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Synode will Klarheit

Die Synode bekräftigt ihren Willen zu "KirchGemeindePlus", will aber mehr Klarheit im Prozess.

Kirchensynode will mehr Klarheit

Die reformierte Kirchensynode bekräftigte an ihrer ersten Wintersynode den grundsätzlichen Willen und die Bereitschaft zu «KirchGemeindePlus», dem grossen Reformprojekt der Landeskirche. Sie wies aber einen Bericht des Kirchenrates zurück, weil es dem ganzen Prozess an der erforderlichen Klarheit fehle.

Eine kleiner werdende Kirche bedeutet abnehmende Ressourcen. Dieser Entwicklung begegnet der Kirchenrat auf struktureller Seite seit 2012 mit dem Prozess «KirchGemeindePlus»: Durch Zusammenlegungen sollen die heute knapp 180 Kirchgemeinden in den Stand gesetzt werden, künftigen Herausforderungen besser begegnen zu können. Zum Abschluss der ersten beiden Phasen des Prozesses präsentierte der Kirchenrat im September sein Zielbild für die nun anstehende dritte Phase: Die Kirchgemeinden sollen «Rahmenorganisationen» werden, die zwar institutionell verankert bleiben, aber offener und flexibler sind für neue Formen des kirchgemeindlichen Lebens.

Damit soll eine bessere Balance zwischen institutionellen und individuellen Aspekten erreicht werden bzw. zwischen einer «Kirche am Ort» und einer «Kirche am Weg», wie es sie beispielsweise mit der Bahnhofkirche schon gibt. Neue Formen der Vergemeinschaftung, die sich nicht streng an der Territorialität ausrichten, sollen intensiviert werden. Der Kirchenrat ist überzeugt, dass die Kirchgemeinden mit einer solchen Positionierung der heutigen «Vielfalt von Lebenswelten» besser gerecht werden. Er gibt diesem qualitativen Zielbild auch den Vorzug vor quantitativen Bestimmungen und verzichtet auf die Festsetzung von fixen Gemeindegrössen. Dennoch geht er aufgrund des bisherigen Prozessverlaufs davon aus, dass sich am Ende möglicherweise noch 35–40 Kirchgemeinden bilden könnten.

Der im September veröffentlichte Bericht lag nun der Kirchensynode vor. Die vorberatende Kommission unterstützt zwar die «grundsätzliche Marschrichtung des Kirchenrates», sie beantragte aber dennoch mehrheitlich Rückweisung des Berichts, weil gemäss Kommissionspräsident Urs-Christoph Dieterle, Uster, «zahlreiche Fragen ungeklärt bleiben», z.B. im Bereich Kosten oder Leitungsmodelle. Zudem bilde die blosse Zustimmung zu einer Postulatsantwort wie schon 2012 keinen ausreichenden Auftrag für ein Geschäft von solcher Tragweite; die Kirchensynode müsse mehr Mitsprache haben. Die Kommission brachte stattdessen eine Motion ein, die den Kirchenrat verpflichtet, für mehrere Bereiche neue Rechtsgrundlagen vorzulegen, beispielsweise für neue Gemeindemodelle.

Die Geschäftsprüfungskommission, die Finanzkommission und die Fraktionen sahen die Situation ähnlich: Der Prozess «KirchGemeindePlus» solle keineswegs gestoppt, sondern – so Matthias Reuter, Präsident der Religiös-sozialen Fraktion – «präzisiert, gestärkt und legitimiert werden». Willi Honegger, Präsident der Evangelisch-kirchlichen Fraktion, doppelte nach: Es sei dem Kirchenrat hoch anzurechnen, dass er die wichtigen Themen anpacke, aber der vorliegende Bericht sei zu unklar, als dass die Kirchensynode wirklich wissen könne, zu was sie da eigentlich Stellung nehme.

