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Vorerst keine Stadtakademie

Die Kirchensynode weist das Projekt einer reformierten Stadtakademie an den Kirchenrat zurück.

Idee gut, Projekt aber nicht überzeugend, nicht ausgereift und so nicht finanzierbar, lautete das Verdikt der Kirchensynode zur Lancierung einer reformierten Stadtakademie. Mit deutlichen 62 zu 35 Stimmen wies das Kirchenparlament das ambitionierte Projekt an den Kirchenrat zurück. Im letzten September sah es für das Vorhaben noch günstiger aus. In der Herbstsynode hatte der Kirchenrat ein Bildungskonzept vorgelegt, in dem der geplanten Stadtakademie eine zentrale Rolle beigemessen wird, was die Synodalen mehrheitlich begrüssten. Was damals erst in groben Zügen skizziert war, lag nun als detailliertes Projekt vor, das auf Herbst 2016 im Kirchgemeindehaus Zürich Enge realisiert werden sollte.

Unter der Bezeichnung «Stadtakademie Zürich. Die Reformierten» sollte laut Bericht des Kirchenrates in der Stadt Zürich ein reformiertes Bildungshaus geschaffen werden, das «Theologie und Kirche im veränderten gesellschaftlichen Umfeld auf neue Weise öffentlich ins Gespräch bringt». Dies in der Überzeugung, «dass die Kirche mit ihren Werten und theologischen Perspektiven Wesentliches für die Orientierung der einzelnen Menschen und für die zukünftige Gestaltung unserer Gesellschaft beizutragen vermag». Geschehen sollte dies in Programmschwerpunkten wie «Gesellschaft, Ethik, Wissenschaft», «Spiritualität und Meditation» oder «Alltag und Lebensstil».

Mit der näheren inhaltlichen Ausgestaltung der Stadtakademie präsentierte der Kirchenrat in seinem Bericht nun aber auch die Kosten: Für den Umbau des Kirchgemeindehauses Zürich Enge würden insgesamt 3,64 Mio. Franken benötigt. Davon sollte die Landeskirche 1,68 Mio. Franken für jene Investitionen übernehmen, die für den Betrieb der Stadtakademie nötig wären. Neben einem Nachtragskredit über 137‘000 Franken für Projektierungsarbeiten beantragte der Kirchenrat deshalb einen entsprechenden Baukredit.

Am Grundsatz änderten Details und Zahlen nichts: Die vorberatende Kommission, die mitberichtende Finanzkommission und die Fraktionen der Kirchensynode äusserten sich zu Idee und Begründung einer Stadtakademie nach wie vor positiv. Die Anträge des Kirchenrates wurden aber fast samt und sonders abgelehnt. Für die Präsidentin der vorberatenden Kommission, Jacqueline Sonego Mettner, waren nicht nur die Investitionen zu hoch, sondern auch zu viele inhaltliche Fragen offen. Die Vision sei unklar und die Ausrichtung auf die Zielgruppen widersprüchlich. Sie forderte spezifischere Ziele, ein klareres Agendasetting, eine Klärung des Ökumene-Aspektes, eine Reduktion der personellen Dotierung und einen Businessplan. Für die Finanzkommission war eine Investition von 1,68 Mio. Franken in Anbetracht sinkender Steuereinnahmen und Staatsbeiträge nicht vertretbar.

Besonders diskutiert wurde in der Kirchensynode die Art und Weise des Prozesses. Kommissionen und Fraktionen wiesen darauf hin, dass für einen solch experimentellen Versuch wie eine Stadtakademie ein pragmatischeres, niederschwelligeres Vorgehen angezeigt wäre. Zuerst müssten die Inhalte überzeugen, bevor im grossen Stil Strukturen bereitgestellt werden könnten. Das Projekt solle deshalb – auch wenn der Standort Enge überzeuge – in einem bereits von den Gesamtkirchlichen Diensten genutzten Gebäude gestartet werden – auch Apple habe in einer Garage begonnen…

Dem wurde entgegengehalten, dass für den Erfolg eben von Beginn weg eine gewisse Sichtbarkeit nötig sei. Man könne auch nicht nur ein bisschen schwanger sein, formulierte es Kirchenrat Daniel Reuter, der das Geschäft vor der Kirchensynode vertrat. Er verwies darauf, dass die Kirchgemeinde Zürich Enge entschieden hinter dem Projekt stehe. Zudem sei in Zusammenarbeit mit Projekten in anderen Städten ein schweizweites Label stadtakademie.ch im Aufbau begriffen. Für Zürich gehe es jetzt einfach um einen Grundsatzentscheid und einen Planungsauftrag.

Unterstützt wurde der Kirchenrat von einer Minderheit der vorberatenden Kommission. Andrea Widmer Graf, Zürich Wollishofen, betonte, dass die Stadtakademie eine gute Möglichkeit sei, weitere Personenkreise und mehr öffentliche Wahrnehmung zu erreichen. Für die Synode als Legislative müsse es nun um den Grundsatzentscheid gehen und nicht schon darum, Details zu fordern; die konkrete Ausgestaltung sei dem Kirchenrat zu überlassen.

Es half trotzdem nichts. Mit der Rückweisung des Geschäfts liegt der Ball nun wieder beim Kirchenrat, der in den kommenden Wochen und Monaten prüfen wird, ob und allenfalls mit welchen Änderungen und Präzisierungen er das Projekt Stadtakademie der Kirchensynode wieder vorlegen will.