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Locher in Kirchensynode

Der Präsident des Schweiz. Evang. Kirchenbundes, Gottfried Locher, besuchte die Kirchensynode.

Gottfried Locher: Auf das Evangelium vertrauen

 Gottfried Locher, seit Anfang Jahr Präsident des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, besuchte die reformierte Zürcher Kirchensynode. Er plädierte dabei gleichermassen für ein Annehmen soziologischer Befunde wie für ein Einlassen auf die sich daraus ergebenden Herausforderungen.

Im Rahmen der Synodeversammlung vom 14. Juni stattete der seit anfangs Jahr amtierende neue Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), Gottfried Locher, dem Parlament der Zürcher Landeskirche einen Besuch ab. In seiner Rede vor den Synodalen nahm Locher Bezug auf Bücher und Artikel aus den vergangenen Monaten, in denen die Kirche gegenwärtig als bildungsfern, sprachlos und banal und als künftig ärmer, älter und kleiner dargestellt wird.

Locher fragte, wie man als Kirche – und auch mit dem eigenen Glauben – auf diese Befunde reagieren soll. Der Ratspräsident des SEK empfahl zunächst, die soziologischen Analysen und Realitäten zu anerkennen. Dazu gehörten allerdings auch die positiven wie zum Beispiel jene, die den gesellschaftlichen Nutzen der Kirchen ausweisen.

Weiter gelte es, die sich aus den kritischen Befrunden ergebende Herausforderung mit Freude anzunehmen und darin auch das Positive zu sehen. Zum Beispiel könne der Verlust des Monopols im Bereich der Sinnstiftung, den die pluralistische Gesellschaft mit sich brachte, auch zum Anlass genommen werden, wieder zu einem klareren Profil zu finden.

Vor allem aber empfahl Locher, auch inmitten von strukturellen und institutionellen Fragen und Aufgaben das Wesentliche nicht aus den Augen zu verlieren und wieder stärker auf die Sprengkraft des Evangeliums zu vertrauen – und dies auch öffentlich und auf verständliche Weise kundzutun.

 Verabschiedung von Jahresbericht und Jahresrechnung 2010

Ohne Gegenstimme verabschiedete die Kirchensynode im Weiteren den Jahresbericht und die Jahresrechnung 2010 der Zentralkasse. Der Jahresbericht ist erstmals nicht mehr nach den Ressorts des Kirchenrates, sondern nach den Handlungsfeldern gegliedert, wie sie die Kirchenordnung vorgibt. Diese Darstellung macht es gegenüber Staat und Öffentlichkeit leichter einsehbar, wo und wie die Landeskirche die ihr anvertrauten Mittel einsetzt.

Die Rechnung der Zentralkasse schliesst bei einem Ertrag von 102.5 Mio. Fr. mit einem Aufwandüberschuss von 5.85 Mio. Fr. Diese beträchtliche Differenz ist in erster Linie auf einen Fehler bei der Übernahme der Pfarrsaläre aus der Staatsbuchhaltung zurückführen. Diese wurden netto, d.h. unter Abzug der Mietwerte für die Pfarrhäuser und Pfarrwohnungen, verbucht.

Offene Zukunft des Tagungszentrums Boldern

Im Rahmen der Debatte zum Jahresbericht und aufgrund einer Anfrage aus der Synode informierte Kirchenrätin Jeanne Pestalozzi über die Situation Bolderns. Auf Grund der schwierigen finanziellen Lage des Tagungszentrums hat die Boldern-Versammlung am 28. Mai 2011 die Rentabilisierung der Liegenschaften und die Gründung eines Fördervereins für den Bildungsbereich favorisiert. Kirchenrätin Pestalozzi ortete vor dem Hintergrund dieses Richtungsentscheids dringenden Gesprächsbedarf mit Boldern. Die Landeskirche, die Boldern jährlich mit rund einer halben Mio. Fr. mitträgt, könne nicht einen neuen Förderverein im Bildungsbereich unterstützen und gleichzeitig die eigene Bildungsarbeit vorantreiben. In diesem Zusammenhang informierte Kirchenrat Daniel Reuter über die Planungsarbeiten zur Gründung einer reformierten Stadtakademie.

Dennoch wollte Kirchenrätin Pestalozzi Boldern nicht einfach abschreiben, dafür sei der Leistungsausweis des Tagungszentrums in den vergangenen Jahrzehnten viel zu gross und die Marke Boldern zu wertvoll. Es bräuchte zurzeit aber rund 12 Mio. Fr., um das Zentrum wieder ins Lot zu bringen. Nötig sei darum rasch ein klare Strategie. Pestalozzi appellierte auch an die 166 Kirchgemeinden, die Mitglied des Trägervereins sind, dass sie in dieser Situation nicht austreten, sondern die Verantwortung gegenüber ihrem Tagungszentrum wahrnehmen. 

Jeanne Pestalozzi geht, Andrea Marco Bianca bleibt

Im Rahmen der Synodeversammlung gab Synodepräsident Peter Würmli weiter bekannt, dass Jeanne Pestalozzi-Racine auf Ende Amtsdauer zurücktritt. Die 59jährige Kirchenrätin ist seit 1995 Mitglied der landeskirchlichen Exekutive und dort für das Ressort Werke und Beiträge verantwortlich. In ihre Amtszeit fiel die Sanierung und erfolgreiche Neuausrichtung des landeskirchlichen Bildungshauses und Seminarhotels Kloster Kappel.

Im gleichen Zug bestätigte Kirchenrat Andrea Marco Bianca, dass er sich bei den Neuwahlen im September für eine weitere Amtsdauer zur Verfügung stellt. Bianca unterlag am 15. März dem Thalwiler Pfarrer Michel Müller bei der Wahl ins Präsidium des Kirchenrates. Bianca sicherte Müller vor der Synode seine Unterstützung und kollegiale Mitarbeit zu. Gleichzeitig kritisierte er die Art und Weise, wie ein Teil der Medien im Vorfeld der Wahl mit seiner privaten familiären Situation umgegangen war.

Schliesslich gab Jürg Schoch, Oberwinterthur, bekannt, dass der Synodalverein Wilma Willi-Bester aus Stadel zur neuen Fraktionspräsidentin gewählt hat. Sie tritt die Nachfolge des zum Kirchenratspräsidenten gewählten Michel Müller an.