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Kirchenrat zu Suizidhilfe

Der Kirchenrat nimmt Stellung zu den Abstimmungs-Vorlagen zur Sterbehilfe vom 15. Mai.
Schutz des Lebens und Respekt vor Gewissensentscheiden – Suizidhilfe im Spannungsfeld

 Am 15. Mai 2011 gelangen im Kanton Zürich die beiden Volksinitiativen «Nein zum Sterbetourismus im Kanton Zürich» und «Stopp der Suizidhilfe!» zur Abstimmung. Aufgrund des christlichen Menschenbildes, das von einer unverlierbaren Würde des Menschen ausgeht, hält der Kirchenrat der reformierten Landeskirche die Beihilfe zum Suizid im Grundsatz für äusserst problematisch. Er teilt damit die Sorge der Initianten, eine liberale Regelung der Suizidhilfe trage dazu bei, den Schutz des Rechts auf Leben und der Menschenwürde zurückzudrängen. Die Ausmasse, die insbesondere das Phänomen des «Sterbetourismus» mittlerweile angenommen hat, bestätigen diese Einschätzung. Die diesbezügliche Initiative geht aus Sicht des Kirchenrates deshalb grundsätzlich in die richtige Richtung.

Gleichzeitig weiss der Kirchenrat, dass es schwer leidende Menschen gibt, die sich für den Suizid entscheiden. Ein Suizid und die Beihilfe dazu, die aus innerer Not geschehen, werden vom Kirchenrat nicht verurteilt. Daher steht er hinter der derzeit bestehenden Gesetzgebung, die den Suizid und die Beihilfe zum Suizid, wenn letztere nicht aus eigennützigen Motiven geschieht, straffrei lässt. Aus Sicht des Kirchenrates werden die vorliegenden Volksinitiativen der ausdifferenzierten Situation einer pluralistischen Gesellschaft nicht gerecht. Sie sind deshalb nicht der geeignete Weg aus dem Spannungsfeld zwischen dem Schutz des Lebens und dem Respekt vor Gewissensentscheiden.

Von Handlungen aus Gewissensnot ist die organisierte Suizidbeihilfe zu unterscheiden. Der Kirchenrat anerkennt die Tatsache, dass es Menschen gibt, die für sich in Anspruch nehmen, über ihren Sterbezeitpunkt autonom zu entscheiden und sich in Suizidhilfeorganisationen zusammenzuschliessen. Der Kirchenrat weist aber darauf hin, dass sich diese postulierte Freiheit für den leidenden Menschen oft mit einem gesellschaftlichen Druck verbindet. Die organisierte Suizidbeihilfe braucht daher strenge Auflagen. Der Kirchenrat begrüsst es deshalb, dass der Bund zurzeit mit der Ausarbeitung von Gesetzesvorlagen befasst ist, welche die Tätigkeiten der Suizidhilfeorganisationen regeln sollen und dass dazu auch eine verstärkte Förderung der Suizidprävention und der Palliativmedizin gehört.

2010 hat der Kirchenrat zu dieser Gesamtproblematik ausführlich im Rahmen einer Vernehmlassungsantwort betreffend die organisierte Suizidbeihilfe Stellung genommen.