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"Kirchgemeindeplus" konkret

Die Zukunft jetzt an die Hand nehmen: Kirchenrat gibt Reformplan in die Vernehmlassung.

39 Kirchgemeinden statt wie heute 174. Die reformierte Landeskirche gibt einen Reformplan in die Vernehmlassung, der einen Vorschlag skizziert, wie sich Kirchgemeinden zusammenschliessen könnten und in welchem Zeitrahmen und auf welche Weise vorgegangen werden soll. Der Kirchenrat geht davon aus, dass der Landeskirche grosse Herausforderungen bevorstehen. Er ist überzeugt, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, sich darauf vorzubereiten und dass mit «KirchGemeindePlus» ein gangbarer Weg für die Zukunft eröffnet wird.

Der Reformprozess «KirchGemeindePlus» läuft seit 2012 und war in der Anfangsphase von zahlreichen Gesprächen, Tagungen und Konferenzen geprägt, bei denen es um grundsätzliche Fragen, das Ausarbeiten erster Modelle und teils auch schon um das Aufgleisen von Gemeindezusammenlegungen ging. Es haben deshalb auch schon mehrere Zusammenlegungen stattgefunden, jüngst im Wehntal und im Flaachtal.

Im vergangenen November legte der Kirchenrat der Kirchensynode einen Bericht zu «KirchGemeindePlus» vor, in dem die anstehende nächste Phase des Prozesses und insbesondere der Ansatz eines «dritten Weges» skizziert wurden. Das Kirchenparlament wies den Bericht jedoch zurück und forderte mit einem Fragenkatalog und einer Motion mehr Klarheit. Der Kirchenrat legt der Kirchensynode am 5. Juli 2016 nun einen Zusatzbericht vor, der die Fragen beantwortet und einen detaillierteren Zeitrahmen sowie methodische und inhaltliche Leitlinien vorgibt. Der Reformplan soll in eine breite Vernehmlassung gegeben und im Sommer 2017 erneut der Kirchensynode vorgelegt werden.

Der Kirchenrat betont im jetzt vorgelegten Ergänzungsbericht, dass er an der inhaltlichen Stossrichtung von «KirchGemeindePlus» grundsätzlich festhalten will, namentlich am Ziel des bereits im letzten Bericht formulierten «dritten Weges»: Der Kirchenrat skizziert eine Strategie zwischen institutioneller Dienstleistungskirche und engagierter Beteiligungskirche. Er beschränkt sich nicht darauf, am Prinzip der Territorialität festzuhalten, in der Kirche einzig als institutionelle Volkskirche verstanden wird. Er sieht die Zukunft aber auch nicht in einer reinen Beteiligungskirche, weil das einer gesellschaftlichen und finanziellen Selbstmarginalisierung gleichkäme.

Was das für die Grösse und Form der Kirchgemeinden bedeutet, formuliert Kirchenratspräsident Michel Müller so: «Die Kirchgemeinden sind wenigstens so gross, dass sie den gesellschaftlich erwarteten Service public in guter Qualität erbringen können. Und sie sind höchstens so gross, dass sie die Nähe zu den Mitgliedern möglichst direkt und unbürokratisch pflegen können.» Die Strukturen der neuen Kirchgemeinden sind deshalb so schlank und einfach wie möglich. In einem Reformplan entwirft der Kirchenrat eine mögliche Karte der künftigen reformierten Kirchgemeinden im Kanton. Offen bleiben dabei grössere Schritte über dieses Minimum hinaus, Zwischenschritte in Form von Zusammenarbeits-Vereinbarungen und nicht zuletzt alternative Zusammenschlusspaarungen, die aus basisdemokratischen Prozessen entstehen.

Gemäss Kirchenrat sollen die neuen Strukturen bis 2019 implementiert sein. Er nimmt allerdings auf die unterschiedlichen Tempi in den Kirchgemeinden Rücksicht und hat deshalb vier Zeitfenster definiert, in denen die Kirchensynode Zusammenschlüsse bewilligt. Das letzte liegt im Jahr 2023, bis dann sollte die Strukturreform abgeschlossen sein.

Der Kirchenrat geht davon aus, dass der Landeskirche grosse Herausforderungen bevorstehen. Gemäss einer Prognose, die er beim Statistischen Amt des Kantons Zürich in Auftrag gegeben hat, wird die Landeskirche bis 2040 weitere 22 Prozent ihrer Mitglieder verlieren, was auch eine Abnahme der Ressourcen mit sich bringt. Gemäss Kirchenrat ist die Zeit deshalb zu nutzen und auf diese Entwicklung zu reagieren, solange die Landeskirche wie heute ein grosses Potenzial an Menschen und Mitteln hat. Der Kirchenrat ist überzeugt, dass das bevorstehende Jubiläum zu 500 Jahre Reformation neue Kräfte freisetzen kann und mit «KirchGemeindePlus» ein gangbarer Weg für die Zukunft eröffnet wird.

www.kirchgemeindeplus.ch