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Seilziehen um Seelsorge

Wer sorgt für die Seelsorge in Pflegezentren? Ein Bericht von der Kirchensynode

Der Kirchenrat regelt die Seelsorge in Spitälern, Pflegezentren und anderen Institutionen neu. Der Antrag für die entsprechende Verordnung wurde von der Kirchensynode am 5. April gutgeheissen. Grünes Licht gab das Kirchenparlament der reformierten Landeskirche auch einem Postulat für verstärktes Engagement in der Öffentlichkeitsarbeit.

Bereits 2008 hat die Kirchensynode beschlossen, die Spitalseelsorge einheitlich zu regeln, als Teil der Gesamtkirchlichen Dienste zu führen und durch die Zentralkasse zu finanzieren. Diese «Kantonalisierung» der Spitalseelsorge sollte nach dem Inkrafttreten der neuen Kirchenordnung 2010 zum Tragen kommen und auf die Seelsorge in weiteren Institutionen ausgeweitet werden. Am 5. April legte der Kirchenrat der Kirchensynode nun die entsprechende Verordnung über die Seelsorge in Institutionen vor. Diese gilt für Pfarrämter in Spitälern, in Pflegezentren, in Gefängnissen und in Pfarrämtern mit gemischter (zum Teil ökumenischer) Trägerschaft wie das Flughafenpfarramt, die Bahnhofkirche, die Polizeiseelsorge, die Seelsorge für Rettungskräfte und die Seelsorge in Bundesasylzentren.

Während der Debatte sorgte die Frage nach den Kriterien zur Einrichtung von Pfarrstellen in Pflegezentren für längere Diskussionen und einen Antrag auf Rückweisung. Die Verordnung hält fest, dass die Seelsorge in den Pflegezentren grundsätzlich weiterhin im Verantwortungsbereich der Gemeindepfarrämter liegt. Daneben hat der Kirchenrat die Möglichkeit, insbesondere in grossen Pflegezentren mit überregionaler Bedeutung und in den grossen Pflegezentren in der Stadt Zürich eigene Pfarrämter zu errichten. Der Synodale Karl Stengel, Meilen, bemängelte, dass die Verordnung keine Kriterien definiert, wonach der Kirchenrat solche Pfarrämter einrichten kann. Er plädierte deshalb für eine Befristung der Verordnung. Kirchenrätin Esther Straub und die Präsidentin der vorberatenden Kommission, Eva Ebel, betonten hingegen die Wichtigkeit, diese Kompetenzen dem Kirchenrat zu gewähren, um flexibel auf die Veränderungen im Gesundheitswesen eingehen zu können.

Wer hält die Abdankung?

Zu reden gab die Verordnung auch in einem besonderen Punkt, der die Menschen in Spitälern und Pflegeheimen unmittelbar tangiert: Wer ist zuständig bei Abdankungen? Ist es der Pfarrer, die Pfarrerin, die den Menschen auf dem letzten Wegstück begleitet hat, oder ist es das Pfarramt der Gemeinde, dem der Verstorbene angehört hat? Die Verordnung hält fest, dass es weiterhin das Gemeindepfarramt ist, das die Abdankung übernimmt. Die Seelsorgenden der Institution können allerdings auf Wunsch der verstorbenen Person oder ihrer Angehörigen eine Abdankung übernehmen. Der Synodale Franco Sorbara, Zürich Hirzenbach, und andere Votanten sprachen sich dafür aus, diese Regelung zu kehren und dem freien Wunsch der Menschen noch mehr Gewicht zu geben. Die Mehrheit der Synode hielt allerdings an der vom Kirchenrat formulierten Regelung fest. Weder die Rückweisung des Geschäftes noch der Antrag auf Befristung der Verordnung fanden in der Kirchensynode eine Mehrheit. Die neue Verordnung und die zugehörige Teilrevision der Personalverordnung wurden in der Schlussabstimmung mit 94 Ja zu 12 Nein gutgeheissen.

Wie gut zeigt die Kirche ihr Profil?

Diese Frage stellte die Kirchensynode dem Kirchenrat in einem Postulat im März 2014 im Hinblick auf die Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum. Die Postulanten fragten nach den Werten, für welche die Landeskirche eintritt, wie sie diese vertritt und mit welchen Massnahmen eine bessere Medienpräsenz erreicht werden kann. In seiner Antwort weist der Kirchenrat auf die Faktoren hin, die das Fremdbild und die Reputation der Kirche in der medialen Öffentlichkeit prägen. Eine wichtige Rolle spiele die Authentizität: «In der Öffentlichkeit wird bei Institutionen mit hohen ethischen Ansprüchen sehr genau beobachtet, ob diese Selbstverpflichtungen in der konkreten Arbeit ihrer Vertreterinnen und Vertreter eingelöst werden.» Als entscheidende Faktoren nennt der Bericht auch die Qualität des Angebots, die Betriebskultur und das Erscheinungsbild.

Theddy Probst, Präsident der vorberatenden Kommission, würdigte den Bericht positiv und empfahl die formulierten Massnahmen zu einer Verstärkung der öffentlichen Wahrnehmung der Landeskirche zur Annahme. Für grössere Medienresonanz sollen beispielsweise Kampagnen im Rahmen des Reformationsjubiläums sorgen, oder eine stärkere Gewichtung des Ressorts Öffentlichkeitsarbeit in den Kirchenpflegen. Die Landeskirche müsse in der Medienarbeit verstärkt proaktiv wirken und die Neuen Medien intensiver bewirtschaften. Die Kirchensynode folgte dem Antrag mit 106 Ja und nur einer Gegenstimme.

Sanierung Kloster Kappel

Gänzlich unbestritten war schliesslich der Kredit von 1,275 Millionen Franken für ein Umbau- und Sanierungsprojekt im Kloster Kappel. Die Renovation im Gästehaus ist überfällig. Der Umbau verspricht zusätzliche drei Gästezimmer und lässt höhere Renditen erwarten. Die Umbauarbeiten fordern eine temporäre Schliessung des Klosters im Februar 2017.

Vernehmlassung zu einem Bistum Zürich

Im Weiteren informierte Kirchenratspräsident Michel Müller die Kirchensynode über die gegenwärtig laufende Vernehmlassung zur allfälligen Schaffung eines Bistums Zürich. Der Bischof von Chur, Vitus Huonder, hat den Zürcher Kirchenrat ebenfalls zur Stellungnahme eingeladen. Müller wies in seinem Votum auf die gute ökumenische Partnerschaft im Kanton Zürich hin und betonte, dass sich das auf katholischer Seite praktizierte duale System bewährt habe. Er zitierte in diesem Zusammenhang den vor fast 20 Jahren verfassten Ökumene-Brief des damaligen Weihbischofs Peter Henrici und früheren Kirchenratspräsidenten Ruedi Reich: „Längst ist uns bewusst, dass unsere Kirchen viel mehr miteinander verbindet als trennt.“

Für Michel Müller wäre eine Stärkung der Zürcher Katholiken für die Reformierten zwar eine kommunikative Herausforderung, aber auch eine generelle Stärkung des kirchlichen Lebens, die auch der reformierten Zürcher Kirche zugute kommen würde. Zudem gäbe sie Gelegenheit zur Klärung wichtiger Herausforderungen wie beispielsweise der eucharistischen Gastfreundschaft, und auch die reformierte Kirche würde im Blick auf das Reformationsjubiläum wertvolle Impulse bekommen, sich beispielsweise ihrer „Katholizität“ stärker bewusst zu werden. Gemäss Müller ist die Vernehmlassungsantwort zurzeit in Arbeit und wird noch im April nach Chur geschickt.