignation sehr nahe. Die Kirche kann hier einen Beitrag leisten, indem sie die Menschen ermutigt. Und indem sie daran erinnert, dass wir nicht allein sind, wenn wir unsere Hände als Gottes Hände und in seinem Sinne einsetzen.