Die Bedenken der Synodalen kamen aus den unterschiedlichsten Ecken und Motivlagen. Da wurde die Geschwindigkeit des Prozesses problematisiert, die Unklarheit der Begrifflichkeiten betont, auf die Autonomie der Kirchgemeinden gepocht, die Vermischung mit dem Thema «nachhaltige Kapitalsicherung» kritisiert oder einfach fehlendes Projektmanagement festgestellt. Letztlich wurde der Bericht denn auch mit deutlichen 96 zu 12 Stimmen zurückgewiesen. Es half auch nichts, dass Kirchenratspräsident Michel Müller darauf hinwies, dass der Reformdruck hoch sei und die Kirchgemeinden nicht über viele Jahre mit Zusammenlegungsprojekten beschäftigt werden könnten, zumal auch das Reformationsjubiläum vor der Tür stehe.

Auch Gerhard Hubmann, Küsnacht, gab zu bedenken, dass der «Zug rolle» und es angesichts der kirchlichen Entwicklung ein falsches Zeichen setze, ihn stoppen zu wollen. Umso mehr betonten sowohl Dieterle als auch Synodepräsident Kurt Stäheli explizit, dass die Rückweisung des kirchenrätlichen Berichts nicht als Absage an den Prozess «KirchGemeindePlus» verstanden werden dürfe. Stäheli rief die anwesenden Synodalen dazu auf, die Arbeiten an «KirchGemeindePlus» nicht einzustellen, sondern beherzt weiterzuführen. Und Dieterle verstand die Motion, die der Kirchenrat denn auch entgegennahm, als Impuls für «KirchGemeindePlus».

Ja zur Teilrevision des Kirchengesetzes

Bereits im letzten Frühling hat die Kirchensynode zugestimmt, dass grössere Kirchgemeinden künftig die Möglichkeit haben sollen, Parlamente einzurichten. Der Bedarf dafür ergibt sich für die Landeskirche im Zuge der im Herbst 2014 von den Stimmberechtigten beschlossenen Zusammenlegung der 34 Stadtzürcher Kirchgemeinden zu einer Kirchgemeinde. Die Vorlage für eine entsprechende Teilrevision des staatlichen Kirchengesetzes befindet sich zurzeit in der Vernehmlassung. Die katholische Kirchensynode hat ihr anfangs Monat bereits zugestimmt.

Neben der Möglichkeit zur Schaffung von Parlamenten enthält die Vorlage noch weitere Punkte, welche die Autonomie der Kirchen erweitern. Die Kirchen sollen künftig strukturelle Änderungen vornehmen können, ohne dass diese vom Staat bewilligt werden müssen. Das bedeutet eine weitere, konsequentere Entflechtung von Kirchen und Staat. Insbesondere Gebietsveränderungen von Kirchgemeinden, die Festsetzung der Mitgliederzahl der Kirchenpflegen, die Regelung der Pfarrwahlen sowie Umnutzungen von kirchlichen Liegenschaften sollen künftig einfacher und mit weniger staatlichen Vorgaben möglich sein. Die Kirchensynode stimmte den Änderungen ohne Gegenstimme zu.

Ja zu den Kirchgemeinden Flaachtal und Wehntal

Anders als die grundsätzlichen Fragen zu «KirchGemeindePlus» gingen die Beschlüsse zur Zusammenlegung einzelner Kirchgemeinden ohne grosse Debatte über die Bühne. Mit grossem Mehr beschlossen die Synodalen sowohl die Vereinigung der Kirchgemeinden Flaach-Volken, Berg am Irchel und Buch am Irchel zur neuen Kirchgemeinde Flaachtal wie auch jene der Kirchgemeinden Niederweningen und Schöfflisdorf-Oberweningen-Schleinikon zur neuen Kirchgemeinde Wehntal. Hinsichtlich Flaachtal sprach Kirchenratspräsident Michel Müller vor der Kirchensynode zwar von einem beispielhaften, aber nicht unbedingt vorbildlichen Prozess, weil durch das Abseitsstehen der Kirchgemeinde Dorf die übergeordneten Interessen aufgrund lokaler Verhältnisse zu wenig beachtet worden seien. Auch bezüglich Wehntal sei die beschlossene Fusion zwar ein wichtiger erster Schritt, der gesamte Prozess damit aber nicht abgeschlossen.