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Neuer Weg ins Pfarramt

Das Konzept für einen Studiengang für den Quereinstieg in den Pfarrberuf geht in die Vernehmlassung.

Im Juni 2013 haben die evangelisch-reformierten Kirchen des Deutschschweizer Ausbildungskonkordats ein Konzept für einen Studiengang für den Quereinstieg in den Pfarrberuf (Quest) in Auftrag gegeben. Nun liegt ein Entwurf vor, der in eine breite Vernehmlassung geht.

Der Vorschlag sieht ein dreijähriges, berufsbegleitendes Theologiestudium an den Theologischen Fakultäten Basel und Zürich vor. Das Studium ist als MAS (Master of Advanced Studies) konzipiert und fokussiert auf die akademischen Inhalte der Theologie. Absolventen müssen ein abgeschlossenes Hochschulstudium auf Masterstufe mitbringen. Weitere Zulassungsvoraussetzungen sind Kenntnisse der beiden biblischen Sprachen Hebräisch und Griechisch. Das Curriculum des Studiengangs umfasst sämtliche theologischen Disziplinen des Alten und Neuen Testaments, der Kirchengeschichte, Systematischen Theologie (Dogmatik und Ethik) und Praktischen Theologie.

Nach dem akademischen Quest-MAS folgt für die Absolventen die praktische Ausbildung zum Pfarrer, zur Pfarrerin: Sie besuchen zusammen mit den Abgängern des Regelstudiums das einjährige Lernvikariat. In den ersten fünf Amtsjahren belegen sie zusätzliche, akademisch ausgerichtete und zugleich mit der Praxis verbundene Weiterbildungen im Umfang von etwa drei bis vier Wochen pro Jahr. Insgesamt entspricht dieser neue Weg in den Pfarrberuf einem Studienumfang von 180 Kreditpunkten nach Bologna.

Im Vorfeld hatten Studierende heftige Kritik am Quest geübt. Dieser sei eine Schnellbleiche, mit der die Kirchen nun notfallmässig auf den Pfarrmangel reagieren würden. Das vorliegende Konzept macht deutlich, dass es sich beim Quest um ein vollwertiges Theologiestudium handelt, das neue Bildungs- und Berufsbiographien produktiv aufnimmt. Ein neuer, innovativer Ansatz in der Curriculumsgestaltung macht das möglich. Das Konzept weist zudem darauf hin, dass der Quest nicht die einseitige Förderung älterer Pfarrpersonen bedeutet: Parallel zur Entwicklung des Quest investieren Kirchen und Fakultäten erhebliche Mittel in die Werbung des jungen Nachwuchses, beispielsweise mit dem Campus Kappel, einer Theologiewoche für Jugendliche.

Zur Vernehmlassung des Quest eingeladen sind nun die reformierten Kantonalkirchen des Konkordats, deren Pfarrschaft, die Theologischen Fakultäten Basel und Zürich und deren Studierende. Zudem wird der Vorschlag mit potenziellen Quest-Absolventen und mit Kirchenbehörden diskutiert, die die Bewerbungsdossiers der Quest-Absolventen eines Tages sichten werden. Im Juni 2014 wird der Konkordatskonferenz ein überarbeitetes Konzept vorliegen; diese Konferenz entscheidet dann darüber, ob der Quest künftig als Weg in den Pfarrberuf dient. Im positiven Fall folgt die gemeinsame Umsetzung des Studiengangs durch das Konkordat und die beiden Theologischen Fakultäten Basel und Zürich. Der neue Studiengang kann frühestens auf das Herbstsemester 2015 hin angeboten werden.

Quest-Konzept

Glossar:

 

Konkordat. Eigentlich heisst es Konkordat betreffend die gemeinsame Ausbildung der evangelisch-reformierten Pfarrerinnen und Pfarrer und ihre Zulassung zum Kirchendienst.

Das Konkordat (www.konkordat.ch) ist ein Vertrag zwischen den evangelisch-reformierten Landeskirchen der Deutschschweiz (ohne Bern). Es regelt den Rahmen der Ausbildung für Pfarrerinnen und Pfarrer und die Voraussetzung für die Zulassung zum Kirchendienst. In seiner Grundform stammt es aus dem Jahre 1862, abgeschlossen damals von fünf Kantonsregierungen; seine vorletzte Totalrevision erfuhr es 1967, als es in eine rein kirchliche Trägerschaft überführt wurde. Am 28. November 2002

hat die Konkordatskonferenz (Konferenz der Mitgliedkirchen im Konkordat, meistens vertreten durch ihre Präsidentin / ihren Präsidenten) einen neu gefassten Vertrag zuhanden der Landeskirchen verabschiedet. Am 1. Januar 2004 ist das neue Konkordat in Kraft getreten, alle bisherigen Mitgliedkirchen haben dem neuen Vertrag zugestimmt.

MAS (Master of Advanced Studies): MAS-Studiengänge (vormals Nachdiplomstudiengänge NDS) sind die höchsten Weiterbildungsabschlüsse und führen zu einem akademischen Titel. Sie bieten eine umfassende Ausbildung im jeweiligen Fachbereich, so dass entweder eine zusätzliche Qualifikation im angestammten Beruf erworben werden kann oder sich ein neues Berufsfeld eröffnet. MAS-Studiengänge dauern in der Regel zwei oder mehr Jahre und beinhalten neben Präsenzunterricht und Selbststudium auch eine Abschlussarbeit. Sie sind mehrheitlich berufsbegleitend. Die offizielle Titelbezeichnung lautet Master of Advanced Studies.