Message

Lebensqualität im Alter

Das Projekt «va bene - besser leben zuhause» will mehr Lebensqualität im hohen Alter erreichen.
Lebensqualität bis ins hohe Alter: «va bene – besser leben zuhause»

 kid. «Im Alter gibt es keine Menschen, die ganz gesund sind», ist die Erfahrung des Zürcher Stadtarztes Albert Wettstein. Gut altern heisse deshalb lernen, mit Einschränkungen umzugehen. Wie aber kann es gelingen, älteren Menschen möglichst lange eine hohe Lebensqualität zu erhalten? Das Projekt «va bene – besser leben zuhause» versucht, darauf eine Antwort zu geben. Ziel ist die Unterstützung alter Menschen in der möglichst selbständigen Bewältigung ihres Alltags.

Es gibt bereits heute viele Angebote, die Senioren unterstützen. Sie haben alle ihre Vorteile, lassen aber auch Lücken erkennen. «va bene – besser leben zuhause» schliesst diese Lücken, indem die Vorteile der verschiedenen Angebote verknüpft werden. Für diese Vorteile stehen u.a. die beteiligten Kooperationspartner: Evang.-ref. Landeskirche, Stiftung Diakoniewerk Neumünster, Stadtarzt Albert Wettstein, Pro Senectute Kanton Zürich.

Das Aufsuchen älterer Menschen, die heute mehrheitlich reformiert sind, ist ein Grundauftrag der Landeskirche, wie Kirchenrat Andrea Marco Bianca vor den Medien ausführte: «Die Landeskirche bringt damit zum Ausdruck, dass menschliches Leben auch in seiner Begrenztheit wertvoll ist und die solidarische Unterstützung der Gemeinschaft verdient.» In vielen Kirchgemeinden gebe es gut ausgebaute Dienste, die insgesamt jährlich über 50'000 Besuche bei vorwiegend älteren Menschen machen. Die Mitarbeitenden und Freiwilligen, die dies leisten, besitzen dadurch das Vertrauen der alten Menschen, aber es fehlt ihnen meist an fachlichem gerontologischem Wissen.

Auf der anderen Seite haben Personen aus dem Alters- und Gesundheitsbereich zwar je spezifisches Fachwissen, aber sie haben ohne Auftrag nicht die Legitimation, ältere Menschen einfach aufzusuchen, wie das von der Kirche sogar erwartet wird. Hier setzt das Projekt an, indem es engagierten Mitarbeitenden und Freiwilligen das entsprechende Know how vermitteln will. Wettstein ist überzeugt, «dass einfühlsame Laien ältere Menschen ebenso gut unterstützen und nötige Hilfen empfehlen können wie beispielsweise Gesundheitsfachpersonal».

«va bene – besser leben zuhause» ist gemäss Anemone Eglin, Leiterin des Instituts Neumünster, zweistufig angelegt. Die erste Stufe bildet ein niederschwelliges Beratungsangebot, in dem Aspekte wie Haushaltführung oder Körperpflege geklärt, aber auch spirituelle Bereiche wie Sinnfragen und Lebensziele angesprochen werden. Eglin betont, dass die Autonomie der Besuchten dabei nicht angetastet werde und allfällige Massnahmen nur in deren Einverständnis und auch jenem der Angehörigen ergriffen würden. Die zweite Stufe besteht aus einem Netzwerk von Fachpersonen, die in komplexen Situationen beigezogen werden. Das für eine solche Triage nötige gerontologische bzw. geriatrische Fachwissen wird den Besuchenden durch das Institut Neumünster und Albert Wettstein vermittelt. Die ersten Schulungen für Pilotgemeinden finden im Laufe von 2011 statt, bevor das Projekt dann 2012 definitiv startet.

Nicht zuletzt nimmt das Pilotprojekt auch eine gesellschaftliche Problematik auf. Die Anzahl alter und hochaltriger Menschen und ihr Anteil an der Bevölkerung wird in den kommenden Jahrzehnten weiter zunehmen. Es werden also mehr Menschen auf Unterstützung zur Bewältigung ihres Alltags angewiesen sein als heute. Gleichzeitig werden die dafür nötigen personellen und finanziellen Mittel knapper. Gemäss Kirchenrat Bianca ist es «wichtig, dass die reformierte Landeskirche auf diese Entwicklung reagiert und an neuen Lösungen mitarbeitet». Indem älteren Menschen ermöglicht wird, ihren Alltag möglichst lange selbständig bewältigen zu können, leistet «va bene – besser leben zuhause» einen solchen Beitrag.