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Neuer Kispi-Entscheid

Die Zürcher Kirchen kritisierten den Beschneidungs-Stopp am Zürcher Kinderspital

Das Kinderspital Zürich führt wieder religiös begründete Knaben-Beschneidungen durch.

Das Moratorium werde aufgehoben, teilt das Kinderspital am 10. August mit. Die Geschäftsleitung des Kinderspitals hat laut «NZZ-Online» in Übereinstimmung mit internen und externen Ethikfachleuten entschieden, künftig bei medizinisch nicht indizierten Beschneidungen eine «Einzelfallabwägung» vorzunehmen.

Grund für den Stopp war ein Gerichtsurteil aus Deutschland, das nicht medizinisch indizierte Beschneidungen bei Kindern als Körperverletzung einstufte.

(Quelle: www.ref.ch)

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Pressemeldung vom 20. Juli:

 
«Voreilig und unverhältnismässig»


Vor Monatsfrist beurteilte das Kölner Landgericht die Beschneidung von Knaben als Körperverletzung. Auf diesen umstrittenen Entscheid reagierte nun gemäss diversen Medienberichten das Zürich Kinderspital und setzte als bisher einziges Spital der Schweiz  die Beschneidungen vorläufig aus. Das Moratorium solle solange gelten, bis die ethische Unbedenklichkeit des Eingriffs erwiesen sei.

Der Kirchenrat der reformierten Landeskirche und der Synodalrat der katholischen Körperschaft im Kanton Zürich sind über diesen Entscheid irritiert und besorgt. Angesichts der laufenden Debatten sei er voreilig und in Anbetracht der geringen Fallzahlen höchst unverhältnismässig. Vor allem sei er jedoch ein Eingriff in die Religionsfreiheit, der umso schwerer wiege, als er Minderheitsreligionen betreffe und mit dem Judentum zwei Religionsgemeinschaften, die im Kanton Zürich per Verfassung anerkannt sind.

Kirchenrat und Synodalrat teilen zudem die Sorge, dass durch das Moratorium im Kinderspital die Eingriffe vermehrt anderswo vorgenommen werden, wo die medizinischen und hygienischen Voraussetzungen weniger optimal sind und entsprechende Komplikationen wahrscheinlicher werden.

Kirchenratspräsident Michel Müller zeigte sich insbesondere auch als Präsident des Interreligiösen Runden Tisches im Kanton Zürich enttäuscht, dass die für den Entscheid Verantwortlichen im Spital nicht vorab das Gespräch mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften gesucht haben.