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Kirchenpflege-Forum 2012

Die Kirchenpflegen bekräftigen an einem Forums-Tag in Zürich gemeinsame Visionen.

Den Garten der Freiheit pflegen

 Die Kirchenpflegen der 179 reformierten Zürcher Kirchgemeinden befassen sich im Regelfall mit den Belangen ihrer lokalen Kirchgemeinde. An diesem Tag sollte es für einmal anders sein: Der Kirchenrat lud sie zusammen mit den Bezirkskirchenpflegen am Samstag nach Zürich ein, zuerst zum Reflektieren ins Kongresshaus und anschliessend zum Feiern ins Grossmünster. Hauptziel war einerseits das Fragen nach den gemeinsamen Visionen einer lebendigen Kirche und anderseits, die Behördenmitglieder in ihrem Amt und in ihrem Engagement für die Kirche zu stärken und zu ermutigen.

Rund 700 Behördenmitglieder leisteten der Einladung Folge. Sie liessen sich zunächst von Gottfried Locher inspirieren, dem Ratspräsidenten des Evangelischen Schweizerischen Kirchenbundes. Locher stellte das Thema Freiheit ins Zentrum und rief den anwesenden Kirchenvertretern zu, dass Freiheit eigentlich ein Keim im Herzen, heute aber nur noch als Sehnsucht vorhanden sei. Dafür gebe es viel falsche Freiheit wie Geld, Macht oder Mobilität, weil diese Dinge im Übermass unfrei machten.

Locher wies darauf hin, dass die Freiheit dennoch ein Stachel im Fleisch bleibe und bleiben solle. Er ermutigte die Kirchenpflegerinnen und Kirchenpfleger, Gewohntes in Frage zu stellen und Neues zu wagen und dabei in Kauf zu nehmen, dass Freiheit auch provoziere. Der Kirchenbundspräsident plädierte dafür, dies nicht nur als Einzelne zu tun, sondern sich  dabei stets auch der Gemeinschaft zu versichern und Kirche immer auch als ein grösseres Ganzes zu verstehen. Die Kirche zu pflegen, so Locher, werde dadurch zu einem Dienst an der Freiheit: «Wer Kirche pflegt, pflegt den Garten der Freiheit».

Strukturen anpassen, um Freiraum zu gewinnen

Anhand seiner Ziele für die Legislatur 2012–2016 präsentierte der Kirchenrat seinerseits eine Reihe von Themen und Projekten, welche die Landeskirche in den nächsten Jahren beschäftigen werden. Dazu gehören etwa das Begehen des 500-Jahr-Jubiläums der Reformation, die Umsetzung des demnächst erscheinenden Diakonie-Konzepts der Landeskirche sowie das vermehrte Berücksichtigen der Lebensstil-Milieus der Mitglieder bei der Angebotsgestaltung.

Ins Zentrum stellte Kirchenratspräsident Michel Müller vor allem die Notwendigkeit von Strukturveränderungen. Gemäss dem Territorialprinzip seien die Menschen jeweils an ihrem Wohnort Mitglied der Kirche. So sinnvoll diese Struktur sei, schaffe sie aber nicht per se kirchliches Leben. Dazu brauche es die Verkündigung im Gottesdienst, die Begleitung in Seelsorge und Diakonie, das Stiften von Beziehung und Gemeinschaft. Damit dies weiterhin möglich sei, brauche es angesichts schrumpfender Mitgliederzahlen eine Anpassung der Strukturen. Der Vorschlag des Kirchenrates besteht gemäss Müller darin, dass sich die Gemeinden künftig in grösseren Einheiten zusammenschliessen, um neue Freiräume zu gewinnen: «Wenn das Leben unsere Struktur überfordert, dann begrenzen wir nicht das Leben, sondern verändern unsere Struktur. Ergreifen wird die Freiheit, die uns gewährt ist!»

In den weiteren Teilen des Tages kamen die Behördenmitglieder dann auch selber zu Wort. Zu den Vorschlägen des Kirchenrates gab es Kritik wie auch Zustimmung. Beispielsweise wurde betont, dass Strukturveränderungen von unten, von der Basis kommen müssten. Andere hielten dem entgegen, dass solch komplexe Prozesse von der Leitung gesteuert werden müssten. Einig waren sich die Kirchenpflegerinnen und Kirchenpfleger aber, dass sie zu viel Kraft und Zeit für Administration und Verwaltung einsetzen müssten, so dass der Gemeindeaufbau, dass eigentliche kirchliche Leben, zu kurz kämen. Dennoch solle man aber nicht nur lamentieren, sondern auch Freude ausstrahlen und nach aussen zeigen, dass man sich für die Kirche engagiere.

Zum Abschluss des Forums-Tages feierten die Kirchenpflegen einen Abendmahls-Gottesdienst im Grossmünster, zu dem der bekannte Schweizer Perkussionist Pierre Favre den Takt vorgab.