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Margot Kässmann

Kässmann, Botschafterin für das Reformationsjubiläum in Deutschland, besuchte die Synode.

«Die Reformation war ein enorm breiter Aufbruch eines neuen Denkens»

Margot Kässmann, «Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017» der Evangelischen Kirche in Deutschland, hat am 27. November die reformierte Kirchensynode besucht und ihre Wünsche, Hoffnungen und Vorstellungen zum bevorstehenden 500-Jahr-Jubiläum der Reformation Martin Luthers dargelegt.

«Luther war ein Sprachgenie. Es wird heute wie damals darum gehen, eine Sprache zu finden, welche die Menschen erreicht.» Margot Kässmann, bis 2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und seit April «Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017», ist überzeugt, dass die Kirchen heute vor grossen Herausforderungen stehen und dass die Feiern zu den Reformationsjubiläen, sei es 2017 in Deutschland oder anschliessend in der Schweiz, eine herausragende Gelegenheit sind, Öffentlichkeit herzustellen und kirchlichem Leben neue Impulse zu verleihen.

An einer Reihe von Bereichen legte Kässmann vor der Kirchensynode dar, von welchen Ideen sie sich für das Luther-Jubiläum 2017 leiten lässt, auch wenn der ganze Prozess nach wie vor eine Suchbewegung sei. Mit Blick auf die Ereignisse vor 500 Jahren, die der Aufbruch eines enorm breiten Denkens gewesen seien, will Kässmann Reformation als ein Gesamtgeschehen wahrnehmen. Insbesondere solle Luther nicht zur Heiligenfigur stilisiert, sondern auch kritisch befragt werden.

Hinsichtlich Ökumene und andere Religionen plädierte Kässmann für den Dialog. Das Jubiläum dürfe nicht dazu benutzt werden, sich von anderen Kirchen, Religionsgemeinschaft und religiösen Bewegungen abzugrenzen. Es sei vielmehr in einer Umkehrbewegung zu fragen, welchen Beitrag die Evangelischen in einer globalisieren Welt leisten können. Wichtig ist Kässmann auch die Selbstverständlichkeit von Frauen in allen Leitungsämtern, nicht aus Zugeständnis an den Zeitgeist, sondern aus theologischer Überzeugung. Schliesslich erwähnte Kässmann das Einstehen der Kirchen der Reformation für Verfassung und Menschenrechte, Demokratie und Religionsfreiheit. Allerdings hätte die Kirche dort Widerstand zu leisten, wo Menschenrechte mit Füssen getreten werden.

Begleitet wurde Margot Kässmann von Gottfried Locher, Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes. Auch Locher betonte, dass die Kirchen heute um Glaubwürdigkeit kämpfen müssten und wir uns eigentlich wieder in einer Zeit der Reformation befänden. Es sei darum zu fragen, was Reformation heute bedeute und wie das Jubiläum gefeiert werden könne, damit es wieder Mut mache, evangelisch zu sein.

Rede von Margot Kässmann

Rede von Gottfried Locher